Zürcher Füsilier 1916

Zürcher Füsilier 1916

Zürcher Füsilier 1916Bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde deutlich, dass die alte bunte Uniform immer weniger den Anforderungen der modernen Kriegsführung gerecht wurde. Nach zahlreichen Versuchen beschleunigte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs den Entscheidungsprozess. Gemäss Bundesratsbeschluss vom 28, Oktober 1914 sollte nun jegliche Männerbekleidung aus feldgrauem Stoff gefertigt werden. Die neue Uniform wies zunächst noch an den Vorstössen sowie an den Kragen- und Ärmelpatten die jeweilige Waffenfarbe auf. Allerdings stellte man rasch fest, wie aufwändig es war, Uniformen für alle Waffengattungen mit jeweils verschiedenfarbigen Vorstössen an den Nähten herzustellen. Ab Sommer 1917 sollten die Vorstösse überall nur noch schwarz sein, lediglich die Patten bleiben bunt. Der Schnitt der neuen Uniform war stark von österreichischen Vorbildern geprägt.

Unser Füsilier des Zürcher Bataillons 66 trägt noch den Tschako der Ordonnanz 1898. Sein Gewehr Modell 1889 hinkt ebenfalls etwas hinter der Zeit her, die Armee wird es demnächst gegen ein Gewehr Modell 1911 austauschen. Anders jedoch seine feldgraue Uniform der Ordonnanz 1914/15. Sie sollte das Bild des Schweizer Soldaten für die nächsten drei Jahrzehnte prägen, Am Kragen und am Vorderarm sieht man die aufgenähten Patten in Grün, der Waffenfarbe der Infanterie. Charakteristisch für die neue Uniform sind die Brust- und die Schosstaschen des Waffenrockes der Ordonnanz 1915, dessen besondere Eigenheit die Stoffpatte war, welche die sechs Metallknöpfe verdeckte. Dies diente dazu, den verräterischen Metallglanz der Knöpfe zu verbergen.

Die alten bunten Uniformen der Ordonnanz 1898 verschwanden mit der neuen Ordonnanz nicht einfach von der Bildfläche. Noch Jahrzehnte lang konnte man die ausgedienten blauen Tenüs, ob prachtvolle Waffenröcke oder Feldblusen als Exerzieruniformen allenthalben in den Rekrutenschulen sehen. Die Schweizer Armee trennte sich nur ungern von Textilien, die sich noch irgendwie verwenden liessen.

Roger Rebmann, Basel