St. Galler Scharfschützen

St. Galler ScharfschützeIm Zeitalter der Linienregimenter galt der Scharfschütze bei vielen Feldherren im besten Falle als Sonderling und wurde nur misstrauisch geduldet. Es war in der Tat ungewöhnlich, dass sich ein Fusssoldat ausserhalb des geschlossenen Regimentsverbandes als Kämpfer betätigte. Damals erlaubte die Waffentechnik hohe Feuerkraft nur wenn möglichst viele Gewehrträger massiert auftraten und schossen. Im Gegensatz zum Zentrumsinfanteristen in seinem Regiment, bewegte sich der Scharfschütze relativ ungebunden im Gelände. Seine Waffe war der Stutzer (unsere Darstellung zeigt den Feldstutzer 1851, abgeändert 1867 auf das Hinterladersystem Milbank- Amsler), welcher als Präzisionsgewehr mit Stecherabzug der simplen Infanteriemuskete weit überlegen war.
Die Scharfschützen waren in Kompanien zusammengefasst. Unser Mann gehört der Scharfschützenkompanie 31 des Auszugs des Kantons St.Gallen an.

Spezialisierte Einzelkämpfer
Als spezialisierte Einzelkämpfer hatten die Scharfschützen bespielsweise die Aufgabe, von einer gut gewählten Stellung aus die Reihen der gegnerischen Offiziere zu lichten, um deren Truppen führungslos zu machen. Ebenso waren aber auch Fachsoldaten wie etwa Kanoniere oder Pontoniere potenzielle Ziele.
Während es Sonderbundskrieges 1847 waren Kanoniere beider Parteien immer wieder besonders durch das wohlgezielte Feuer unsichtbarer Scharfschützen gefährdet. Ihrer Aufgabe gemäss waren diese Eliteschützen gekleidet. Die dunkelgrüne Uniform und das geschwärzte Lederzeug waren Zugeständnisse an die Tarnung. Während Füsilierkompanien im Pulverdunst des Schlachtfeldes nach einer optisch klaren Freund-Feind-Erkennung streben mussten, sollte der Scharfschütze im Gelände möglichst nicht erkennbar sein. Schon bei den Truppen der Freiwilligen sanktgallischen Legion ab 1804 waren die Scharfschützen Grün-Schwarz gekleidet und ihr Lederzeug wurde entsprechend geschwärzt.
Der dargestellte Scharfschütze trägt die Uniform der Eidgenössischen Ordonnanz 1861. Die Melone mit dem Busch Hahnenfedern hiner der Kantonskokarde lässt italienische Wurzeln erkennen. Die grau-blauen Hosen haben mit ihrem weiten Schnitt eindeutig französische Paten. Der zweireihige Waffenrock hat den sehr beengenden und unbequemen Frack abgelöst. Als Seitenwaffen kann man das Weidmesser 1852 und das Federbajonett zum Stutzer erkennen. Über die Schulter wird die Weidtasche getragen, worin sich Munition, Schiessuntensilien und das Stutzerwerkzeug befinden. Wie der Füsilier, so trägt auch der Scharfschütze einen Tornisten, dessen Riemen aber ebenfalls geschwärzt sind.
Obschon er eines der populärsten Schützengewehre seiner Zeit ist (auch in Süddeutschland und Italien sehr beliebt), geht der umgerüstete Stutzer unseres Mannes seiner baldigen Ausmusterung entgegen. Am 21. März 1868 erliess das EMD die Verfügung, dass die Scharfschützen bis zur Einführung und Ausgabe des Repetierstutzers System Vetterli mit aus dem aus den USA importierten Peabody-Hinterladergewehr bewaffnet werden sollen.

Scharfschützenkompanien
Weitere St.Galler Scharfschützenkompanien um 1868:
Kompanie 37 (Auszug)
Kompanie 55 (Reserve)
Kompanie 19 (Landwehr)
Kompanie 20 (Landwehr)

Appenzell A.Rh.:
Kompanie 18 (Auszug)
Kompanie 20 (Auszug)
Kompanie 54 (Reserve)
Kompanie 17 (Landwehr)
Kompanie 18 (Landwehr)

Keine Scharfschützenkompanien aus Appenzell I.Rh.