Schweizer „Yankees“

Schweizer„Drei Jahre in der Potomac-Armee“ nennen sich die 1885 in Richterswil erschienenen Erinnerungen eines Auslandschweizer Veteranen des amerikanischen Bürgerkrieges. Der Autor, der Zürcher Rudolf Aschmann, hatte sich in die Unionsarmee anwerben lassen und mit ihm einige Tausend seiner Landsleute. Aschmann diente in der Kompanie A des 1. Vereinigten-Staaten-Scharfschützenregiments, die er zuletzt auch führte. Die Kompanie umfasste etwa 100 Mann: Schweizer, Deutsche und einzelne geborene Amerikaner – Idealisten und gestrandete Immigranten, Abenteurer und glücklose Goldgräber. Mit der Aufstellung war Ende Juli 1861 in New York begonnen worden. Initiant und erster Kommandant war Hauptmann Caspar Trepp aus Splügen, einst Offizier der British Swiss Legion (1854 – 56). Er fiel am 30. November 1863 als Oberst und Regimentskommandant am Min Run (-Fluss). An der Spitze des 1. Regiments hatte anfänglich der berühmte spätere Waffenkonstrukteur Oberst Hiram Berdan (Bild) gestanden.
Die Scharfschützen trugen einen jägergrünen Rock, ebensolche bzw. blaue Hosen und einen breitkrempigen Filzhut. Als Bewaffnung diente zunächst das Colt-Revolvergewehr M 1855, das die Schweizer aber als „zu kompliziert“ taxierten. Zu bemängeln gab es auch, dass die Zündung zuweilen gleichzeitig in allen fünf Kammern erfolgte.
Die nachfolgenden Sharps-Gewehre NM 1859 fanden indes ungeteiltes Lob. Aschmann notierte: „Ausserdem dass sie ein schnelles und in jeder Lage bequemes Laden ermöglichten, schossen sie selbst auf sehr weite Distanzen vortrefflich, waren leicht zu reinigen und in Ordnung zu halten und hatten mehr als irgendein Gewehr in der Armee das Aussehen einer eines Scharfschützen würdigen Waffe.“
Anders als es sich die Schweizer erhofft hatten, entwickelte sich der Waffengang gegen die Konföderierten, die „Rebels“, wie die Nordstaatler („Yankees“) ihre Gegner nannten, nicht „à la Sonderbundskrieg“. Im Gegenteil, man hatte „nahezu 40 Schlachten und Gefechte“ zu bestehen und kam „drei Jahre lang unter kein Dach“. Bei der Entlassung 1864 wies die A-Kompanie, auch infolge Desertion gerade noch ein Dutzend Mann auf; und Hauptmann Rudolf Aschmann kehrte als Einbeiniger heim. Der Sezessionskrieg 1861 – 65 forderte etwa 700’000 Tote.

Vincenz Oertle
Schweizer Soldat 2/2001