Sappeur 1856

Sappeur 1856

Sappeur 1856In Napoleons Linienregimentern wurden die besten und kräftigsten Männer der Grenadierkompanien als Sappeure eingesetzt. Diese Truppenhandwerker hatten wichtige Aufgaben, wie etwa das Freimachen von Marschrouten, Vorbereiten von Biwakgelände, Erstellen von Feldbefestigungen oder auch Schiessscharten in bestehende Mauern zu schlagen. Dieser Dienst erforderte Mut und Körperkraft. Als Anerkennung für ihren Einsatz erhielten die Sappeure das Privileg, an der Spitze der Kolonne zu marschieren, bei der Fahne und dem Regimentsspiel. Darüber hinaus stellten sie die Wachen vor dem Hauptquartier, und sie genossen das exklusive Recht, Bärte zu tragen. Noch heute führen bei der Parade zum 14. Juli in Paris axtbewehrte, bärtige Sappeure in weissen Arbeitsschürzen stolz das Kontingent der Fremdenlegion an.
Viele napoleonische Traditionen sind von Fremddienstleistenden in die Schweiz gebracht worden, und fanden so ihren Weg in die junge Milizarmee des Bundesstaates. Es verwundert daher kaum, dass der Sappeur hierzulande seinem französischen Paten sehr ähnlich sah.
Unser Bild zeigt einen Sappeur des Aargauer Infanteriebataillons 15 im Jahr 1856. Die Tschakogarnitur mit Pompon, Kantonskokarde (Blau-Schwarz) und Nummernplakette entspricht derjenigen seiner Stammkompanie im Bataillon. Gemäss der napoleonischen Tradition sind seine Epauletten rot wie jene der Grenadiere. Sein dunkelblauer Frack mit zwei Knopfreihen hat einen gleichfarbigen Kragen mit einem roten Vorstoss. Auf dem Oberarm ist das Fachabzeichen des Zimmermanns zu sehen – zwei gekreuzte rote Äxte. Im aktiven Dienst stehend, trägt er am linken Arm die eidgenössische Armbinde. Über dem Arbeitsschurz aus weissem Leder sieht man den weissen Ceinturon mit Messingschloss. Das Tragfutteral für die Arbeitsaxt hängt an einem weissen Bandolier über der linken Schulter. Unter der Schürze kann man eben noch die blaue Hose und die Gamaschen erkennen. Die gesamte Uniform entspricht der eidgenössischen Ordonnanz 1852. Über der Schulter trägt der Sappeur seine Zimmermannsaxt. Ihr Schaft ist in den Nationalfarben Weiss und Rot gestreift. Eine Mode, die kantonal variierte und in der sich oft auch die Standesfarben wiederspiegelten.
In der Schweiz zogen die Sappeure lange, wie zu Napoleons Zeiten, an der Spitze der Marschkolonnen einher. Sie hielten dabei ihre Axt rechts geschultert und stemmten in aufrechter Haltung die Hand (häufig wurden weisslederne Stulpenhandschuhe getragen) in die Hüfte. Ihr Truppenstolz war hervorgegangen aus demjenigen der Schweizer Veteranen in Napoleons Armee und er wird gewiss auch bei den Sappeuren der Armee XXI weiterleben.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 10/2000