Regimenti Esteri

Regimenti EsteriDie letzten kapitulierten, das heisst mittels bilateraler Militärverträge (1825-1828) aufgestellten eidgenössischen Fremdtruppen dienten bekanntlich im Königreich beider Sizilien (Neapel). Sie wurden 1859 entlassen. Zur gleichen Zeit stand Schweizer Infanterie aber auch im Dienst des Mittelitalien umfassenden Kirchenstaates. Papst Gregor XVI. (Pontifikat 1831-1846) hatte 1832 zwei in Frankreich altgediente Schweizer Offiziere mit der Anwerbung je eines Regiments beauftragt. Es handelte sich um Generalleutnant Graf Franz Simon von Salis-Zizers (1777-1845) und den Walliser Brigadegeneral Eugène de Courten (1771-1839) Da es sich um keine eigentlichen Schweizertruppen handelte, waren die Verträge ohne die sonst übliche Ratifizierung durch die Tagsatzung in Kraft getreten

In den beiden Regimenti Esteri sammelte sich ein buntes Völkergemisch: Badener, Bayern, Belgier, Franzosen und Oesterreicher, ja sogar Freiwillige aus Uebersee und längst nicht alles Katholiken. Den Hauptharst stellten aber die Schweizer. Die Regimenter umfassten je etwa 2200 Mann Fusstruppen sowie eine Batterie Artillerie und bildeten zusammen eine Brigade. Als zuverlässige Kerntruppen wurden die Regimenti Esteri von Brennpunkt zu Brennpunkt beordert. Sie kamen nicht nur gegen die Armeen des Risorgimento (italienische Einigungsbewegung) zum Einsatz. Auch Volksaufstände waren niederzuschlagen, abgefallene Provinzen zurückzuerobern und Räuberbanden auszuräuchern, die eine wahre Landplage darstellten.

Nach der Proklamation der Römischen Republik 1848 wurden die beiden Regimenter aufgelöst. Zwei Jahre später liess der aus dem Exil in Gaeta zurückgekehrte Pius IX. (Pontifikat 1846-1878) abermals Fremdtruppen anwerben. Diese wiesen erneut eine hohe Schweizerpräsenz auf und bestanden, wiederholt umgruppiert, bis zum Zusammenbruch des alten Kirchenstaates 1870. Als ranghohe Schweizer Offiziere der päpstlichen Streitkräfte sind zu nennen: General Kaspar Theodosius de Latour (1782-1855) aus Brigels GR, Oberbefehlshaber in der Romagna, sowie der Walliser General Theodosius von Kalbermatten ( 1788-1866), Kriegsminister.

Die Abbildung zeigt zwei Jägeroffiziere und einen Unterleutnant der Zuaven um 1865. In der Uniformierung ist der französische Einfluss unverkennbar.

Vincenz Oertle, Esslingen