Pontonier 1853

Pontonier 1853

Pontonier 1853Die Pontoniere können sich eines uralten Handwerks rühmen. Schon Perserkönig Dareios I. liess im Skythenfeldzug 513 vor Christus von seinem Architekten Mandrokles eine mächtige Schiffsbrücke mit mehreren hundert Galeeren über den Bosporus errichten. Sein Sohn Xerxes bezwang den Hellespont 480 vor Christus im Feldzug gegen Athen mit zwei Schiffsbrücken, eine aus 314 und eine aus 360 Schiffen. Auf ihnen wurden richtige Heeresstrassen mit gestampften Lehmböden errichtet. Als ein Sturm die Brücken schwer beschädigte, liess der zornige Perserkönig das widerborstige Gewässer mit 300 Peitschenhieben züchtigen.
Einer der gefährlichsten Einsätze von Schweizer Pontonieren ergab sich im Sonderbundkrieg 1847. Im Gefecht bei Lunnern am 12. November brachen die Wehrmänner der Zürcher Pontonierkompanie Huber im gegnerischen Infanterie- und Artilleriefeuer die eidgenössische Pontonbrücke über die Reuss ab und verhinderten so, dass die Sonderbundstruppen von General Salis-Soglio den Fluss überschritten.
Der dargestellte Pontonier der Zürcher Pontonierkompanie 3 mag ein Veteran von Lunnern sein. Seine Uniform ist eine Mischung aus der neuen Ordonnanz 1852 und aus kantonalen Bekleidungsstücken. Der neue Tschako zeigt unter der Kantonskokarde das Pontonierabzeichen, einen Seilkranz über einem Anker und einem mit einem Stachel gekreuzten Ruder. Der Pontonier trägt die Ärmelweste kantonaler Ordonnanz mit den roten Epauletten der Genietruppen. Über der Schulter hängt an einem weissen Bandolier die Munitionstasche, welche auf ihrem Deckel (hier nicht sichtbar) den Anker der Pontoniere trägt.
Dieses spezielle Abzeichen ist auch auf der Messingschliesse des weissen Ceinturons zu sehen. Am Ceinturon hängt der Frosch für den Säbel kantonaler Ordonnanz. Als Langwaffe hält unser Pontonier hier das Genie- und Parkartilleriegewehr Modell 1842 in der Hand. Diese Gewehre waren kürzer als jene der Infanterie und hatten zudem eine Garnitur aus Messing anstatt aus Eisen.
Und noch etwas wissen wir von den wackeren Schweizer Pontonieren jener Tage: Sie haben weder mit Peitschen noch mit Gewehrkolben auf unsere einheimischen Gewässer eingeschlagen, wenn ihnen diese einen Strich durch die Rechnung machten.

Roger Rebmann