Musketier um 1636

Musketier um 1636

Der Dreissigjährige Krieg, der Mitteleuropa zwischen 1618 und 1648 heimsuchte, verschonte die Schweiz, obwohl sie damals noch ein Teil des deutschen Kaiserreiches war. Es gelang den Eidgenossen, sich trotz eigener religiöser Differenzen aus diesem mörderischen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten herauszuhalten. Dennoch berührte der Krieg unser Land wiederholt am Rande, und schon damals tat der Grenzschutz not. Die Heimatgemeinde des Schreibenden kam als Dorf am Rhein (Basel) mehr als einmal mit diesem Krieg in Deutschland in Kontakt. Bereits 1623 mussten während vier Monaten 13 Musketiere, 4 Mann in Rüstung, 8 Spiessknechte, 6 Hellebardiere, 2 Trommler und 15 Junggesellen ohne Übergewehr bei Augst am Rheinufer Grenzwache halten. In den folgenden Kriegsjahren zogen fremde Truppen unter Verletzung der schweizerischen Neutralität durch den Pratteler Bann. Im Jahr 1633 war es ein katholisches Heer des Kaisers von 25’000 Mann unter Herzog Feria, im Januar 1638 waren es 6’000 Mann vom protestantischen Heer Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar.
Schwedische Moradeure suchten das Baselbiet heim und verbreiteten Furcht und Schrecken. Am 28. Februar 1638 kam es bei Pratteln zu einem Gefecht zwischen kaiserlichen Truppen und weimarischer Reiterei, wobei 6 Tote zurückblieben. Die Pferde und das liegengebliebene Kriegsmaterial wurden eingesammelt und ins Schloss von Pratteln gebracht.
Im Mannschaftsrodel des Amtes Müchenstein von 1636 findet sich unter den Pratteler Wehrpflichtigen auch ein direkter Ahne des Schreibenden. Hans Rebmann tat als Musketier Dienst bei der Miliz.
Auf der Darstellung sehen wir ihn in voller Ausrüstung vor dem Pratteler Schloss. In der rechten Hand hält er die Luntenschlossmuskete, welche zum Schuss auf der Gabel, die in seiner linken Hand zu sehen ist, aufgelegt wurde. Die Zündung erfolgte mit einer salpetergetränkten Lunte, die stets glimmend mitgeführt wurde. Beim Abziehen schnappte der Hahn vor und drückte die Lunte in die Pfanne mit Zündkraut, was schließlich die Ladung im Lauf zündete. Geladen wurde die Muskete mit den am Bandelier getragenen Pulverbehältern aus Holz, auch bekannt als die „12 Apostel“. In jedem dieser Behälter befand sich die abgemessene Pulvermenge für je einen Schuss. Das Zündkraut trug der Musketier in einer eigenen Pulverflasche, hier erkennbar an der rechten Seite neben den Reservelunten am Bandelier. Das Laden erfolgte, je nach Reglement, nach bis zu 14 einzelnen Befehlen.
Als Zweitwaffe trägt Hans hier ein Rapier, denn Bajonette gab es seinerzeit noch nicht. Im Gefecht schwang man jedoch eher die Muskete, denn nur die wenigsten waren geübt im Fechten, aber mit dem Kolben dreinschlagen konnte jeder.
Uniformen waren damals wenig verbreitet. Wie zu Zeiten der Eidgenossen zog der Mann in der eigenen Kleidung ins Feld. Zu seinen Strümpfen trägt Hans hier weite Kniehosen, einen groben Kittel, ein Leinenhemd und einen Hut mit Krempe.

Musketier um 1636

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 6/2000