Kürassiere

KürassiereIhrer Beweglichkeit, Schnelligkeit und Stosskraft wegen spielte die Reiterei im Zusammenspiel der Waffengattungen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine nicht zu übersehende Rolle. Die Kavallerie konnte in kurzer Zeit grosse Distanzen bewältigen, in der Tiefe aufklären, überraschend in den Kampf eingreifen, den Gegner verfolgen und auch abgesessen kämpfen. Man unterschied zwischen schwerer und leichter Kavallerie – die schwere (z. B. Kürassiere) war die Schlachtenreiterei, die leichte (z. B. Husaren) diente der Aufklärung oder Sicherung. Die Dragoner und die Ulanen wurden der einen wie der anderen Gattung zugeordnet.
Die Kürassiere waren gepanzerte Reiter und hatten ihren Ursprung bei den Rittern des Spätmittelalters. Zu Gunsten der Beweglichkeit beschränkte sich deren Armierung aber auf den Kürass (französisch: cuirasse = Panzer, Harnisch, ursprünglich Lederpanzer, cuir = Leder). Als Bewaffnung dienten Pallasch (schwere Hieb- und Stichwaffe mit breiter, gerader Klinge), Pistole, Karabiner und zuweilen auch die Lanze. Die Kürassiere attackierten in geschlossener Formation, und noch zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 vermochte die Infanterie der Wucht eines Kürassierangriffs kaum standzuhalten.
Mit der Ausweitung des Feuergefechts verlor die Reiterei aber zusehends an Bedeutung und büsste ihre Rolle als Hauptwaffengattung während des Ersten Weltkrieges noch ganz ein. Auch ausrüstungsmässige Anpassungen an den modernen Krieg hatten diese Entwicklung nicht aufzuhalten vermocht. So hiess es 1882 in Julius Castners „Militär-Lexikon“ (Leipzig): „Den heutigen Feuerwaffen gegenüber erscheint der Kürass nicht mehr zeitgemäss, da er Mann und Pferd erheblich belastet und die Verwendung der Kürassiere zum Sicherungs- und Aufklärungsdienst ausschliesst. In Bayern haben die Kürassiere den Kürass bereits abgelegt, und ist das Gleiche in Preussen wohl nur noch eine Frage der Zeit.“
Die Abbildung zeigt eine Szene aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Ein Füsilier des königlich-französischen Bernerregiments von Jenner pariert die Attacke eines preussischen Kürassiers.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 5/2001