Keltischer Krieger vom Neuenburger See (ca. 420 v. Chr.)

Keltischer Krieger vom Neuenburger See (ca. 420 v. Chr.)

Keltischer Krieger vom Neuenburger See (ca. 420 v. Chr.)Nahe eines Dorfes am Neuenburger See fand man im 19. Jahrhundert viele Objekte, welche von einst dort ansässigen Kelten zeugten. Der Fundort wurde durch immer neue Entdeckungen so bedeutsam, dass er einer ganzen Epoche der keltischen Geschichte vom 5. bis zum 1. Jahrhundert vor Christus einen Namen gab: „La Tène“. Die Kelten um 500 v. Chr. standen am Anfang einer Expansion, welche fast die ganze antike Welt berührte. Diese Ausbreitung war die Folge ihres kriegerischen und neugierigen Charakters, der sie dazu trieb, immer neue Grenzen zu überschreiten.
In den kommenden Jahrhunderten fielen sie in Griechenland ein, plünderten Rom und stiessen bis an die Grenzen Asiens vor. Im Prinzip waren die Kelten militärisch locker organisiert und zogen als wilder Haufen wider ihre Gegner.
Das Bild der wilden Gallier, die aus ihrem Dorf heraus als stürmische Horde über die Römer herfallen, ist uns aus den Asterix-Geschichten bekannt. Der Schwung eines keltischen Angriffs war geradezu unwiderstehlich. Der Kopf galt als Sitz des Geistes und war für den Kelten eine begehrte Kriegstrophäe. Auch eigene gefallene Anführer wurden gelegentlich enthauptet, um deren Kopf vor der Eroberung zu retten.
Der Kelte kämpfte im Getümmel für sich und hieb alles nieder, was sich ihm entgegenstellte. Irische Chroniken berichten von heftigen Wutanfällen keltischer Krieger in der Schlacht: „Ein Schauer durchzog ihn, entstellte ihn, machte ihn zu einem monströsen Ding. Seine Knochen und Organe schüttelten sich gleich Bäumen im Sturm und seine Innerein drängten nach Aussen. Adern schwollen und die Haut zerriss beinahe unter seinen sich wölbenden Muskeln.“
Unsere Neuenburger Keltenkrieger tragen lange eiserne Hauschwerter. Der Spee des einen hat eine breite Klinge, wie man sie im Neuenburger See fand. Eine ebenso gefürchtete Waffe war die Kampfaxt in der Hand des Schildträgers. Der Schild selber bestand aus Eichenbohlen, die mit Eisenbeschlägen verstärkt wurden. Helme sowie der Brustpanzer des Speerträgers waren aus Bronze. Ein gutes keltisches Schwert wurde aus einem elastischen Mittelteil geschmiedet, welches man dann mit Schneiden und einer Spitze aus einem besonders gehärteten Eisen versah.
Es waren furchtbare Hiebwaffen, deren Klingen sich zwar biegen mochten, aber kaum brachen. Die gute Ausrüstung der Keltenkrieger nützte jedoch nichts gegen die römischen Legionen eines Julius Cäsar, der zur Nemesis der Kelten Europas werden sollte. Ihre wilde Kampfeslust unterlag den kühlen Strategien der organisierten Massenheere. Da hätte auch der Zaubertrank eines Miraculix wenig geholfen.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 11/2000