Herrgottsgrenadiere

HerrgottsgrenadiereDie wohl Mitte der 40er-Jahre entstandene Aufnahme zeigt einen Wachtmeister der Lötschentaler Herrgottsgrenadiere mit Prior Johann Siegen in Kippel (im Hintergrund Mannschaften). Die Herrgottsgrenadiere tradieren die Walliser Fremddienste, im Speziellen das 3. Schweizerregiment im Königreich beider Sizilien. Das Regiment war 1827/28 aus je einem Bataillon Walliser sowie Schwyzer und Bündner formiert worden und bestand bis zum Ende der kapitulierten Fremddienste im Jahre 1859. Kirchliche Soldatenaufzüge haben im „Reisläufer-Kanton“ Wallis Tradition; sie erinnern an die glanzvollen bourbonischen Militärparaden in Neapel und in Frankreich. Die Walliser stellen auch in der Päpstlichen Schweizergarde seit jeher ein Hauptkontingent. Die Herrgottsgrenadiere treten an Fronleichnam, am nachfolgenden „Segensonntag“ sowie am Kirchweihfest in Feriden, Kippel, Wiler und Blatten auf.
Die vier Grenadierkorps besitzen je etwa Zugstärke und stehen unter dem Kommando eines „Wachtmeisters“, der allerdings eine Offiziersmontur trägt; ähnlich gekleidet ist auch der Fähnrich. Die Uniform der Herrgottsgrenadiere besteht aus weissen Hosen und einem roten Waffenrock mit weissen Epauletten für die Mannschaften bzw. goldfarbenen für die Wachtmeister und Fähnriche. Sie entspricht weitgehend der letztgültigen Sommer-Gala der neapolitanischen Linieninfanterie Ferdinands II. (Regent 1830-1859). Am gekreuzten Bandelier werden Patronentaschen und „Briquet“ getragen.
Bei den Uniformen und Ausrüstungsgegenständen handelte es sich ursprünglich um Originalstücke, die durch Dienstentlassene in die Heimat gelangt waren. Später kamen Neuanfertigungen hinzu, oder man behalf sich mit ähnlich aussehenden Effekten. So sind die Mannschaften heute neben den im Stil der 1830er Jahre gefertigten Fellmützen auch mit Tschakos eidgenössischer Ordonnanz 1898 ausgerüstet. Letztere sind jedoch anstelle der Pompons mit weiss-roten Plumets versehen. Es ist anzunehmen, dass ehedem neapolitanische Grenadier-, Füsilier- und Jägertschakos im Gebrauch waren. Ein Sammelsurium bildeten früher auch die Schusswaffen, wobei die Palette vom „Steinschloss“ über das „Vetterli“ bis zum „Langgewehr“ reichte. Ein einheitliches Bild ergab sich erst mit der Übernahme der Schweizer Karabiner 11 und 31.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat