Gardewaffen

GardewaffenDie in den 1950er Jahren entstandene Aufnahme zeigt einen päpstlichen Hellebardier beim Posten "Arco delle Campane", ausgerüstet mit dern Mauser-Gewehr Mod. 1898. Das kaiserlich-deutsche Mauser-Gewehr, einst die beste Infanteriewaffe, war 1911 von Oberst Jules Repond (Kdt. 1910-1921) in 200 Exemplaren eingeführt worden; davon gingen 80 Stück an die päpstliche Gendarmerie. 1957 wurden die mittlerweile antiquierten "Mauser" durch 100 Schweizer Karabiner 1931 ersetzt. Es handelte sich dabei um ein Geschenk des Bundesrates zum 450-Jahr-Jubiläum der Gardegründung (1506?1956).

Seit 1971 versieht die Schweizergarde den Wachdienst ohne Handfeuerwaffen; das heisst, sie hält diese diskret in Reserve. Aktuelle Mannschaftswaffe ist das Schweizer Sturmgewehr 1990; wiederum ein Geschenk des Bundesrates, diesmal aus Anlass des Jubiläums 700 Jahre Eidgenossenschaft (1291?1991). Verwendung fanden in der Garde aber auch der SIG-Maschinenkarabiner MKPS (eingeführt 1944) und die HispanoSuiza-Maschinenpistole 1943/44 (eingeführt 1981/85).

Vorgänger des "Mauser" war ein Remington-Gewehr mit Jatagan. Dieses, speziell für die Streitkräfte Plus IX. produziert, war 1868 (= Modell) bei der päpstlichen Infanterie eingeführt worden. Als Donatoren der rund 13’600 Gewehre belgischer und britischer Fertigung zeichneten katholische Komitees in Belgien, Frankreich und Deutschland. Das Risorgimento befand sich gerade auf Siegeskurs; und so hatte sich in dieser für den Kirchenstaat bedrohlichen Zeit auch Gardeoberst Alfred von Sonnenberg (Kdt. 1860-1878) um Zuteilung von Romington-Gewehren bemüht. Wie Gardekaplan Paul M. Krieg (Die Schweizergardte in Rom, Luzern 1960) berichtet, soll das päpstliche Kriegsministerium das Gesuch aber "sabotiert" haben, so dass die Schweizer erst 1881 in den Besitz der gewünschten Waffen kamen. Beide Gardegewehre, das "Mauser" und das "Remington", wurden später verschrottet. Übrig blieben lediglich kleine museale Restbestände.

Mehr über die Gardebewaffnung erfahren Sie aus meinem neuen Buch "Vom Remington zum Sturmgewehr 90", erschienen im Thesis Verlag, 8847 Egg SZ.

Vincenz Oertle, Esslingen