Emil Freys Kompanie, Juni 1863

Emil Freys Kompanie, Juni 1863

Emil Freys Kompanie, Juni 1863Während seiner Zeit in den USA trat der spätere Bundesrat Emil Frey aus Arlesheim/BL in die Unionsarmee ein, als der Bürgerkrieg ausbrach. Er liess sich im Juni 1861 für das 24. Illinois-Regiment des einstigen deutschen Revolutionärs Friedrich Hecker anwerben, aus dem er genau ein Jahr später in Tennessee, wohl von der Malaria befallen, seinen Abschied nahm. Wenig später stellte Friedrich Hecker in Camp Butter in Springfield/Illinois ein neues Regiment auf, das 82nd Illinois Volunteer Infantry Regiment. Kurzentschlossen trat Frey ein und führte als Offizier die H-Kompanie, welche überwiegend aus Schweizer Auswanderern bestand, bis zu seiner Gefangennahme in der Schlacht von Gettysburg am 1. Juli 1863. Unser Korporal der H-Company des 82nd Illinois trägt die dunkelblaue Feldjacke, genannt Sack-Coat, die von schlichtem Schnitt war und nur vier Knöpfe hatte. Die meisten Soldaten des Regiments trugen State-Jackets – kurze Uniformjacken des Staatsarsenals – aber auch der Sack-Coat ist belegt. Das Käppi mit dem Kompaniebuchstaben in Messing auf dem Deckel ist dunkelblau und wurde in dieser Version „Bummer Cap“ genannt. Die hellblaue Mannschaftshose entspricht dern Einheitsmodell der US-Bundesarmee und war auch ein

beliebtes Beuteobjekt beim Gegner. Die M-1855-Munitionstasche aus schwarzem Leder wird über die linke Schulter getragen. Auf ihrem Deckel ist ein ovales Messingschild befestigt, welches die Buchstaben „US“ trägt und das mit seinem Gewicht den Taschendeckel geschlossen hält. Zur Munitionstasche trägt der Mann, hier nicht sichtbar, eine Zündhütchentasche am Gurt. Der Gurt selber besteht aus schwarzem Leder, seine ovale Messingschliesse zeigt ebenfalls die Buchstaben „US“. Dem Regiment kamen in der verlorenen Schlacht von Chancellorsville im Mai 1863 zahlreiche Tornister abhanden. Dieser Korporal hat den verlorenen Tornister nach „Rebellenart“ durch eine gerollte Wolldecke ersetzt, die im Inneren alle Habseligkeiten aufnimmt. Über die rechte Schulter trägt er den Brotsack aus geteertem Segeltuch und die Feldflasche, Die Waffe ist die P-1853 Enfield 3-Band-Muskete – ein damals beliebter englischer Exportartikel.

Vom 14. Dezember 2002 bis zum 19. Januar 2003 kann man im Museum im Bürgerhaus in Pratteln/BL übrigens eine Ausstellung sehen, welche sich mit den Auswanderern aus der Nordwestschweiz in der Unionsarmee 1861 bis 1865 befasst.

Roger Rebmann, Basel