Eidgenössischer Büchsenschütze 1476

Eidgenössischer Büchsenschütze 1476

Eidgenössischer Büchsenschütze 1476Oft stellen alte Chronisten und auch noch Schulbücher des 20. Jahrhunderts die 1375 einfallenden „Gugler“ oder das Armagnakenheer von 1444 als schrecklich plündernde Horden dar. Brutalitäten gegenüber der Zivilbevölkerung waren aber nicht nur bei Guglern oder Armagnaken üblich, auch die Eidgenossen waren nicht zimperlich.
Als rund 8000 eidgenössische Kriegsknechte zur Unterstützung der Lothringer gegen die Burgungdertruppen Karls des Kühnen nach Nancy entsandt wurden, zogen sie am 26. Dezember 1476 bei Basel ins befreundete Elsass ein. Dort suchten sie unter dem Befehl des Zürchers Hans Waldmann das Land als zügellose Schinder heim. Sie wüteten so schlimm, dass ihr Name bis ins 20. Jahrhundert ein Synonym des Schreckens blieb. Mir berichtete noch 1992 ein Elsässer Landwirt, dass man ihnen als Kinder mit den „Suisses“ gedroht hätte, falls sie ihren Teller nicht ausessen würden.
Das Bild zeigt einen dieser Eidgenossen auf dem Zug nach Nancy. Er bezahlt eben seine ruchlosen Absichten mit einer gebrochenen Nase, zu welcher ihm eine resolute elsässische Magd mit einer Zinnkanne verhilft. Bei unserem Schurken handelt es sich um einen Büchsenschützen, von denen etwa 1000 Mann im eidgenössischen Gewalthaufen und 800 in der Nachhut am 5. Januar 1477 bei Nancy kämpften.
Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts hatten Büchsenschützen immer mehr an Bedeutung gewonnen, obwohl ihre Waffe noch in vielen Belangen zu verbessern war. Das Gewehr unseres Mannes liegt hier auf dem Boden und ist ein sehr primitives Modell. Der Lauf mit einem Zündloch war auf ein schaftähnliches Stück Holz montiert. Gezündet wurde der Schuss indem der Schütze eine glühende Lunte von Hand ans Zündloch führte. Es gab schon Modelle mit schlichtem Abzug, allerdings sind wenige davon für den Zug nach Nancy belegt. Das Schwarzpulver trägt er in einer Kanne um den Hals geschlungen auf dem Rücken. Ebenfalls umgehängt hat er eine Tasche mit Kugeln und Lunten.
Als Zweitwaffe trägt er einen Schweizerdegen am Gurt. Hose, Jacke und die Schlupfhaube um den Hals sind hier ziviler Herkunft, wobei es auch uniformähnliche Kleidung in den Farben des eidgenössischen Standes gab. Gelegentlich wurde unter der Jacke ein kurzes Kettenhemd als zusätzlicher Schutz für den Nahkampf getragen. Der so genannte Eisenhut unseres Büchsenschützen vermochte in diesem Fall den Kopf nicht gegen die Zinnkanne zu schützen.

Roger Rebmann, Basel