Archiv der Kategorie: Uniformkunde

Pontonier 1853

Pontonier 1853Die Pontoniere können sich eines uralten Handwerks rühmen. Schon Perserkönig Dareios I. liess im Skythenfeldzug 513 vor Christus von seinem Architekten Mandrokles eine mächtige Schiffsbrücke mit mehreren hundert Galeeren über den Bosporus errichten. Sein Sohn Xerxes bezwang den Hellespont 480 vor Christus im Feldzug gegen Athen mit zwei Schiffsbrücken, eine aus 314 und eine aus 360 Schiffen. Auf ihnen wurden richtige Heeresstrassen mit gestampften Lehmböden errichtet. Als ein Sturm die Brücken schwer beschädigte, liess der zornige Perserkönig das widerborstige Gewässer mit 300 Peitschenhieben züchtigen.
Einer der gefährlichsten Einsätze von Schweizer Pontonieren ergab sich im Sonderbundkrieg 1847. Im Gefecht bei Lunnern am 12. November brachen die Wehrmänner der Zürcher Pontonierkompanie Huber im gegnerischen Infanterie- und Artilleriefeuer die eidgenössische Pontonbrücke über die Reuss ab und verhinderten so, dass die Sonderbundstruppen von General Salis-Soglio den Fluss überschritten.
Der dargestellte Pontonier der Zürcher Pontonierkompanie 3 mag ein Veteran von Lunnern sein. Seine Uniform ist eine Mischung aus der neuen Ordonnanz 1852 und aus kantonalen Bekleidungsstücken. Der neue Tschako zeigt unter der Kantonskokarde das Pontonierabzeichen, einen Seilkranz über einem Anker und einem mit einem Stachel gekreuzten Ruder. Der Pontonier trägt die Ärmelweste kantonaler Ordonnanz mit den roten Epauletten der Genietruppen. Über der Schulter hängt an einem weissen Bandolier die Munitionstasche, welche auf ihrem Deckel (hier nicht sichtbar) den Anker der Pontoniere trägt.
Dieses spezielle Abzeichen ist auch auf der Messingschliesse des weissen Ceinturons zu sehen. Am Ceinturon hängt der Frosch für den Säbel kantonaler Ordonnanz. Als Langwaffe hält unser Pontonier hier das Genie- und Parkartilleriegewehr Modell 1842 in der Hand. Diese Gewehre waren kürzer als jene der Infanterie und hatten zudem eine Garnitur aus Messing anstatt aus Eisen.
Und noch etwas wissen wir von den wackeren Schweizer Pontonieren jener Tage: Sie haben weder mit Peitschen noch mit Gewehrkolben auf unsere einheimischen Gewässer eingeschlagen, wenn ihnen diese einen Strich durch die Rechnung machten.

Roger Rebmann

Hellebardiere um 1476

Hellebardiere um 1476Obwohl zur Zeit der Burgunderkriege der Langspiess im eidgenössischen Heer immer mehr an Bedeutung gewann, blieb die traditionelle Hellebarde im Nahkampf wichtig. Es brauchte einen geübten Mann, um diese kombinierte Stoss- und Hauwaffe zu führen. Schon bei der Herstellung mussten die unterschiedlichen Zwecke des Metallblattes beachtet werden. Die Klinge war zum Hauen da, die Spitze gebrauchte man zum Stoss, und der Stachel auf der Rückseite sollte fähig sein, Panzer und Helme zu durchdringen. Dementsprechend musste das Metall unterschiedlich geschmiedet sein. Der Hellebardenschaft aus speziellem Holz war üblicherweise vierkantig, damit sich die Waffe sicherer halten liess. Es bedurfte einiger Übung, um im dichten Schlachtgetümmel die Hellebarde einzusetzen. Man durfte nicht einfach dreinhauen wie beim Holzhacken, denn allzu leicht hätte man so eigene Leute verletzt. Um die Klinge mit voller Wucht gebrauchen zu können, musste sich der Hellebardier gefährlich exponieren. Doch ein geübter Kämpfer mit dieser Waffe war höchst gefährlich für jeden, der ihm zu nahe kam.
Der Hellebardier im Vordergrund schützt seinen Kopf mit einer sogenannten Schaller deutschen Vorbilds. Dieser Helm verfügt über ein hochklappbares Visier mit Sehschlitz und bietet dem Nacken Schutz. Er trägt einen Rock und eine Kapuze, wie sie im Winter üblich war. Seine Seitenwaffe ist ein Schwert „zu anderthalb Hand“.
Der Mann hinten links trägt eine simple Hirnhaube als Kopfschutz. Sein gesteppter Waffenrock ist ein Schutzpanzer besonderer Art. Bis zu 30 Lagen übereinandergenähten Stoffes mit eingearbeiteten Lederschichten konnten sehr wirksam vor Pfeil- und Stichwunden schützen. Er trägt umgehängt eine Feldflasche. Seine Zweitwaffe ist ein Schweizerdolch. Auf seinem linken Oberschenkel ist das Kreuz der thebäischen Legion auf die Hose genäht. Es war von den Eidgenossen als gemeinsames Erkennungszeichen gewählt worden. Der Mann rechts im Hintergrund trägt einen langen und weiten Waffenrock, der darunter Platz für weitere wärmende Winterbekleidung bietet. Gelegentlich wurden Waffenröcke und Hosen in den jeweiligen Kantonsfarben getragen. Die meisten Eidgenossen zogen allerdings in ihrer Alltagskleidung ohne spezielle Abzeichen in den Krieg.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 5/1999

Mitrailleure 1914

Mitrailleure 1914Am 3. August 2000 jährt sich zum 86. Male die Kriegsmobilmachung von 1914. Niemand ahnte in jenen Sommertagen, dass in den folgenden Jahren die „Belle Epoque“ zwischen Stacheldraht, Granattrichtern und Giftgas ihr Ende mit Schrecken finden würde. Die Schweiz mobilisierte 250’000 Mann Kampftruppen, um ihre Grenzen zu schützen. Das neue Antlitz des Krieges, ohnehin nie freundlich anzusehen, wurde geprägt durch das Maschinengewehr. Es vernichtete ganze Wellen von Angreifern, die noch in dichten Linien voranstürmten. Damit legte es den Grundstein für jenen furchtbaren Grabenkampf, der den Krieg von der Schweizer Grenze bis zur Küste Belgiens erstarren liess, weil keiner der Gegner mehr in der Lage war, die Front des Feindes im Kugelhagel der MGs zu durchbrechen.
Auch in der Schweiz hatte man die Bedeutung der Maschinengewehre erkannt. Nach eingehenden Tests bei den Festungstruppen wurde im Jahr 1898 zunächst die Kavallerie mit den neuartigen Waffen ausgerüstet. Bei der Infanterie fand im Jahr 1912 erstmals eine Mitrailleur-Rekrutenschule statt, wobei ein Rekrut im Minimum 1.60 Meter gross sein musste. Bei der Mobilmachung verfügte jede der sechs Divisionen über eine Maschinengewehrabteilung aus drei Kompanien. Jede Kompanie verfügte über vier Maschinengewehre. Mit Wasser im Kühlmantel wog die Waffe 23 Kilo. Die offizielle Bezeichnung war „Schweizer Maschinengewehr 1911“. Es hatte dasselbe Kaliber (7.5 mm Swiss) wie das neue Infanteriegewehr.
Unser Bild zeigt zwei Mitrailleure im Feldtenue. Während der eine das MG auf dem Tragref transportiert, kann man beim zweiten die Lafette erkennen, die ebenfalls 23 Kilo wog. Die Männer sind zusätzlich mit dem Karabiner 1911 bewaffnet, zu dem sie als Blankwaffe das Stichbajonett Modell 1908 tragen. Ihre Uniform der Ordonnanz 1898 besteht aus der dunkelblauen Bluse, welches als Arbeits- und Exerziertenue zum Korpsmaterial zählte. Die drei Zierknöpfe und die gezahnten roten Patten an den Ärmelenden hoben den Mitrailleur vom Füsilier ab. Sie waren eigentlich nur auf dem Waffenrock erlaubt, doch die Eitelkeit bahnte ihnen den Weg auf die Exerzierjacke. Die Beinenden oder dunkelblauen Hosen mit dem roten Passepoil an der Naht sind mit kurzen Wickelgamaschen umwunden. Nebst den Patronentaschen Modell 1911 sehen wir beim Mann rechts eine lederne Umhängetasche für die Zieloptik. Der andere Mitrailleur trägt am Bauch eine Werkzeugtasche. Ihre Tschakos entsprechen der Ordonnanz 1898 mit Pompon in Kompaniefarbe, der eidgenössischen Kokarde, den gekreuzten Gewehren aus weissem Metall (ab 1917 trugen die Mitrailleure gekreuzte Maschinengewehre) und der Kompanienummer, die auf dem Waffenrock auch als Achselschlaufe getragen wurde.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan, Basel
Schweizer Soldat 9/2000

Radfahrer 1943

Radfahrer 1943Am 29. August 2939 fanden sich die Männer der Radfahrer-Kompanie 24 zur Mobilmachung auf ihrem Sammelplatz „Gitterli“ in Liestal ein. Der Grossteil der Truppe war bereits um 9 Uhr morgens beisammen und traf dort auf den recht ungehaltenen Kommandanten, Hauptmann Debrunner. Ihm ging die Mobilisierung seiner Kompanie zu langsam vonstatten, denn als Teil der Grenzbrigade 4 sollte sie so rasch als möglich ihre Stellungen zum Schutz der Nordwestgrenze beziehen. Die Radfahrer-Kompanie 24 leistete im Aktivdienst insgesamt 755 Diensttage und war überwiegend in der Nordwestschweiz im Einsatz. Legendär war der Marsch vom 6. bis zum 8. August 1940, in dessen Rahmen die Kompanie von Bubendorf BL aus in die Innerschweiz radelte, um den Vierwaldstättersee herum nach Luzern, über den Brünig nach Thun, Solothurn und zurück nach Bubendorf. Dabei wurden 480 Kilometer überwunden, wobei zum Schluss Schelten, Hohe Winde und Passwang den Radfahrern grosse Anstrengungen abverlangten.
Bis 1936 waren die Radfahrer ein Teil der Infanterie und trugen auf ihrem Waffenrock die grünen Chevrons. Mit dem Wechsel zu den leichten Truppen 1937 wurden diese Ärmelabzeichen gelb. Dennoch behielten viele Radfahrer ihre grünen Chevrons, um sich als altgediente Troupiers vom Nachwuchs“ abzuheben.
Unser Radfahrer der Rdf Kp 24 fährt hier das Armeerad 1904 mit der typischen Rahmentasche (sie ersetzte den Stauraum, der durch das Wegfallen des Tornisters fehlte). Wie der Kavallerist trägt auch der Radfahrer einen Munitionsbandelier über der Schulter. Der Karabiner 1931 wurde seit dem 1. Januar 1937 an Radfahrerrekruten abgegeben. Getragen wird hier der Exerzierrock ohne Waffengattungsabzeichen. Eine Spezialität der Radfahrer waren die schwarzen Ledergamaschen mit zwei Schnallen. An der Lenkstange baumelt der Stahlhelm, während die Packung hinter dem Sattel aufs Rat geschnallt ist.
Ein Radfahrer der Kompanie 24 erlangte übrigens weltweite Bekanntschaft: Gottfried „Gotti“ Dienst, Jahrgang 1919, war Schiedsrichter im WM-Endspiel 1966 in London. In der Verlängerung liess er ein englisches Goal gelten, welches man nördlich des Rheins bis heute als zweifelhaft betrachtet. Leider wurde Gotti vor rund zwei Jahren (1998) zur Grossen Armee abberufen.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 12/2000

Oberst im Generalstab nach Ordonnanz 1852

Oberst im Generalstab nach Ordonnanz 1852Der junge Bundesstaat nahm mit der Militärorganisation vom 8. Mai 1850 die Bildung jener Schweizer Armee in die Hand, die uns bis heute als Garant der bewaffneten Neutralität vertraut ist. Die Zeiten, in denen jeder Kanton in Militärfragen weitgehend nach Gutdünken schaltete und waltete, neigten sich dem Ende zu, auch wenn es noch über zwei Jahrzehnte dauern sollte, bis der Wandlungsprozess zur einheitlichen Armee abgeschlossen war. Das am 27. August 1851 vom Bundesrat erlassene „Reglement über die Bewaffnung und Ausrüstung der eidgenössischen Armee“ sollte den Streitkräften ein neues Gesicht geben. Diese Regelungen betrafen alle „AdA“, vom Zentrumsinfanteristen bis empor zum Stabsoffizier.
Unser dargestellter Oberst im Generalstab trägt den schwarzen Zweispitz auf Filz mit dem ebenfalls schwarzen Federbusch, welcher den Obersten vorbehalten war. Auf der rechten Seite (hier nicht sichtbar) wurde die rot-weisse eidgenössische Kokarde mit einer goldenen Ganse getragen. Der Uniformrock aus dunkelgrünem Tuch hatte Vorstösse und einen Kragen aus karmoisinrotem Stoff. Die Knöpfe waren vergoldet und zeigten das eidgenössische Kreuz als Gepräge. Unser Oberst trägt goldene Epauletten, die ebenfalls mit dem eidgenössischen Kreuz versehen sind und die mit goldbestickten Epaulettenhaltern auf dem Rock fixiert werde.
Die 3 Zoll breite Schärpe mit rot-weissen Streifen hat an beiden Enden Zierquasten und besteht aus Seide. Die Quasten hängen an der linken Seite unter dem Offizierssäbel der Ordonnanz 1852. Die eidgenössische Armbinde, Abzeichen aller im aktiven Dienst der Eidgenossenschaft stehenden Militärpersonen, ist hier am linken Oberarm zu erkennen.
Die Hosen bestehen aus demselben grünen Stoff wie der Rock und haben an der Beinnaht zwei breite karmoisinrote Streifen, die den Träger als Generalstabsoffizier ausweisen.
Die Stiefel sind mit eingeschraubten gelben Sporen versehen. Solcherart eingekleidet, konnte unser Oberst im Generalstab sich optisch problemlos mit seinen Kameraden des europäischen Umfelds messen, auch wenn seine Truppen noch in vielen Bereichen hinter denen der Nachbarn herhinkten. Aber auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 7-8/2000

Sturmabteilung 5

Sturmabteilung 5Unter der Führung von Willy Ernst Rohr hatte sich bis 1916 an der Westfront ein Sturmbataillon gebildet, welches speziell für den Angriff auf Grabenstellungen ausgebildet war. Die Truppe hatte sich derart bewährt, dass von zahlreichen Verbänden Offiziere und Unteroffiziere zur Ausbildung in das Bataillon geschickt wurden, damit sie das erworbene Wissen an ihre eigenen Einheiten weitergeben konnten. (In den Zwanzigerjahren nannten die Nationalsozialisten ihre berüchtigte Rabaukentruppe nach diesen Sturmabteilungen SA.)
Sehr spät in diesem Krieg kam auch in der Schweiz der Gedanke an eine derartige Spezialeinheit auf. Nach einem Antrag von General Wille ordnete der Bundesrat 1918 die Formierung einer solchen Truppe an. Aus unterschiedlichen Waffengattungen der 5. Division wurden pro Kompanie zwei bis drei tüchtige Wehrmänner, zumeist Sportler, ausgewählt und der neuen Sturmabteilung 5 zugeteilt. Insgesamt umfasst die Truppe rund 100 Mann. Bei Mariastein wurde ein „Sturmgarten“ angelegt, ein Übungsgelände für den Grabenkampf, wie es die Deutschen für ihre Sturmtruppen um Sedan geschaffen hatten, nur um einiges kleiner.
Im Zusammenspiel mit Feldartillerie und mit Mitrailleuren wurde bei Mariastein der Grabenkampf realistisch geübt. Der General war bei einem Truppenbesuch im November 1918 beeindruckt von den Leistungen der hart trainierten Sturmsoldaten, doch der Aktivdienst ging zu Ende, und die Abteilung wurde aufgelöst. Den einzigen Einsatz hatte die Sturmabteilung während des Generalstreiks als Ordnungstruppe in Basel.
Unsere drei Sturmsoldaten lassen einige typische Details ihrer Ausrüstung erkennen. Die Waffe war der Karabiner 1911 mit dem Stichbajonett, dessen Vierkantnadelklinge dicken Uniformstoff besser als jene des üblichen Langgewehrbajonetts durchstiess. Auch die deutschen Sturmtruppen trugen anstelle der langen Gewehre den kurzen Mauser-Karabiner.
Eine andere Anleihe bei den Deutschen waren die Lederbesätze auf den Hosenknien. Die Sturmsoldaten waren die ersten, welche den neuen Stahlhelm trugen. Schanzwerkzeug, Drahtschere und Handgranaten in Taschen mitgeführt, gehörten zur Spezialausrüstung im Grabenkampf.
Der Komponist der „Gilberte de Courgenay“, Hans in der Gand, widmete der Sturmabteilung 5 ein eigenes Lied, welches die Vielfalt der vertretenden Waffen zeigt:
„… By üs hät’s Infatrie, by üs hät’s Artillerie, by üs hät’s Mitrailleur und by üs hät’s Sappeur, und jede i der Not e ganze Kamerad, e stolzes jungs frischs Bluet, e Sturmsoldat …“

Roger Rebmann – Rost und Grünspan
Quelle „Der Tanzbödeler“ Nummer 66,
Schweizer Soldat 5/2001

Dragoner 1852

Dragoner 1852Die Uniformvorschriften, die erstmals verbindlich für alle Kantone gelten sollten, veränderten vielerorten auch das Erscheinungsbild der Kavallerie. Wohl war der dunkelgrüne (Dragon vert) Stoff als Uniformtuch für Berittene zuvor in der Schweiz sehr verbreitet, doch wichen die Uniformen und auch Ausrüstungen von Kanton zu Kanton teilweise stark voneinander ab. Kantone wie Aargau , Bern, Basellandschaft oder Zürich hatten zwar schon Uniformen, die sich stark an das 1843 von der eidgenössischen Tagsatzung beschlossene Reglement hielten. Vor der Gründung des Bundesstaates 1848 fühlten sich jedoch die meisten Städte frei in der Wahl der Wehrmannsbekleidung und handelten dementsprechend.
Mit der Ordonnanz 1852 wurden auch bei der Reiterei Ausrüstung und Uniform detailliert festgelegt.
Der Zürcher Dragoner auf unserem Bild trägt den Raupenhelm mit einer Raupe aus schwarzem Bärenfell. Der schwarze Lederhelm ist mit Garnituren und Einfassungen aus Messing versehen, auf seiner Stirnseite prangt ein ovaler Schild mit dem eidgenössischen Kreuz. Beidseitig verstärkten Spangen den Helm, wobei unter der linken Spange die Kantonskokarde angebracht ist. Die Garnituren wie auch das mit Messingschuppen besetzte Sturmband bieten dem Kopf des Reiters Schutz vor gegnerischen Säbelhieben. Eine ähnliche Funktion erfüllen die Epauletten aus Metall.
Der dunkelgrüne Frack ist mit karmesinroten Vorstössen und Umschlägen versehen. Die Frackschösse weisen neben den aufgenähten falschen Taschen rote Umschläge auf. Als Kavallerieabzeichen erkennt man darauf den dunkelgrünen Stern, der ebenfalls auf dem Mantelsack am Sattel zu sehen ist. Die Hosen bestehen aus demselben Stoff wie der Frack und haben rote Vorstösse entlang der Seitennähte. Auf der Innenseite der Hosenbeine sind sie zusätzlich mit schwarzem Leder verstärkt, was die Beinkleider robuster für das Reiten macht.
Umgehängt trägt unser Dragoner die Giberne (Patronentasche für die mit Pistolen bewaffneten Reiter), die aus schwarzem Leder besteht. Am weissledernen Schulterriemen ist eine Kapseltasche fr die
Perkussionszündhütchen und, an einem Kettchen befestigt, die Räumnadel zur Pistolenreinigung angebracht.
Zu erkennen ist auch der dünne weisse Lederriemen, mit welchem der Ladestock, der in einer Schlaufe unter der Giberne hängt, als Vorsorge gegen das Verlieren im Ritt mit dem Schulterriemen verbunden ist. Dies Seitenwaffe ist hier der Säbel Ordonnanz 1852, der auch von anderen berittenen Mannschaften, etwa bei der Artillerie, geführt wurde. Die dunkelgrüne Uniformfarbe blieb den Dragonern bis zur Einführung des feldgrauen Uniformstoffes 1914/15 erhalten.

Roger Rebmann
Schweizer Soldat 1/2000

Links:
Dragoner 1835

Lmg-Schütze 1942

Lmg-Schütze 1942Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 machten auch in der Schweiz deutlich, dass die Infanterie eine leichte vollautomatische Unterstützungswaffe brauchte. Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung des leichten Maschinengewehrs 1925, welches dann bis Ende der 20er-Jahre in der Armee eingeführt war. Das Magazin des luftgekühlten Rückstossladers fasste 30 Schuss im Kaliber 7.5 mm (GP11) und wurde von der rechten Seite her in den Verschlusskasten eingeführt. Die Waffe konnte von einem Wehrmann getragen und ohne fremde Hilfe aus dem Stand abgefeuert werden. Ein gewaltiger Fortschritt, wenn man bedenkt, dass das Maschinengewehr 1911 noch eine Lafette und zwei Mann als Bedienung benötigte. Neben dem Zweibein besass die Waffe noch ein Griffstück, welches wahlweise als Hinterstütze am Koben oder Mittelstütze am Vorderschaft montiert werden konnte. Dieses in der Höhe verstellbare Griffstück mit breitem Stützsockel war sowohl Fixierhilfe beim Liegendschiessen als auch Traghilfe beim Sturmschiessen aus der Hüfte. Zu der Waffe gehörte ein Wechsellauf, der üblicherweise von einem zweiten Mann im Lmg-Trupp getragen wurde.
Unser Lmg-Schütze hat seine Waffe fürs Sturmschiessen mit der Mittelstütze versehen; das Stützfutteral ist an seiner rechten Hüfte am Ceinturon zu sehen. Um den Hals trägt er die Magazintragschlaufe, die in ihren zwei Ledertaschen Platz für insgesamt 4 Reservemagazine bietet.
Zusätzlich trägt der Schütze die Patronentaschen für die Karabinermunition und das Bajonett, welches ebenfalls zum Karabiner gehören würde. Die Gefechtspackung des Schützen umfasst die gerollte Plane, welche über der linken Schulter getragen wird, während der Brotsack mit der Gamelle und der Zeltpflocktasche über der rechten getragen wird. An der linken Seite, neben dem Bajonett am Ceinturon, ist die Gasmaskentasche zu finden. Der Stahlhelm Ordonnanz 1918 ist mit dem tarnfarbenen Überzug bedeckt, welcher zu Kriegsbeginn eingeführt wurde, um den damals noch glatten grünen Helmen ihren verräterischen Glanz in der Sonne zu nehmen. Der Lmg-Schütze ist mit der Uniform der Ordonnanz 1926 (mit Stehkragen) bekleidet.
Beim Schuss hatte der Wechsellauf des Lmg zur rechten Seite des Schützen bereitzuliegen, um den Laufwechsel rasch durchführen zu können. Gelegentlich machten sich schwarze Schafe unter den Instruktoren den Spass daraus, die Männer des Lmg-Trupps der erbärmlichen Weichheit zu bezichtigen, wenn ihnen der brennend-heisse Lauf beim Laufwechsel aus den Händen fiel. Laut Vorschrift musste der Lauf nämlich sorgfältig zum Kühlen beiseite gelegt werden.

Roger Rebmann,
Schweizer Soldat 5/2000

An der Grenze 1945

An der Grenze 1945Im Winter 1944 näherte sich der Krieg wieder der Schweizer Grenze. Im Westen und im Norden mussten sich die einst sieggewohnten Truppen der Wehrmacht vor den überlegenen amerikanischen und französischen Verbänden zurückziehen. Oftmals blieb den abgekämpften deutschen Soldaten nur noch jener Ausweg, der im Sommer 1940 auch den unterlegenen Franzosen entlang der Grenze offenstand – die Flucht in die Internierung in der Schweiz. Die Flucht vor Kriegsgefangenschaft stand aber nicht allen offen, so waren die Schweizer Grenztruppen angewiesen, Angehörige der SS nicht ins Land zu lassen. Der „Zipfel“ von Ramsen etwa, eine Landecke des Kantons Schaffhausen, die nördlich des Rheines nach Deutschland hineinragt, war in den letzten Apriltagen 1945 besonders von den Kämpfen jenseits der Grenze berührt.
Unser Bild zeigt eine Szene am Grenzzaun auf der Schweizer Seite. Zwei Wehrmachtsangehörige liessen sich internieren und erwarten ihren Abtransport zu einem Sammellager. Sie werden von einem Gefreiten der Schweizer Grenztruppen bewacht. Dieser hält vor sich seinen Karabiner 1911, während man in der anderen Hand eine Maschinenpistole 1940 erkennen kann, die er dem vor ihm sitzenden Deutschen abgenommen hat. Der Wehrmann trägt die Felduniform der Ordonnanz 1940.
Vielfach wurde bei den Grenztruppen das Tragen der Feldmütze anstelle des Stahlhelms befohlen, damit nicht Schweizer mit Wehrmachtssoldaten verwechselt würden. Eine Massnahme, die nicht immer wie geplant funktionierte, da sich auch ohne Helme die Uniformen für den ungeübten Blick zu sehr glichen.
Der sitzende Deutsche ist ein Veteran – seine Auszeichnungen auf der rechten Brusttasche (Allgemeines Sturmabzeichen, Eisernes Kreuz 1. Klass, Verwundetenabzeichen) zeugen von hartem Einsatz. Der Mann gehört einer Aufklärungsabteilung an, seine Schulterstücke weisen ihn als Wachtmeister aus. Er war als Truppführer mit der Maschinenpistole bewaffnet und trägt die vereinfachte Feldbluse 1943. Anstelle der hohen Lederstiefel (Leder war knapp geworden) trägt er Segeltuchgamaschen, welche oft als Ersatz für die „Knobelbecher“ herhalten mussten. In Händen hält er die Einheitsfeldmütze 1943, die auch sein junger Kamerad im Hintergrund trägt.

Roger Rebmann

Eidgenössische Spiessknechte um 1476

Eidgenössische Spiessknechte um 1476Der Langspiess erfreute sich nach den Appenzellerkriegen bei den Eidgenossen wachsender Beliebtheit. Die Stichwaffe war etwa zwischen 480 und 540 Zentimeter lang. Der Schaft bestand aus dem robusten und flexiblen Holz der Esche und war vorne mit einer mehrkantigen oder auch lindenblattähnlichen Metallspitze bewehrt. Von den Langspiessern wurden grosse körperliche wie psychische Leistungen gefordert. Im wohlgedrillten Kollektiv war es ihre Aufgabe, mit den langen Stichwaffen den Schlachthaufen vor anreitender Kavallerie zu schützen. Bis zu sieben Glieder von Spiessern stiessen das Ende ihrer Stangenwaffen, die Spitze feindwärts geneigt, in den Boden und stellten sich mit dem rechten Fuss darauf. Nach vorne gebeugt, hielten die Spiessknechte ihre Spiesse gliedweise in unterschiedlichen Winkeln ausgerichtet, sodass an der Front zum Gegner eine Art Igel entstand. Nun galt es, dem heranpreschenden Reiterangriff kaltblütig ins Auge zu blicken un den Spiess mit sicherer Hand gerichtet zu halten. Die Spiesse bohrten sich unbarmherzig in die Leiber der gehetzten Pferde, sodass sich unter diesem ungeheuren Aufprall der Holzschaft bog und wand. Die sterbenden Tiere rissen im Fallen die Spiesse mit sich, und nur unter grössten Kraftanstrengungen gelang es den Spiessknechten die wild umherschlagenden Holzenden ihrer Waffen zu bändigen. Zwischen den Spiessen eilten derweil die Schwert- und Axtträger nach vorne, um die zu Boden geangenen Reiter zu töten. Auch zum Kampf gegen Infanterie wurden die Spiesse eingesetzt. In geschlossenen Gliedern stürmten die Knechte mit ihren langen Spiessen schwungvoll in den gegnerischen Heerhaufen und versuchten die Front des Feindes aufzureissen. War der Spiess erst einmal verkeilt, liess der Knecht ihn fallen und griff zu seiner Zweitwaffe, dem Schweizer Dolch oder dem Schwert, um sich am Kampf zu beteiligen.

Keine Einzelkämpfer
Als Einzelkämpfer war der Spiessknecht mit seiner langen Waffe nicht besonders wertvoll. Die Stärke lag im abgestimmten gemeinsamen Einsatz des Spiesserhaufens. Auf dem Marsch war die vibrierende lange Stange auf der Schulter nach einiger Zeit eine ziemliche Last. Oft zogen die Knechte den Spiess auch auf dem Boden hinter sich her.
Unsere beiden Krieger kehren aus dem Burgunderkrieg nach Hause und tragen ihre Langspiesse geschultert mit sich. Der barhäuptige Eidgenosse trägt seinen Helm, eine so genannte Schaller mit hochklappbarem Visier mit dem Kinnriemen, am Unterarm. Ausserdem sehen wir bei ihm über seiner gesteppten Jacke den weit verbreiteten Brustpanzer. Sein Nachbar trägt den flachen Eisenhut und, wie oft praktiziert, den Brustpanzer unter der Leinenjacke. Gerade in kühler Witterung konnte man sich so besser warm halten, denn der über der Kleidung getragene Panzer entzog dem Körper schnell viel Wärme. An seinem Gürtel hängt neben der ledernen Tasche für Kleinutensilien ein Schweizer Dolch als Zweitwaffe. Die Langspiesse werden unsere müden Krieger wohl noch im Zeughaus abgeben, denn eine derart sperrige Waffe konnte daheim kaum fachgerecht gelagert werden.

Roger Remnann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 3/00