Archiv der Kategorie: Uniformkunde

Luzerner Infanteriehauptmann im Felde 1866

Luzerner Infanteriehauptmann im Felde 1866Noch in den 1850er-Jahren bot der Schweizer Offizier einen prachtvollen Anblick, angetan mit einem Frack, den metallbestickte Epauletten und ein Halskragen aus Messing ergänzten. Kragen wie Taille waren so knapp bemessen, dass ein Offizier sich kaum ein Gramm zusätzliche Korpulenz erlauben konnte, ohne dass Nachbesserungen beim Schneider von Nöten wurden.

Mit der Einführung Ordonnanzuniform 1861 konnten auch die Offiziere den alten engen Frack ablegen und sich fortan in eitlen grosszügig geschnittenen zweireihigen Waffenrock kleiden. Der Abschied vom Frack hatte im Parlament zu einer veritablen Redeschlacht geführt, so sehr hatte man sich an den Anblick des ebenso dekorativen wie absurden Uniformstückes gewöhnt. Ebenfalls weit geschnitten waren die Hosen, ganz dem französischen Vorbild folgend.

Der neue Tschako ist hier wesentlich niedriger als das alte Modell (weiches auch als „Angströhre“ oder „Zigerstock“ bekannt war) und weist die Garnitur der Infanterie auf, Der Pompon, oben weiss und unten rot, deutet auf die erste Zentrums-Kompanie hin.
Unter der etwas feiner ausgearbeiteten Blechganse für Offiziere ist die Kantonskokarde in Blau und Weiss zu sehen. Das Bataillon, dessen Nummer über dem Lederschirm prangt, gehörte dem Luzerner Auszug an und war Teil der Infariteriebrigade 27.

Als Rangesinsignien trägt unser Hauptmann eine silberfarbene Epaulette und eine Contre-Epaulette ohne Fransen. Seinen Offizierssäbel hat er am Ceinturon ziemlich weit im Rücken aufgehängt, weil ihn die Blankwaffe vorne beim Gehen im Feld behindern würde, über der Schulter hängt der gerollte Kaput, der, wie die meisten Kleidungsstücke des Offiziers, in gehobener Qualität bei einem Schneider privat angefertigt wurde.

Eine Besonderheit ist hier der amerikanische Remington-Revolver Modell 1860, der sich schon auf den Schlachtfeldern des Sezessionskrieges bewahrt hat. Diese Waffe war nie offiziell Schweizer Ordonnanz, doch unser Hauptmann hat sie sich, wie es viele Offiziere mit Faustfeuerwaffen taten, auf eigene Kosten angeschafft. Er prüft gerade den Sitz der Zündhütchen auf der sechsschüssigen Revolvertrommel. Das Holster trägt er nach Art der amerikanischen Kavalleristen auf der gegenüberliegenden Seite des Säbels.

Roger Rebmann – Rost und Grünspan.

Eidgenössischer Büchsenschütze 1476

Eidgenössischer Büchsenschütze 1476Oft stellen alte Chronisten und auch noch Schulbücher des 20. Jahrhunderts die 1375 einfallenden „Gugler“ oder das Armagnakenheer von 1444 als schrecklich plündernde Horden dar. Brutalitäten gegenüber der Zivilbevölkerung waren aber nicht nur bei Guglern oder Armagnaken üblich, auch die Eidgenossen waren nicht zimperlich.
Als rund 8000 eidgenössische Kriegsknechte zur Unterstützung der Lothringer gegen die Burgungdertruppen Karls des Kühnen nach Nancy entsandt wurden, zogen sie am 26. Dezember 1476 bei Basel ins befreundete Elsass ein. Dort suchten sie unter dem Befehl des Zürchers Hans Waldmann das Land als zügellose Schinder heim. Sie wüteten so schlimm, dass ihr Name bis ins 20. Jahrhundert ein Synonym des Schreckens blieb. Mir berichtete noch 1992 ein Elsässer Landwirt, dass man ihnen als Kinder mit den „Suisses“ gedroht hätte, falls sie ihren Teller nicht ausessen würden.
Das Bild zeigt einen dieser Eidgenossen auf dem Zug nach Nancy. Er bezahlt eben seine ruchlosen Absichten mit einer gebrochenen Nase, zu welcher ihm eine resolute elsässische Magd mit einer Zinnkanne verhilft. Bei unserem Schurken handelt es sich um einen Büchsenschützen, von denen etwa 1000 Mann im eidgenössischen Gewalthaufen und 800 in der Nachhut am 5. Januar 1477 bei Nancy kämpften.
Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts hatten Büchsenschützen immer mehr an Bedeutung gewonnen, obwohl ihre Waffe noch in vielen Belangen zu verbessern war. Das Gewehr unseres Mannes liegt hier auf dem Boden und ist ein sehr primitives Modell. Der Lauf mit einem Zündloch war auf ein schaftähnliches Stück Holz montiert. Gezündet wurde der Schuss indem der Schütze eine glühende Lunte von Hand ans Zündloch führte. Es gab schon Modelle mit schlichtem Abzug, allerdings sind wenige davon für den Zug nach Nancy belegt. Das Schwarzpulver trägt er in einer Kanne um den Hals geschlungen auf dem Rücken. Ebenfalls umgehängt hat er eine Tasche mit Kugeln und Lunten.
Als Zweitwaffe trägt er einen Schweizerdegen am Gurt. Hose, Jacke und die Schlupfhaube um den Hals sind hier ziviler Herkunft, wobei es auch uniformähnliche Kleidung in den Farben des eidgenössischen Standes gab. Gelegentlich wurde unter der Jacke ein kurzes Kettenhemd als zusätzlicher Schutz für den Nahkampf getragen. Der so genannte Eisenhut unseres Büchsenschützen vermochte in diesem Fall den Kopf nicht gegen die Zinnkanne zu schützen.

Roger Rebmann, Basel

Berner Dragoner 1835

Berner Dragoner 1835In unserer Januarausgabe 2000 haben wir den Dragoner nach der eidgenössischen Ordonnanz 1852 vorgestellt. Nun ist die Reihe an einem Vorgänger.
Bern gehörte als grosser Kanton zu einem der Vorreiter, wenn es um militärische Neuerungen ging. Aber zu Beginn der 1830er-Jahre war es nicht allzu gut um das Militärwesen Berns bestellt. Nach der liberalen Wandlung des Kantons weigerten sich 135 höhere Offiziere, überwiegend Patrizier, den Fahneneid auf die neue Verfassung zu leisten, womit fortan Kadermangel herrschte. Die neue Regierung selber stufte das Militär auf der Prioritätenliste zurück, mit dem Resultat, dass Übungslager, Wiederholungskurse und Musterungen der Sparsamkeit zum Opfer fielen. In Sachen Uniformierung hatte der Kriegsrat von Bern 1829 ein fortschrittliches „Reglement für die Bekleidung der Bernischen Miliz“ erlassen. Diesen Vorschriften entspricht auch die Uniform unseres Dragoners.
Auf dem Tschako trägt er den rot-weissen Pompon der ersten Kompanie (Der Kanton unterhielt damals zwei Dragonerkompanien), darunter eine Weissblechganse und die bernische Kokarde in Schwarz und Rot. Der Kinnriemen mit den Schuppenbändern, welche im Kampf den Kopf gegen Säbelhiebe von der Seite schützten, wird nur beim Dienst zu Pferde unter dem Kinn zusammengebunden. Ansonsten bindet man den zweiteiligen Riemen ¨über dem Pompon zusammen. Der Frack mit karmeisinrotem Kragen und Vorstössen ist aus dunkelgrünem (vert dragon) Tuch gefertigt und besitzt einen dekorativen Brustlatz, der mit den zwei Knopfreihen befestigt wird. Eine Tragschlaufe auf der linken Frackseite, wo der Säbel hängt, fixiert den Gurt auf korrekter Höhe, sodass er unter der Last nicht über die Hüfte herunterrutscht.
Das Lederzeug ist weiss; und über der Schulter erkennt man den Tragriemen für die Giberne (Munitionstasche zur Pistole). Auf der Gurtschliesse und dem Mantelsack hinter dem Sattel sieht man eine Granate. Dieses Abzeichen war einst den Grenadieren der Infanterie vorbehalten, wurde aber später auch von anderen Eliteeinheiten verwendet.
Die Hosen weisen Besatzpartien von schwarzem Leder an den Innenseiten der Beine auf, wie es bei Reitern üblich ist. Die Handschuhe sind ebenfalls aus schwarzem Leder. Man beachte das weisse Schlagband, welches den Griff des Dragonersäbels kantonaler Ordonnanz mit dem Handgelenk des Reiters verbindet. So soll verhindert werden, dass der Mann die Waffe im Ritt verliert.
Das Pferd ist mit dem damals neuen ungarischen Sattel versehen. Dieser Satteltyp löste den alten gepolsterten Schnabelsattel ab, musste jedoch etwas an hiesige Verhältnisse angepasst werden, denn die Berner Landpferde hatten breitere Rücken als die schneidigen Kavalleriepferde des Auslands. Dafür hätte sich ein französischer Kavalleriehengst vermutlich auch wenig für den zivilen Dienst in der Landwirtschaft geeignet.

Roger Rebmann, Basel
Schweizer Soldat, 6/2001

Mitrailleur 1979

Mitrailleur 1979Ende der 50er-Jahre gewann man die Erkenntnis, dass der Schweizer Soldat eine neue Feldbekleidung benötigt, welche dem Zeitalter des Sturmgewehrs angepasst ist. 1958 fiel die Wahl auf jenen Kampfanzug, der dann drei Jahrzehnte lang das Bild des Wehrmannes mitprägen sollte. Im August 1959 defilierte die Artillerie-RS Sidon im neuen „Kämpfer“ (vulgo „Vierfruchtpyjama“), der somit erstmals einem grösseren Publikum vorgeführt wurde. Mit diversen kleineren Modifikationen blieb der zuletzt als „Kafaz 70“ bekannte Anzug bis in die 80er-Jahre im Dienst. Er dürfte mit den unverwechselbaren Farben wohl einzigartig in der Welt sein, und auch die zahlreichen Taschen erstaunten manchen Rekruten beim Kleiderfassen.
Eben diese Taschen machten es möglich, dass der Wehrmann nahezu den gesamten „Hausrat“ am Körper mitführen musste. Es ist nicht immer vorteilhaft, wenn von der Gamelle bis zum Sturmgewehrmagazin alles in den Taschen des Wehrkleides rumrasselt.
Wenn je ein Schweizer Wehrmann auf dem Schlachtfeld verwundet worden wäre, dann hätte man rasch herausgefunden, dass man ihn förmlich bis auf die Unterhose ausziehen musste, um ihn von seiner kunstvoll durch Schlaufen und Klammern und Karabinerhaken verbundenen Ausrüstung zu trennen.
Heute begegnet man dem Kafaz zuweilen in den Liq-Shops; und auch der Schreibende hat sich aus Nostalgie einen gekauft, auch wenn er ihn vor zwölf Jahren ganz furchtbar verabscheut hat.
Unser Mitrailleur hat gerade an einem Kiesweg in einem Vorgarten sein MG51 in Stellung gebracht. Er trägt den neuen Stahlhelm 71 mit Tarnbezug, wobei das weisse Kunststoffband ihn in diesem Manöver als den „böFei“, den Angreifer, bezeichnet. Zum Kampfanzug trägt er den kleinen Rucksack, welcher mit zwei Metallklammern und einer Stoffschlaufe an der Jacke fixiert wurde. An diesem Rucksack wurde auch der Schanzspaten befestigt. Unter der Jacke trägt er einen „Gnägi-Pullover“ und ziemlich sicher einen blauen Faserpelz eines skandinavischen Herstellers. In den Jackentaschen brachte man nebst Feldflasche und Gamelle auch diverses weiteres Material unter, sodass die Taschen immer zum Bersten voll waren.
Die Hosenbeine steckten in Ledergamaschen die mit drei Schnallen zu schliessen waren. Die Hosenträger der Beinkleider neigten dazu zu verrutschen oder aufzugehen, wenn man sie nicht kraftvoll und ordonnanzwidrig zu verknoten wusste. In den Knietaschen fanden im Gefecht häufig die Stielhandgranaten Platz, auf dem Marsch wurde dort die Feldmütze 49, genannt „der Mutz“ verstaut, aber nur wenn dies obrigkeitlicherweise angeordnet war…

Roger Rebmann, Basel
Schweizer Soldat 7-8/2001

Musketier um 1636

Der Dreissigjährige Krieg, der Mitteleuropa zwischen 1618 und 1648 heimsuchte, verschonte die Schweiz, obwohl sie damals noch ein Teil des deutschen Kaiserreiches war. Es gelang den Eidgenossen, sich trotz eigener religiöser Differenzen aus diesem mörderischen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten herauszuhalten. Dennoch berührte der Krieg unser Land wiederholt am Rande, und schon damals tat der Grenzschutz not. Die Heimatgemeinde des Schreibenden kam als Dorf am Rhein (Basel) mehr als einmal mit diesem Krieg in Deutschland in Kontakt. Bereits 1623 mussten während vier Monaten 13 Musketiere, 4 Mann in Rüstung, 8 Spiessknechte, 6 Hellebardiere, 2 Trommler und 15 Junggesellen ohne Übergewehr bei Augst am Rheinufer Grenzwache halten. In den folgenden Kriegsjahren zogen fremde Truppen unter Verletzung der schweizerischen Neutralität durch den Pratteler Bann. Im Jahr 1633 war es ein katholisches Heer des Kaisers von 25’000 Mann unter Herzog Feria, im Januar 1638 waren es 6’000 Mann vom protestantischen Heer Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar.
Schwedische Moradeure suchten das Baselbiet heim und verbreiteten Furcht und Schrecken. Am 28. Februar 1638 kam es bei Pratteln zu einem Gefecht zwischen kaiserlichen Truppen und weimarischer Reiterei, wobei 6 Tote zurückblieben. Die Pferde und das liegengebliebene Kriegsmaterial wurden eingesammelt und ins Schloss von Pratteln gebracht.
Im Mannschaftsrodel des Amtes Müchenstein von 1636 findet sich unter den Pratteler Wehrpflichtigen auch ein direkter Ahne des Schreibenden. Hans Rebmann tat als Musketier Dienst bei der Miliz.
Auf der Darstellung sehen wir ihn in voller Ausrüstung vor dem Pratteler Schloss. In der rechten Hand hält er die Luntenschlossmuskete, welche zum Schuss auf der Gabel, die in seiner linken Hand zu sehen ist, aufgelegt wurde. Die Zündung erfolgte mit einer salpetergetränkten Lunte, die stets glimmend mitgeführt wurde. Beim Abziehen schnappte der Hahn vor und drückte die Lunte in die Pfanne mit Zündkraut, was schließlich die Ladung im Lauf zündete. Geladen wurde die Muskete mit den am Bandelier getragenen Pulverbehältern aus Holz, auch bekannt als die „12 Apostel“. In jedem dieser Behälter befand sich die abgemessene Pulvermenge für je einen Schuss. Das Zündkraut trug der Musketier in einer eigenen Pulverflasche, hier erkennbar an der rechten Seite neben den Reservelunten am Bandelier. Das Laden erfolgte, je nach Reglement, nach bis zu 14 einzelnen Befehlen.
Als Zweitwaffe trägt Hans hier ein Rapier, denn Bajonette gab es seinerzeit noch nicht. Im Gefecht schwang man jedoch eher die Muskete, denn nur die wenigsten waren geübt im Fechten, aber mit dem Kolben dreinschlagen konnte jeder.
Uniformen waren damals wenig verbreitet. Wie zu Zeiten der Eidgenossen zog der Mann in der eigenen Kleidung ins Feld. Zu seinen Strümpfen trägt Hans hier weite Kniehosen, einen groben Kittel, ein Leinenhemd und einen Hut mit Krempe.

Musketier um 1636

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 6/2000

Bernischer Füsilier 1728

Bernischer Füsilier 1728Als einer der ersten Kantone begann Bern im 17. Jahrhundert mit der uniformen Einkleidung seines Heeres. Es waren vermutlich Berner Offiziere in französischen Diensten, welche die Idee einer einheitlichen Soldatenkleidung in die Heimat mitbrachten. Ab 1683 begann die Obrigkeit mit sanftem Druck auf die Einführung einer Einheitsuniform hinzuarbeiten, dabei legte man beispielsweise besonderen Wert auf die Ausstaffierung mit breitkrempigen Hüten, die vor Regen schützen sollten. Nicht minder fortschrittlich gab man sich in der Frage der Bewaffnung. Während 1712 die Innerschweizer Truppen noch überwiegend mit Hieb- und Stichwaffen in die zweite Schlacht von Villmergen zogen, traten ihnen die bernischen Gegner in Feuerlinien zu drei Gliedern mit modernen Steinschlossmusketen entgegen.
Die Uniformierung der Berner Miliz ging jedoch nicht allerorten zügig vonstatten. Ein Erlass von 1726 legte fest, dass jedermann, der sich vom Pfarrer trauen lassen wollte, zunächst beweisen musste, dass er über eine gehörige Militärausrüstung und Uniform verfügte, die er übrigens auf eigene Kosten anzuschaffen hatte.
Unser Füsilier der Berner Miliz trägt einen schwarzen Dreispitz mit Rosette. Der graue Uniformrock, „Kasake“ genannt, hat rote Ärmelaufschläge. Die zahlreichen Knöpfe wurden selten vollständig zugeknöpft, man beschränkte sich oft auf ein paar geschlossene Knöpfe in Gurthöhe. Um den Hals ist die vorschriftsmässige schwarze Halsbinde zu sehen. Hosen und Strümpfe waren rot. Auf seiner rechten Seite trägt der Füsilier am hellledernen Bandelier die Munitionstasche. Das Gurtzeug mit Degen und Bajonett besteht ebenfalls aus hellem Leder. Auf der Schulter ruht die Steinschlossmuskete, welche damals selten einen Tragriemen hatte. Offenbar neigte man in jenen Jahren dazu, dem Milizsoldaten zu viel in Sachen Drill abzuverlangen. Noch 1767 riet General Rupertus Scipio von Lentulus bei der Inspektion des bernischen Wehrwesens „…das Landvolk nicht so sehr mit denen Handgriffen zu plagen; diese vollkommen zu können, ist für eine Miliz eine Zierde und keine Notwendigkeit“.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 1/2001

Keltischer Krieger vom Neuenburger See (ca. 420 v. Chr.)

Keltischer Krieger vom Neuenburger See (ca. 420 v. Chr.)Nahe eines Dorfes am Neuenburger See fand man im 19. Jahrhundert viele Objekte, welche von einst dort ansässigen Kelten zeugten. Der Fundort wurde durch immer neue Entdeckungen so bedeutsam, dass er einer ganzen Epoche der keltischen Geschichte vom 5. bis zum 1. Jahrhundert vor Christus einen Namen gab: „La Tène“. Die Kelten um 500 v. Chr. standen am Anfang einer Expansion, welche fast die ganze antike Welt berührte. Diese Ausbreitung war die Folge ihres kriegerischen und neugierigen Charakters, der sie dazu trieb, immer neue Grenzen zu überschreiten.
In den kommenden Jahrhunderten fielen sie in Griechenland ein, plünderten Rom und stiessen bis an die Grenzen Asiens vor. Im Prinzip waren die Kelten militärisch locker organisiert und zogen als wilder Haufen wider ihre Gegner.
Das Bild der wilden Gallier, die aus ihrem Dorf heraus als stürmische Horde über die Römer herfallen, ist uns aus den Asterix-Geschichten bekannt. Der Schwung eines keltischen Angriffs war geradezu unwiderstehlich. Der Kopf galt als Sitz des Geistes und war für den Kelten eine begehrte Kriegstrophäe. Auch eigene gefallene Anführer wurden gelegentlich enthauptet, um deren Kopf vor der Eroberung zu retten.
Der Kelte kämpfte im Getümmel für sich und hieb alles nieder, was sich ihm entgegenstellte. Irische Chroniken berichten von heftigen Wutanfällen keltischer Krieger in der Schlacht: „Ein Schauer durchzog ihn, entstellte ihn, machte ihn zu einem monströsen Ding. Seine Knochen und Organe schüttelten sich gleich Bäumen im Sturm und seine Innerein drängten nach Aussen. Adern schwollen und die Haut zerriss beinahe unter seinen sich wölbenden Muskeln.“
Unsere Neuenburger Keltenkrieger tragen lange eiserne Hauschwerter. Der Spee des einen hat eine breite Klinge, wie man sie im Neuenburger See fand. Eine ebenso gefürchtete Waffe war die Kampfaxt in der Hand des Schildträgers. Der Schild selber bestand aus Eichenbohlen, die mit Eisenbeschlägen verstärkt wurden. Helme sowie der Brustpanzer des Speerträgers waren aus Bronze. Ein gutes keltisches Schwert wurde aus einem elastischen Mittelteil geschmiedet, welches man dann mit Schneiden und einer Spitze aus einem besonders gehärteten Eisen versah.
Es waren furchtbare Hiebwaffen, deren Klingen sich zwar biegen mochten, aber kaum brachen. Die gute Ausrüstung der Keltenkrieger nützte jedoch nichts gegen die römischen Legionen eines Julius Cäsar, der zur Nemesis der Kelten Europas werden sollte. Ihre wilde Kampfeslust unterlag den kühlen Strategien der organisierten Massenheere. Da hätte auch der Zaubertrank eines Miraculix wenig geholfen.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 11/2000

Sappeur 1856

Sappeur 1856In Napoleons Linienregimentern wurden die besten und kräftigsten Männer der Grenadierkompanien als Sappeure eingesetzt. Diese Truppenhandwerker hatten wichtige Aufgaben, wie etwa das Freimachen von Marschrouten, Vorbereiten von Biwakgelände, Erstellen von Feldbefestigungen oder auch Schiessscharten in bestehende Mauern zu schlagen. Dieser Dienst erforderte Mut und Körperkraft. Als Anerkennung für ihren Einsatz erhielten die Sappeure das Privileg, an der Spitze der Kolonne zu marschieren, bei der Fahne und dem Regimentsspiel. Darüber hinaus stellten sie die Wachen vor dem Hauptquartier, und sie genossen das exklusive Recht, Bärte zu tragen. Noch heute führen bei der Parade zum 14. Juli in Paris axtbewehrte, bärtige Sappeure in weissen Arbeitsschürzen stolz das Kontingent der Fremdenlegion an.
Viele napoleonische Traditionen sind von Fremddienstleistenden in die Schweiz gebracht worden, und fanden so ihren Weg in die junge Milizarmee des Bundesstaates. Es verwundert daher kaum, dass der Sappeur hierzulande seinem französischen Paten sehr ähnlich sah.
Unser Bild zeigt einen Sappeur des Aargauer Infanteriebataillons 15 im Jahr 1856. Die Tschakogarnitur mit Pompon, Kantonskokarde (Blau-Schwarz) und Nummernplakette entspricht derjenigen seiner Stammkompanie im Bataillon. Gemäss der napoleonischen Tradition sind seine Epauletten rot wie jene der Grenadiere. Sein dunkelblauer Frack mit zwei Knopfreihen hat einen gleichfarbigen Kragen mit einem roten Vorstoss. Auf dem Oberarm ist das Fachabzeichen des Zimmermanns zu sehen – zwei gekreuzte rote Äxte. Im aktiven Dienst stehend, trägt er am linken Arm die eidgenössische Armbinde. Über dem Arbeitsschurz aus weissem Leder sieht man den weissen Ceinturon mit Messingschloss. Das Tragfutteral für die Arbeitsaxt hängt an einem weissen Bandolier über der linken Schulter. Unter der Schürze kann man eben noch die blaue Hose und die Gamaschen erkennen. Die gesamte Uniform entspricht der eidgenössischen Ordonnanz 1852. Über der Schulter trägt der Sappeur seine Zimmermannsaxt. Ihr Schaft ist in den Nationalfarben Weiss und Rot gestreift. Eine Mode, die kantonal variierte und in der sich oft auch die Standesfarben wiederspiegelten.
In der Schweiz zogen die Sappeure lange, wie zu Napoleons Zeiten, an der Spitze der Marschkolonnen einher. Sie hielten dabei ihre Axt rechts geschultert und stemmten in aufrechter Haltung die Hand (häufig wurden weisslederne Stulpenhandschuhe getragen) in die Hüfte. Ihr Truppenstolz war hervorgegangen aus demjenigen der Schweizer Veteranen in Napoleons Armee und er wird gewiss auch bei den Sappeuren der Armee XXI weiterleben.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 10/2000

Jäger 1864

Jäger 1864Mit der Einführung der Ordonnanz 1861 entstand ein Typus des Tschakos. Der alte hohe „Zigerstock“ oder „Angströhre“ genannte Helm wurde gedungener. Er sah seinem Bruder der kaiserlich-französischen Armee von der Form her sehr ähnlich. Nur die Garnitur blieb identisch mit jener des Vorgängers von 1852, lediglich etwas kürzer fiel sie aus. Der Tschako war mehr als nur eine prächtige militärische Kopfbedeckung, auch wenn seit den 1840er-Jahren die Schuppenketten zum Schutze der Ohren gegen Säbelhiebe verschwanden, so erhielt sich im massiven Lederdeckel nach wie vor eine gewisse Schutzfunktion gegen Hiebe von oben auf den Schädel. Dabei spielen auch die auf unserer Darstellung sichtbaren Epauletten eine wichtige Rolle. Sie waren oft mit Metalleinlagen in der Zunge versehen, wodurch sie sich quasi als „Schutzblech“ über die Schultern des Wehrmannes legten.
So war es für den Reiter schwer, von seinem Ross herab mit dem Säbel vitale Körperbereiche des Jägers zu treffen, umso mehr, da eine Infanteriemuskete mit aufgepflanztem Bajonett beinahe zwei Meter mass und so eine grosse Gefahr für den Berittenen selber darstellte, wenn sich der Angegriffene entschlossen zur Wehr setzte.
Unser Jäger vom Berner Infanteriebataillon 36 trägt den Uniformrock der Ordonnanz 1861, welcher den beengenden und ungeliebten Frack von 1852 abgelöst hatte. Die Epauletten waren den Jägern vorbehalten und zeigten die Farben Grün und Rot. Die Füsiliere mussten sich mit simplen Schulterklappen, wie man sie noch heute am Ausgangswaffenrock findet, begnügen. Als Zeichen ihres besonderen Standes trugen die Jäger nicht bloss ein Bajonett, sondern auch den Säbel der Ordonnanz 1842/52. Der Tschako ist von einem gelbgrünen Pompon gekrönt, welcher den Träger als Angehörigen der 2. Jägerkompanie identifiziert. Unter der Metallganse ist die schwarzrote Kantonskokarde Berns angebracht.
Unter dem Kragen des Waffenrocks trägt unser Jäger eine schwarze Halsbinde, denn es galt damals als nicht statthaft, dass man den Hals eines Mannes sähe. Bemerkenswert ist der neue Ceinturon. Zuvor wurde die Munitionstasche und die Seitenwaffen an zwei Bandelieren über der Schulter getragen. Nun hing alles nach österreichischem Vorbild am Ceinturon um die Hüfte.
Seit einigen Jahren stellt übrigens die historische Gruppe „Zürcher Miliz-Compagnie 1861“ mit viel Aufwand die 2. Jägerkompanie des Landwehrbataillons 6 in dieser Ordonnanz dar. Dank ihnen ist diese Uniform etwa am 1.-August-Umzug in Zürich wieder öfters zu bewundern.

Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 2/2001

Die Ordonnanz 1852

Die Ordonnanz 1852Die Ordonnanz 1852 hielt fest, dass die Truppen aller eidgenössischen Kantone einheitlich uniformiert und bewaffnet sein sollten. Ein Ziel, das schon zehn Jahre zuvor vergeblich angestrebt wurde. Zur Zeit des Sonderbundkrieges 1847 waren die Soldaten noch, je nach Kanton, unterschiedlich gekleidet. Nun sollte im jungen Bundesstaat das Militär nicht wie ein bunter Fasnachtszug daherkommen. Künftig musste man alle Schweizer Soldaten schon aus der Ferne als solche erkennen können.
Man ahmte bei der neuen Uniform die französische Armee nach, die damals weitherum Vorbild war. Den Kantonen war es gestattet, ihre Wehrmänner mit alten Uniformteilen einzukleiden, sofern diese nicht zu sehr von der neuen Ordonnanz abwichen, oder entsprechend abgeändert wurden. Altes mischte sich mit Neuem. Von echter Einheitlichkeit in der Armee ab 1852 kann folglich keine Rede sein.
Wir sehen Luzerner Scharfschützen um 1854. Traditionell war Dunkelgrün die Uniformfarbe dieser Waffe. Das Lederzeug war schwarz und nicht wie bei der Infanterie weiss. Tornister wurden mit schwarzen Riemen und schwarzem Fell gefertigt. Dies diente alles der Tarnung, denn Scharfschützen hatten die Aufgabe, nahe den feindlichen Linien, verteilt, in kleinen Gruppen, mit ihrem präzisen Feuer die Reihen der Offiziere oder anderer wichtiger Funktionsträger beim Gegner zu lichten. Daher bewegten sich die Scharfschützen auch oft durchs Unterholz. Nebst dem Federbajonett zum Stutzer führten sie eine Weidmesser, mit dem sie sich einen Weg durchs Gestrüpp bahnten. Wir sehen bei unseren Luzernern, dass sie noch den alten Frack kantonaler Ordonnanz trugen.
Er hatte nur eine Knopfreihe, Achselschlaufen anstatt Epauletten und schwarze Ärmelaufschläge anstelle von Passepoils. Auf dem Tschako, unter dem dunkelgrünen Pompon mit Flamme und der Kantonskokarde mit Ganse, glänzten golden die gekreuzten Stutzer. Darunter war die Kompanienummer angebracht.
Über der Schulter trug man das Bandelier fürs Weidmesser, die Weidtasche mit allen Schiessutensilien und der Munition hing jeweils auf der Gegenseite. Die Waffe war der Feldstutzer 1851, die erste vollständig in Schweizer Werkstätten gefertigte Langwaffe für eidgenössische Truppen. Der Stutzer mit Stecherabzug traf dank des gezogenen Laufes sein Ziel auf wesentlich grössere Distanz als die damals glattläufige Infanteriemuskete.
Von den einst stolzen Scharfschützenkompanien sind in der Schweizer Armee unserer Tage gerade noch die Schützenkragenspiegel bei der Infanterie übrig geblieben.

Schweizer Soldat, 1/1999
Roger Rebmann, Rost und Grünspan, Basel