Archiv der Kategorie: Uniformkunde

Berner Raketenbatterie 29 um 1857

Zunächst nutzen in Europa die Briten zur Zeit der Napoleonischen Kriege die Raketenartillerie. Nach dem ersten Auftritt wurde diese neuartige Waffe aber rasch auch in andere europäischen Staaten populär, obwohl sie an mangelnder Treffsicherheit krankte. Das war aber damals nicht so schlimm, denn auch die konventionellen Artilleriegeschütze waren nicht eben Präzisionswaffen, schossen jedoch viel langsamer und waren im Gelände schwerfälliger. Berner Raketenbatterie 29 um 1857 weiterlesen

Basler Artillerietrompeter um 1854

Basler Artilleristen standen in besonderem Rufe, seit sie eine kleine Revolution vom Zaun brachen. Während alle Basler Truppen 1844 einen leichten Tschako fassten, musste die Artillerie das alte schwere Modell behalten. Der Artillerist und Zeitungsredaktor Karl Brenner machte seinen Ärger darüber derart publik, dass ihn die Obrigkeit kurzerhand als Aufwiegler einkerkerte. Am 4. August 1845 rotteten sich jedoch die Basler Kanoniere bei einer Übung in der Klingentalkaserne zusammen und zogen zum Lohnhofgefängnis. Dort befreiten sie den Waffenbruder eigenmchtig aus der Zelle und trugen ihn stolz durch die Stadt. Blut floss nicht bei diesem „Käppisturm“, doch konservative Basler Gemüter waren zutiefst erschüttert. Dennoch, als 1847 die Batterie 7 auf eigenes heftiges Drängen hin als einziges Basler Militär mit den eidgenössischen Truppen in den Sonderbundskrieg zog, trugen auch die Kanoniere den neuen leichten Tschako. Das Faschinenmesser, das Karl Brenner in diesem Feldzug trug, hütete heute übringens der Artillerie-Verein Basel-Stadt. Basler Artillerietrompeter um 1854 weiterlesen

Solothurner Füsiliere 1916

«Wer jemals einen Tritt zu versetzen gezwungen war und das mit der Vehemenz des eingedrillten Spickens tat, wird über die Wirkung so erstaunt wie zugleich dankbar darüber gewesen sein, zu den Könnern des Taktschritts zu zählen …» Mit diesen ironischen Worten beschrieb der Lyriker und Publizist Hans Schumacher einen der «praktischen Werte» des so ungeliebten Taktschrittes.
Solothurner Füsiliere 1916 weiterlesen

Infanterist der Stadt St. Gallen 1792

Infanterist der Stadt St. Gallen 1792Mit der Kriegserklärung von Frankreich an Preussen und Österreich sah man die Grenze bei Basel ernsthaft gefährdet. Die Eidgenossenschaft genehmigte deshalb zum Grenzschutz Ende Mai 1792 ein Aufgebot von 1300 Mann für Basel. Es trafen Zuzüger aus allen Ständen der Schweiz ein, die in Basel und den umliegenden Dörfern Quartier bezogen. Auch zwei Kontingente aus St. Gallen waren an den Rhein geeilt, wobei hier zwischen Fürstabt St. Gallen und der „Stadt und Republik St, Gallen- unterschieden werden muss. Das städtische Aufgebot St.Gallens zählte 25 Mann.

Unsere Darstellung zeigt einen „Gemeinen des Fussvolks“ der Stadt St. Gallen, der gerade dabei ist, eine Steinschlossmuskete kantonaler Ordonnanz zu laden. Sein Kontingent bereitet sich auf den Abmarsch nach Basel vor, im Hintergrund ist das alte städtische Zeughaus St. Gallens am Bohl zu sehen. Am Dreispitz trägt er einen Federstrauss, der oben rot und unten weiss ist. Der Strauss ist mit der weiss-schwarz-roten Kokarde und einer goldmetallenen Ganse an der Kopfbedeckung befestigt. Details des dunkelblauen Frackes lassen die Zuteilung erkennen.

Dieser Mann trägt goldfarbene Knöpfe, was ihn als Angehörigen der ersten Auszugsfahne (vergleichbar mit einem Bataillon) ausweist. Bei der zweiten Fahne wurden silberfarbene Knöpfe getragen. Es gab damals in der Stadt St. Gallen die beiden Fahnen und eine freiwillige Grenadierkompanie.

Kragen, Epauletten sowie Aufschläge sind rot, die Passepoils (feine Vorstösse entlang gewisser Nähte) weiss. Ebenfalls weiss ist die Weste, weiche unter dem Frack getragen wird, und die Hose. Die schwarzen Tuchgamaschen werden seitlich mit Knöpfen geschlossen und reichen vom Schuh bis hinauf zum Knie. An den weissen Lederbandeliers über den Schultern hängen die Munitionstasche, das Seitengewehr (hier aufgepflanzt) sowie der Säbel.

Roger Rebmann, Basel

FHD und Rotkreuzfahrerin 1944

FHD und Rotkreuzfahrerin 1944Als Geburtsstunde des Frauen-Hilfsdienstes mag der 3. April 1939 gelten, der Tag, an dem der Bundesrat eine zeitgemässe Hilfsdienst-Verordnung erliess. Artikel 2 regelte dabei die Hilfsdiensttätigkeit der Frauen. Der freiwillige unbesoldete Einsatz der Frauen im Aktivdienst wurde jedoch nicht überall gern gesehen. In Zeiten, wo der Schweizerin kein Stimmrecht zugestanden wurde, herrschte in einigen Kreisen der Männerwelt noch eine festgefügte Vorstellung von der Rolle der Frau. Im Frühjahr 1940 erging ein nationaler Aufruf zum Dienst im FHD, man erhielt die Anmeldebogen am Postschalter, Bis zum Jahresende stieg die Zahl der Freiwilligen auf 18 0,00, aber noch immer gab es Vorbehalte Es kam sogar zu Diskussionen über die Uniformen des FHD, und selbst General Guisan mochte sich beispielsweise nicht recht mit dem Bild von Rotkreuzfahrerinnen in Reithosen anfreunden, denn solche Hosen -sind unschön und passen gar nicht für Damen.

Unser Bild zeigt links eine Späherin bei der Luftraumbeobachtung im Gebirge. Sie trägt eine Policemütze der Ordonnanz 1926 und den bei der Armee gebräuchlichen Fellmantel für den Wachtdienst bei grosser Kälte Unter dem Mantel ist ale mit einer hellgrauen Schürze bekleidet welche mit der FHD-Armbinde versehen ist. Hosen und Schuhe sind zivil. Für die Ausgangsuniform wurde den Frauen lediglich Offiziersstoff zur Verfügung gestellt. Die Uniformen mussten sie selber nach vorgegebenen Richtlinien nähen.

Rechts sehen wir eine Fahrerin des, Rotkreuzdienstes. Im Gegensatz zu ihrer Kameradin trägt sie eine Ordonnanz-Ausgangsuniform. Die Kopfbedeckung ist eine dunkelblaue Policemütze mit roter Quaste, sehr ähnlich dem Modell 1869. Jupe und Waffenrock sind ebenfalls in Dunkelblau gehalten auf den Ärmeln trägt sie eine Patte, welche über dem roten Kreuz das Lenkrad der Motorfahrer zeigt. Der spezielle Ceinturon bestand aus braunem Leder. Eine Tenüvariante im Dienst war bei warmem Wetter der Waffenrock mit Keilhose und dem geöffneten Hemd ohne Kravatte. Gelegentlich sah man Fahrerinnen aber auch mit den beim General so unbeliebten Reithosen, entweder mit Wadenbinden oder, ça alors, mit Reitstiefeln (siehe dazu die Dezemberausgabe Schweizer Soldat/MFD 1994, Seite 42 / Auszug aus dem Aktivdiensttagebuch von FHD Marion Van Laer, Jahrgang 1905).

Roger Rebmann – Rost und Grünspan

Soldat des römischen Heers um 370

Soldat des römischen Heers um 370Das römische Kaiserreich ging im 4. Jahrhundert allmählich seinem Niedergang entgegen. Flavius Valentinianus regierte von 364 bis 376 als Valentinian 1. und war wohl der letzte grosse römische Kriegerkaiser. Unter seiner Herrschaft wurden auf dem Gebiet der heutigen Schweiz die letzten kraftvollen Bemühungen unternommen, die Rheinlinie zu befestigen. Eine lange Kette von Wachttürmen sowie einigen Festungen und Brückenköpfen jenseits des Rheines sollten vorn damaligen Rätien bis zur Nordsee ein Bollwerk gegen die germanischen Stämme bilden. Die Truppen, denen der Grenzschutz anvertraut war, kamen vielfach schon lange nicht mehr aus Rom. Es waren germanische Soldaten in römischen Diensten, welche die Grenzlande gegen ihre Stammesbrüder verteidigten. Die Dienstzeit eines Soldaten betrug 20 Jahre.

Der abgebildete Soldat unterscheidet sich wesentlich vom Bild des römischen Legionärs der vorangegangenen Jahrhunderte. Er steht gerade mit Schild und Speer im Kampf gegen Alamanni. Die schwere Kampfausrüstung besteht aus dem Helm und einem Kettenhemd, genannt Lorica hamata. Darunter trägt er einen hellen Rock aus Leinen mit roten Zierornamenten, Der breite Soldatengurt war ein Statussymbol, an ihm hängt das lange Schwert, genannt Spatha.

Zu jener Zeit hatten die Truppen Roms Kleidungsstücke der „Barbaren“ übernommen, so etwa Hosen. Die Hosenbeine stecken in hohen Wickelgamaschen, an den Füssen trägt der Soldat lederne Schnürsandalen. Dieses Schuhwerk war halbwegs geschlossen und zeigte mehr keltischen und germanischen Einfluss als die klassischen römischen Caligae.

Roger Rebmann, Basel

Bündner Fähnrich 1852

Bündner Fähnrich 1852Über die Wehrmannskleider gemäss der Ordonnanz 1852 haben wir schon öfter berichtet. Heute sehen wir einen Fähnrich des Bündner Bataillons 22. Er hatte beim Aufmarsch des Bataillons seinen Platz im ersten Glied, links und rechte von Unteroffizieren flankiert, Im zweiten Glied sollte stets einer der tauglichsten Unteroffiziere direkt hinter dem Fähnrich gehen, Insgesamt waren acht „im Marschieren wohlgeübte Unteroffiziere“ zur Fahnenwache eingeteilt. Die Wachen hatten stets die Bajonette aufgepflanzt. Diese zerfetzten aber die flatternden Bataillonsfahnen wiederholt, bis man auf derart martialische Details verzichtete. Man war es leid, immer wieder neue Löcher zu flicken.

Der Tschako der Ordonnanz 1852 unseres Fähnrichs weist einen weissen Pompon mit gleichfarbiger Flamme auf – die Farbe des Stabes, Unter der Ganse aus Silberblech ist die Bündner Kantonskokarde zu sehen. Das Blechschild in Sonnenform zeigt ausgestanzt die Bataillonsnummer.

Der Uniformrock ist dunkelblau und hat eine Knopfreihe zu neun silberfarbenen Knöpfen. Rot gehalten sind die Vorstösse, die Schossumschläge sowie der Kragen. Als höherer Unteroffizier trägt der Fähnrich besondere Schulterstücke, so genannte „Contre-Epauletten“ ohne Fransen. Als Status des Ranges ist auch der Degen als Blankwaffe zu sehen, der hier auf der linken Seite getragen wird. Der Tragbandulier besteht aus schwarzem Leder und hat vorne eine zylindrische Hülse, in welche der Fuss des Fahnenschaftes beim Tragen gesteckt wird.

Die dunkelblauen Hosen haben entlang den Seitennähten rote Vorstösse. Hier werden unter den Hosen die weissen Tuchgamaschen getragen. Die Beschaffung feldtauglicher Schuhe war Sache des Wehrmannes. Die Fahne entspricht dern Reglement von 1852 und trägt den Kantonsnamen in grossen Lettern inmitten des weissen Kreuzes. Die Schleife zur Fahne ist in den Kantonsfarben gehalten.

Roger Rebmann, Basel

Aargauer Kanonier 1856

Aargauer Kanonier 1856Gemäss der Armee-Einteilung um 1856 war die Aargauer 24-Pfünder-Haubitz-Batterie 3 in der Artilleriereserve der Brigade 2 eingeteilt. Der immer wieder in Militärbelangen fortschrittliche Kanton verfügte schon seit 1827 über Haubitzen dieses schweren Kalibers.

Auf unserer Illustration hat sich ein Aargauer Kanonier auf seinem Tornister niedergelassen, um ein Stück Brot zu verzehren. Dieses wird er mit einem Schluck Wasser (?) aus seinem nicht ordonnanzgemässen Zinnbecher begiessen.

Seine Kopfbedeckung ist der Tschako der Ordonnanz 1852 mit Artilleriegarnitur. In der Waffenfarbe Rot krönt ein Pompon mit gleichfarbiger Flamme die Kopfbedeckung. Auf der neusilbernen Blechganse prangt bei der Artillerie exklusiv anstelle eines schlichten Knopfes eine platzende Granate. Darunter sind die gekreuzten Kanonenrohre zu sehen, weiche noch bis zur Ordonnanz 1898 die Tschakos dieser Waffe zierten.

Der Artilleriefrack der Ordonnanz 1852 wies zwei Frackschwänze auf (hier nicht sichbar), welche deutlich kürzer waren als jene der Infanteriefräcke. Dies daher, weil Artilleristen, beritten oder auf dem Munitions-Caisson sitzend, keine Frackzipfel brauchten, die sich einmal unter der Gesässbacke und einmal frei flatternd bemerkbar machten. Der zweireihige dunkelblaue Frack hat einen roten Kragen und gleichfarbige Vorstösse, Die roten Artillerieepauletten waren inwendig mit einer Metallzange versehen und boten dem kaum bewaffneten Kanonier einen gewissen Schulterschutz gegen Säbelhiebe von Kavalleristen. Am linken Arm zeigt die Armbinde mit Schweizerkreuz, dass der Wehrmann für die Eidgenossenschaft Dienst tut.

Das weisse Gurtzeug lässt die dekorative Messingschnalle erkennen. Teilweise sichtbar ist hier das Faschinenmesser Modell 1852, welches bis ins 20. Jahrhundert dem Kanonier als Seitengewehr diente. Die blauen Tuchhosen haben einen roten Vorstoss enlang den Hosennähten. Hier werden die weissen Leinengamaschen unter den Hosenbeinen getragen. Auf dem Artillerietornister, der hier als Sitzgelegenheit dient, kann man den gerollten Kaput erkennen. Das Rollen der weissen Lederriemen zu „Schnecken“ war das Vorgängerritual des späteren Verschlaufens aller irgendwie vorstehender Lederstreifen. Schon damals achteten die Feldweibel mit Argusaugen auf solche Details.

Roger Rebmann – Rost und Grünspan