Archiv der Kategorie: Geschichte

Der Rebell

Der RebellZeitgenossen nannten ihn „einen Mann aus gehacktem Eisen". Gemeint war der preussische Generalfeldmarschall Johann David Graf Yorck von Wartenburg, geboren am 26. September 1759 in Potsdam. Yorck galt als überaus eigenwilliger Truppenführer und schwieriger Befehlsempfänger. Schon als Sekondelieutenant hatte er sich während des Bayerischen Erbfolgekrieges (1778/79) durch „Insubordination", das heisst durch Kritik an den Requirierungsmethoden eines Vorgesetzten, ein Jahr Festungshaft eingehandelt.

Im Sommer 1812 finden wir Yorck als zweiten Befehlshaber, dann als Kommandeur, des von Napoleon zwangsrekrutierten, 20000 Mann starken preussischen Hilfskorps. Den Untergang der Grande Armée vor Augen, schloss Yorck am 30. Dezember mit dem russischen General und späteren Feldmarschall Hans von Diebitsch (1785-1831) aber einen Kontrakt, der die Neutralisierung seiner noch halbwegs intakten Truppe zum Inhalt hatte. Verhandlungsort war eine Mühle im litauisch-russischen Grenzdorf Poscherun. Yorcks eigenmächtige Uebereinkunft, bekannt als „Konvention von Tauroggen", führte den unentschlossenen preussischen König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) schliesslich an die Seite von Zar Alexander I. (1777-1825). Der Sieg bei Wartenburg an der Elbe vom 3. Oktober 1813 über das französisch-württembergisch-italienisch-westfälische IV. Korps brachte Yorck den Grafentitel. Johann David Graf Yorck von Wartenburg verstarb am 4. Oktober 1830 auf seiner Domäne Klein-Oels in Schlesien. In der Alten Armee führte das ostpreussische Jäger-Bataillon Nr. 1 seinen Namen und Ludwig van Beethoven komponierte den „Marsch des Yorckschen Korps" (später Parademarsch für Fusstruppen, AM II,37).

Wenig bekannt ist Yorcks Kolonialdienst. 1781 hatte er das friderizianische Heer verlassen, wie es hiess wegen Spielschulden, und war im Juni desselben Jahres als Hauptmann in das eben formierte Schweizerregiment de Meuron eingetreten, das im Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie stand. Am Kap der guten Hoffnung in Garnison, sah sich Yorck aber schon nach drei Jahren genötigt, den Dienst zu quittieren. Kaderangehörige, Yorck mit dabei, hatten den Regimentsinhaber und Kommandanten, den Neuenburger Charles-Daniel de Meuron (1738-1806), der in den Fremddiensten weit verbreiteten Vetternwirtschaft bezichtigt. 1795 wechselte das Regiment in britischen Sold, kämpfte auch in Kanada und wurde 1816 entlassen.

Vincenz Oertle, Esslingen

Preussenjahr 1701

Preussenjahr 1701 Zum Preussenjahr 2001 (vor 300 Jahren wurde Brandenburg-Preussen Königreich)

So mag er ausgesehen haben: Hans Jakob Wirz, der ehemalige Seidenweber aus Erlenbach ZH. Er diente ab 1737 für monatlich sechs Reichstaler als „Grossgrenadier“ im 1. Bataillon des Langen Potsdamschen Königs-Regiments Nr. 6. Die „Langen Kerls“ stammten aus halb Europa; und Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) liess sich seine multinationale Repräsentations- und Versuchstruppe etwas kosten.
Nach dem Tod des „Soldatenkönigs“ wurde die Riesengarde aufgelöst. Im Kriegsheer seines Sohnes, Friedrichs des Grossen (1712-1786), war kein Platz für Paradesoldaten. So stand Hans Jakob Wirz, dem es in der Garnisonsstadt Potsdam „recht wohl“ ergangen war, vor dem Nichts und seine Spuren verloren sich (vgl. U. Helfenstein, Zürcher Taschenbuch 1971).
Seit 1990 exerzieren sie aber wieder – die „Langen Kerls“ vom „Verein Potsdamer Riesengarde“. Uniformen, Ausrüstung und Waffen der über 50 Aktivmitglieder sind detailgetreu nachgebildet, und die Unteroffiziere und Mannschaften haben wie zu Zeiten Friedrich Wilhelms mindestens sechs preussische Fuss (=188 Zentimeter) unter die Messlatte zu bringen.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 6/2001

Meldehunde

Meldehunde Unter dem Stichwort „Nachrichtendienst und Meldewesen“ ist dem „Taschenkalender für schweizerische Wehrmänner“ des Mobilmachungsjahres 1939 zu entnehmen: „Die Übermittlung von Befehlen und Meldungen geschieht durch Läufer, Radfahrer, Reiter, durch Telefon, Telegraf, Funker, durch optische oder akustische Signale, durch Flieger, Brieftauben, Meldehunde. Wichtige Meldungen sind doppelt und auf verschiedenen Übermittlungswegen zu erstatten.“ Die erwähnten Meldehunde waren den Bataillons- und Regimentsstäben der Infanterie zugeteilt. Die Artillerie sollte noch damit ausgestattet werden. So nachzulesen im Bericht „Kriegshundedienst“ von Kpl Robert Guggenbühl („Schweizer Soldat“ Nr. 18 vom 19.5.1938).
Die Fachausbildung erhielten die Hunde und ihre Führer in einem „Kriegshundelager“ im waadtländischen Bex. Je zwei Hundeführer (Unteroffiziere oder Mannschaften) bildeten ein Team und hatten zur Angewöhnung der Tiere am gleichen Ort zu wohnen. Gemäss Kpl Guggenbühl garantierten Meldehunde „die schnellste und zuverlässigste Verbindung“, vor allem in schwierigem Gelände und bei extremen Kampfbedingungen. Und er illustrierte dies mit dem Bericht eines deutschen Weltkriegsteilnehmers von 1914 – 18: „…wenn alles versagte, wenn im Trommelfeuer alle Telefonverbindungen zu den Batterien und Regimentsunterständen, zu Brigade und Division zerschossen waren, wenn das Blinkgerät im Staub-, Gas- und Sprengungsqualm, der sich in Schwaden vor die Sonne legte, nicht brauchbar war, wenn kein Melder mehr zurück und keiner mehr nach vorn kam…“, dann schlug die Stunde des Meldehundes – „die langen schmalen Ohren steif hochgestellt, die Augen blitzend vor Klugheit“.
Die zu überbringende Mitteilung wurde dem Hund in einer Metallkapsel um den Hals geschnallt. Man unterschied zwischen „Meldung nach Orientierung“ und „Meldung nach künstlicher Piste“. Das heisst bis etwa 2 Kilometer liefen die Tiere nach Ortsgedächtnis, wobei sie am Zielpunkt ein Hundeführer erwartete. Bei grösseren Distanzen wurde zwischen dem Abgangs- und dem Bestimmungsort mit einem geheim gehaltenen Riechstoff eine Fährte gelegt.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 7-8/2001

Panzer vor!

Panzer vor! Auf der Fahrt Richtung Hamburg empfiehlt es sich, nach Erreichen der Lüneburger Heide die Autobahn via Ausfahrt Soltau-Ost zu verlassen und über die B71 Munster anzusteuern (10 km). Munster beherbergt nämlich das deutsche Panzermuseum. Das Museum ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Munster und der Panzertruppenschule, der Zentralen Kaderausbildungsstätte der gepanzerten Kampftruppen der Bundeswehr. Hervorgegangen ist die 1983 eröffnete und fortan kontinuierlich erweiterte Ausstellung aus der einstigen standortinternen „Lehrsammlung gepanzerte Kampftruppen“. Munster ist seit 1956 Garnison der Bundeswehr. Der heute rund 19’000 Hektaren umfassende Truppenübungsplatz besteht seit 1893 und wurde von 1945 bis 1993 auch von britischen Verbänden benutzt.
Das Museum verfügt über eine bestgepflegte Sammlung von Fahrzeugen, Waffen und Gerät der Panzertruppe (aktuelles Barettabzeichen vgl. Bild), der Panzerjäger, -aufklärer und -grenadiere sowie der Radschützen. Gezeigt werden alle wesentlichen deutschen Panzerentwicklungen seit 1917 sowie die in der Bundeswehr und Nationaler Volksarmee (DDR) einst verwendeten ausländischen Typen. Weitere Kampffahrzeuge stellen sich zum Vergleich. Einzelne Exponate sind erst Jahrzehnte nach ihrem Einsatz wieder nach Deutschland zurückgelangt. So ein fast ladeneuer PzKpfWg IV des Afrikakorps (ab 1942 Standardfahrzeug der deutschen Panzertruppe), der infolge Panne oder Treibstoffmangel mit nur 482 km auf dem Tachometer den Briten in die Hände gefallen war.
Erwähnenswert ist auch der (tschechisch-)schweizerische Panzerjäger G 13, hier zum deutschen Jagdpanzer 38 (t) „Hetzer“ rücktransformiert.
Weiter erwarten den Besucher umfangreiche Bestände an Munition, Hand- und Faustfeuerwaffen, Uniformen, Orden und Ehrenzeichen sowie eine der bedeutendsten internationalen Stahlhelmsammlungen. Personengeschichte vermitteln Exponate aus dem Besitz der legendären Panzerführer Erwin Rommel (1891 – 1944) und Heinz Guderian (1888 – 1954). Dass auch die Kavallerie als Stammtruppe der Panzerwaffe ein Ausstellungsthema bildet, versteht sich von selbst. Ein reich illustrierter, 382 Seiten starker Katalog (geeignet als Nachschlagewerk) liegt zum Kauf vor.

Vincenz Oertle
Schweizer Soldat 1/2001

Schweizer „Yankees“

Schweizer„Drei Jahre in der Potomac-Armee“ nennen sich die 1885 in Richterswil erschienenen Erinnerungen eines Auslandschweizer Veteranen des amerikanischen Bürgerkrieges. Der Autor, der Zürcher Rudolf Aschmann, hatte sich in die Unionsarmee anwerben lassen und mit ihm einige Tausend seiner Landsleute. Aschmann diente in der Kompanie A des 1. Vereinigten-Staaten-Scharfschützenregiments, die er zuletzt auch führte. Die Kompanie umfasste etwa 100 Mann: Schweizer, Deutsche und einzelne geborene Amerikaner – Idealisten und gestrandete Immigranten, Abenteurer und glücklose Goldgräber. Mit der Aufstellung war Ende Juli 1861 in New York begonnen worden. Initiant und erster Kommandant war Hauptmann Caspar Trepp aus Splügen, einst Offizier der British Swiss Legion (1854 – 56). Er fiel am 30. November 1863 als Oberst und Regimentskommandant am Min Run (-Fluss). An der Spitze des 1. Regiments hatte anfänglich der berühmte spätere Waffenkonstrukteur Oberst Hiram Berdan (Bild) gestanden.
Die Scharfschützen trugen einen jägergrünen Rock, ebensolche bzw. blaue Hosen und einen breitkrempigen Filzhut. Als Bewaffnung diente zunächst das Colt-Revolvergewehr M 1855, das die Schweizer aber als „zu kompliziert“ taxierten. Zu bemängeln gab es auch, dass die Zündung zuweilen gleichzeitig in allen fünf Kammern erfolgte.
Die nachfolgenden Sharps-Gewehre NM 1859 fanden indes ungeteiltes Lob. Aschmann notierte: „Ausserdem dass sie ein schnelles und in jeder Lage bequemes Laden ermöglichten, schossen sie selbst auf sehr weite Distanzen vortrefflich, waren leicht zu reinigen und in Ordnung zu halten und hatten mehr als irgendein Gewehr in der Armee das Aussehen einer eines Scharfschützen würdigen Waffe.“
Anders als es sich die Schweizer erhofft hatten, entwickelte sich der Waffengang gegen die Konföderierten, die „Rebels“, wie die Nordstaatler („Yankees“) ihre Gegner nannten, nicht „à la Sonderbundskrieg“. Im Gegenteil, man hatte „nahezu 40 Schlachten und Gefechte“ zu bestehen und kam „drei Jahre lang unter kein Dach“. Bei der Entlassung 1864 wies die A-Kompanie, auch infolge Desertion gerade noch ein Dutzend Mann auf; und Hauptmann Rudolf Aschmann kehrte als Einbeiniger heim. Der Sezessionskrieg 1861 – 65 forderte etwa 700’000 Tote.

Vincenz Oertle
Schweizer Soldat 2/2001

Rote Schweizer

Rote SchweizerDie folgende Episode spielte sich im Jahre 1716 ab: Das nördlich von Paris gelegene St-Denis beherbergte damals in Privatquartieren einige Hundertschaften des Schweizer Garderegimentes. Eines Tages kam es zum Aufruhr; man verlangte die Verlegung der Truppe. Dazu lesen wir aus Paul de Vallières Werk "Treue und Ehre" (Lausanne 1940): "Die Erregung wuchs; der Bürgermeister und die Schöffen wussten nicht, wie sie ihre Leute beruhigen sollten. Des Zankes müde, überreichten einige der Unzufriedenen dem König eine Bittschrift, worin ein zweijähriger Quartierwechsel der Schweizer Kompanien gefordert wurde." Begründung: "Die Mehrzahl der Schweizer Offiziere und Soldaten pflegen mit den Frauen, Witwen oder Töchtern vielfach vertrauten Umgang, heiraten sie, kaufen Häuser und machen Erbschaften." Und weiter hiess es: Die Schweizer seien "alle gross und wohlgewachsen" und daher wie geschaffen, "den Mädchen ihres Quartiers zu gefalle". Im Spiel war also Eifersucht und am "Aufstand" beteiligt nur die männliche Bevölkerung. Bei den Französinnen galten die Schweizer nämlich als "gute Partien". Am Hof zu Versailles wurde die Petition schliesslich abgewiesen; die Gardisten Ludwigs XV. blieben wo sie waren.
Eine Liebschaft in fremden Diensten zum Inhalt hat auch das alte Soldatenlied "Der rot‘ Schwyzer" aus dem Repertoire von Hanns in der Gand: "Ach, Mueter, liebi Mueter, gib du mir einen Rat. Es lauft mir alli Morge en rote Schwyzer nah." Dem Rat der besorgten Mutter jedoch, den "Roten" ziehen zu lassen, will sich die Tochter partout nicht fügen. Da aber kein einziger "Taler" aufzutreiben ist, um dem Geliebten folgen zu können, lässt in der Gand das Mädchen träumen: "Wär ich ein Knab geboren, wollt ziehen in das Feld, wollt folgen Pfeifen und Trommeln, dem Kaiser um sein Geld." Die zum Lied entstandene Illustration zeigt allerdings eher einen königlich-französischen Gardeoffizier der Restaurationsperiode 1815-1830 und weniger einen "Roten Schweizer" Napoleons, so benannt nach der Traditionsfarbe des Waffenrocks.
"Liedermacher" Hanns in der Gand hatte während der Grenzbesetzung 1914-1918 im Auftrag des "Vortragsbureaus im schweizerischen Armeestab" die im Feld stehenden Truppen besucht. Seine Liedersammlung (Zürich 1915/17) trägt den Titel "Das Schwyzerfähnli – Ernste und heitere Kriegs-, Soldaten- und Volkslieder der Schweizer".

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 5/1999

Napoleon Bonaparte

Napoleon BonaparteDas vorliegende Bild zeigt den Ersten Konsul Napoleon Bonaparte (geb. 15.8.1769) in Malmaison. Wenig später, am 8. Mai 1804, erfolgte seine Proklamation zum Kaiser der Franzosen, und fortan bestimmte Napoleon während eines Jahrzehnts die Geschicke Europas. Nach zehnmonatigem Exil auf Elba betrat er am 1. März 1815 bei Cannes wieder den Kontinent und gelangte im Triumphzug nach Paris, das Ludwig XVIII. fluchtartig verlassen hatte. Schlusspunkt der nun anschliessenden "Cent Jours" bildete die Niederlage von Waterloo.
Am Morgen des 18. Juni 1815 hatten 20 km südlich von Brüssel zwei vom Dauerregen triefende, übernächtigte, aber kampfentschlossene Heere Position bezogen. Insgesamt rund 140’000 Mann mit etwa 450 Geschützen; beide Parteien an Regimentern etwa gleich stark. Den Terrainvorteil Wellingtons englisch-hannoveranisch- niederländisch-braunschweigscher Armee egalisierte Napoleon mit einem Übergewicht an Artillerie. Deren Kanonade eröffnete denn auch die Schlacht, eine halbe Stunde vor Mittag. Die Entscheidung fiel gegen fünf Uhr nachmittags, als 45’000 Preussen, das Gros der zwei Tage zuvor bei Ligny geschlagenen Armee des Generalfeldmarschalls Fürst Blücher von Wahlstatt, auf dem Kampfplatz eintrafen. Und gegen neun Uhr abends ging mit dem Untergang des letzten kaiserlichen Gardekarrees auch eine Epoche zu Ende. Gegen 40’000 Soldaten und 10’000 Pferde, Tote, Sterbende und Verwundete bedeckten das Schlachtfeld.
Belle Alliance oder Waterloo? In einem Bulletin vom 19. Juni aus seinem Hauptquartier in Genappe schrieb Blücher: "Die Schlacht fiel in der Nähe einiger einzelner auf der Strasse von hier nach Brüssel gelegener Häuser, "la belle alliance" genannt vor, und einen besseren Namen dieses wichtigen Tages kann es wohl nicht geben." Feldmarschall Herzog von Wellington andererseits taufte die Schlacht nach dem Standort seines Hauptquartiers und erhielt den Titel "Fürst von Waterloo".
Napoleon dankte nunmehr endgültig ab. Am 3. Juli traf er in Rochefort ein – Ziel: die Vereinigten Staaten von Amerika. Da die Briten aber den Hafen blockierten, blieb dem Ex-Kaiser keine andere Wahl, als sich zu ergeben. Via Plymouth brachte man Napoleon auf die Atlantikinsel St. Helena, wo er am 5. Mai 1821 verstarb. Seine letzte Ruhestätte befindet sich seit 1840 im Invalidendom zu Paris.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat, 10/1997

Der Fallschirm ist kein Regenschirm

Kurzbetrachtung über ein Gerät, das Geschichte schrieb

Leonardo da Vinci war nicht nur Maler und Bildhauer, sondern auch Naturwissenschafter und Ingenieur. Er soll im Jahre 1480 den ersten Fallschirm gezeichnet haben. Die ersten Fallschirmmodelle entwickelte der Franzose Louis Lenormand 1783; den ersten öffentlichen Fallschirmabsprung unternahm ebenfalls der Gallier Gernerin 1797 vom Fesselballon aus, und den ersten Fallschirmabsprung aus dem Flugzeug vollbrachte der Amerikaner Albert Berry 1912. Eine erste Patentschrift (deutscher Herkunft) stammt aus dem Jahre 1908. Der "Erfinder" beschrieb in dieser ein Projekt, das aber unbrauchbar war.
Der frühere Absprung mit dem Fallschirm gehörte zu den kühnsten Taten der Menschheit; ein solcher Springer wurde als Held gefeiert, weil er sich mutig in die Tiefe stürzte. Heute ist das eine "sportliche Disziplin" (Fallschirm springen wurde mit der Einführung der Weltmeisterschaft 1951 zu einem regelrechten Sport), für die das Militär eine rasante Entwicklung einleitete. Schon bald nach der Erfindung der Luftschiffe wurden Fallschirme emporgenommen. Der Schirm hing dabei am äusseren Rand lang herunter und öffnete sich ziemlich schnell.
Schon während des Ersten Weltkrieges fand der Fallschirm eine ausgedehnte praktische Anwendung bei den Beobachtern, die im Fesselballon, der feindlichen Front gegenüber, die Bewegungen des Feindes und die Wirkung der Geschütze beobachteten. Jeder Beobachter war mit einem Fallschirm ausgerüstet, der sich zusammengeschnürt in einem "Päckchen" auf seinem Rücken befand. Wenn dann der Fesselballon durch einen feindlichen Flieger bedroht wurde und die Gefahr bestand, dass er abgeschossen wurde, schwang sich der Beobachter über den Rand des Korbes und stürzte sich in die Tiefe.
Daneben entwickelte sich dann der Absprung aus dem fliegenden Flugzeug. Mit der Zeit ist die Leistung (Sicherheit) der Fallschirme so gesteigert worden, dass das Abspringen aus dem Flugzeug zu einer normalen "Übung" der militärischen Fliegertruppe geworden ist. Man hat dabei sogar ganze bewaffnete Mannschaften (Fallschirmabpringer) mit Maschinengewehren, Munition und sonstigen Ausrüstungen aus beträchtlicher Höhe auf den Erdboden durch Fallschirme heruntergelassen. Und nicht zuletzt: auch die "Fallschirmakrobatik" (das Figurenfliegen) ist eine Attraktion geworden, die vor allem die jüngeren Flugbegeisterten immer mehr in den Bann zieht.
Unter den vielen, sicher interessanten Vorschlägen, die im Laufe der Entwicklung des Fallschirms gemacht wurden, war auch einer darunter, der wie ein Regenschirm aufgespannt bzw. geöffnet werden konnte. Aber diese Fallschirme wurden viel zu schwer und waren deshalb unbrauchbar. Längst ist es also klar, der Fallschirm ist kein Regenschirm!

Schweizer Soldat, 10/1997

Wasser und Essig – eine billige Soldatennahrung

Graf Rumford wurde mit einer nach ihm benannten Suppe berühmt, die er im 18. Jahrhundert im Dienste des Bayerischen Hofes als billige Soldatennahrung erfunden hatte und dann zur Ernährung der Armen propagierte. Er ging davon aus, dass auch ein kräftiger, schwer arbeitender Mann mit einem geringen Mass an fester Nahrung auskomme und ausreichend seinen Hunger stillen könne, wenn die Speisen nur ordentlich zubereitet seien. Die "ordentliche Zubereitung" bestand darin, eine Suppe mit möglichst viel Wasser und Essig zu mischen. In einem Essay lässt sich Rumford über den gewaltigen Nährwert des Wassers aus, den man schon daran erkenne, dass Pflanzen sich allein davon ernähren könnten. Dem Essig schliesslich wurde eine grosse Heilwirkung gegen alle möglichen Krankheiten zugeschrieben.
Kein Wunder also, dass er für derart tiefgreifende Erkenntnisse zum Grafen gemacht wurde – von seiner Suppe war er ein schlichter Benjamin Thompson.
Hier das wahrlich einfache Rezept:
Gerstengraupen mit Erbsen und so vorhanden einigen Kartoffeln kochen und mit reichlich Essig und etwas Salz abschmecken.
Vielleicht findet auch die Schweizer Armee 2001 wieder zurück zu Wasser, Essig, Gerste und Erbsen. Bundesrat Villiger wird es wohl mit Fassung tragen, wenn er – trotz unbestreitbarem Spareffekt – auf den fälligen Grafentitel wird verzichten müssen.

Natürlich, 10/1997