Archiv der Kategorie: Geschichte

Napoleon und die Schweiz

1803 krempelt Napoleon die alte Schweiz um: Er verpasst dem Land eine neue Verfassung und den zweiten grossen Umbau seiner Geschichte.

Sechs Regionen kommen als gleichberechtigte Kantone dazu: Aargau, Graubünden, St. Gallen, Tessin, Thurgau und Waadt. Die neue Verfassung, die Mediationsakte, will den Ausgleich zwischen französisch geprägtem Fortschritt und alteidgenössicher Tradition.

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Basler Stadttore und ihre Geschichte

Das St. Alban-Tor
Debatten um Rüstungsausgaben und Kampfwertsteigerung dürfte es wohl seit den ersten Tagen des organisierten Heereswesens gegeben haben. Auch wenn sich die Mittel im Laufe der Zeit wandelten, so blieben manche Streitpunkte im Wesentlichen unverändert. Ein Beispiel für den Drahtseilakt zwischen Wehrwille und Sparsamkeit bildet die Basler Stadtbefestigung. In einer kleinen Artikelreihe werden die drei noch bestehenden Stadttore Basels vorgestellt.

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1798-1848-1998

Die Schweiz hält Rückschau auf die letzten 200 Jahre
Wer die Vergangenheit nicht kennt, hat Mühe, die Gegenwart richtig zu beurteilen und die Zukunft zu gestalten. Mit dieser politischen Weisheit sieht sich die Schweiz seit Monaten recht drastisch konfrontiert. Mangelnde Kenntnis der Geschichte des Zweiten Weltkrieges bei den heutigen Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Verwaltung haben wesentlich zur Hilflosigkeit beigetragen, mit der die offizielle Schweiz auf die erpresserischen Forderungen international abgestützter parastaatlicher Organisationen, die das Völkerrecht unterlaufen, reagiert hat. Unermesslicher Schaden wurde weltweit angerichtet. Fundierte Kenntnisse der damaligen Ziele, Sachzwänge, Bedrohungspotentiale und Befindlichkeiten des Schweizervolkes im Kampf ums Überleben als demokratisch strukturierte Existenzgemeinschaft hätten es möglich gemacht, die einseitigen Anschuldigungen zu parieren und dem "Mythos der schuldhaften und moralisch schwer angeschlagenen, kriegsgewinnlerischen, egoistischen Schweiz" wirkungsvoll und mutig entgegenzutreten. Die folgenden Ausführungen rufen einige wichtige Etappen auf dem Weg der Schweiz über die letzten 200 Jahre in Erinnerung.

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Zar und Soldat

Zar und SoldatDie wohl 1913 entstandene Aufnahme zeigt den letzten russischen Zaren, Nikolaus 11. (geb. 1868), mit seinem Sohn, Zarjewitsch Alexej (geb, 1904). Die im Juli 1918 in Jekaterinenburg im Ural von den Bolschewisten ermordete kaiserliche Familie wurde im August vergangenen Jahres auf Grund des erlittenen Martyriums von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen. Die sterblichen Überreste der Zarenfamilie befinden sich heute in der Peter-Pauls-Kathedrale (auf der Festung gleichen Namens) zu St. Petersburg.

In den alten monarchistischen Armeen war es Tradition, militärische Persönlichkeiten sowie Adlige beiderlei Geschlechts als Inhaber von Regimentern, Bataillonen oder Kompanien einzusetzen bzw. in deren Ranglisten ehrenhalber -ä la suite- zu führen. So war auch Nikolaus II. Chef mehrerer Truppenteile. Auf der vorliegenden Aufnahme trägt der Zar die Uniform des "Regiments der Chevalier-Garde Ihrer Majestät der Zarin Maria Fjodorowna", in dessen Rangliste er seit Geburt figurierte. Inhaberin des Regiments war die Zarenmutter (1847-1928). Die Chevalier-Garde hatte ihre Wurzeln in der Zeit von Katharina 1. (1684-1727), war aber erst um 1800 zum Grossverband aufgestockt worden. Diesem noblen St. Petersburger Truppenteil hatte einst auch der spätere finnische Marschall Gustav von Marinerheim (1867-1951) als aktiver Offizier angehört.

Grossfürst Alexej Nikolajewitsch sehen wir in der Uniform des "4. Schützen-Regiments der kaiserlichen Familie". Dieses Regiment war 1854 zur Zeit des Krimkrieges formiert worden. Regimentschef war der Zar, und der Thronfolger befand sich "à la suite". Da die erwähnten Ehrentitel ebenso unter den verschwägerten Dynastien vergeben wurden, finden wir den Zaren beispielsweise auch als Chef des nach ihm benannten preussischen "Husaren-Regiments Kaiser Nikolaus 11. von Russland (1 . Westfälisches) Nr. 8".

Zar Nikolaus 11. nahm regen Anteil am Leben seiner Soldaten, und er tat dies zuweilen auf recht unkonventionelle Weise. Wie die Überlieferung berichtet, soll er sich von Unteroffizieren der Gardeinfanterie wiederholt Uniform und Ausrüstung ausgeliehen haben, um damit, zwecks Prüfung der Felddiensttauglichkeit des Materials, Eilmärsche zu absolvieren.

Vincenz Oertle, Maur

Appenzeller Infanterie

Appenzeller InfanterieIm September 1841 befand sich der eidgenössische Generalstabsoberst Franz Niklaus Zelger aus Stans im Appenzellerland auf Truppenschau (so wie im Bild haben wir uns den Inspekteur vorzustellen). Zu beurteilen war in Heiden und in Herisau das Ausserrhoder Bundeskontingent, bestehend aus zwei Bataillonen Infanterie A fünf Kompanien zwei Scharfschützenkompanien und drei Dutzend Trainsoldaten. Die Dienstzeit in der Elite erstreckte sich vom 21. bis zum 29. Altersjahr.

Wie dem "Schweizerischen Militäralmanach" des Jahres 1844 zu entnehmen ist, fiel der Inspektionsbericht nicht in allen Teilen positiv aus. Während die Scharfschützen recht viel Lob ernteten (,,im Appenzellerlande scheut man weder Zeit noch Kosten, um die Scharfschützen auf den möglichsten Grad von Vollkommenheit zu bringen"), notierte Oberst Zelger über die ordinäre Infanterie: ,Es waren bei allen Kompanien solche Leute eingeteilt, die teils wegen zu kleinem Wuchse, teils wegen körperlicher Schwäche die Beschwerden eines Feldzuges nicht zu ertragen vermöchten Mängel zeigten sich aber auch bei der Bewaffnung, bei den Gewehren, Patronentaschen und Säbeln: ,Diese Gegenstände sind von sehr verschiedenen Modellen, nicht gut unterhalten und zum eigentlichen Dienst untauglich. Ferner waren die von den Wehrmännern privat zu beschaffenden Uniformen von unterschiedlicher Qualität Farbe und Façon Und überdies hiess es: "Anzug und Reinlichkeit lassen noch Vieles zu wünschen übrig." Punkto "Instruktion und Disziplin" sah es dann bedeutend besser aus, obwohl die Trompeter des 2. Bataillons nicht im Stande waren, Signale zu blasen. Oberst Zelger rapportierte: .Die Handgriffe und (das) Feuer sowohl, als die Manöver wurden mit Präzision und Schnelligkeit vollzogen; die Jäger zeigten sich Intelligent, und im Dienst der leichten Infanterie gehörig unterrichtet." Dieses Lob gebührte unzweifelhaft einzelnen Kadern, die ihr militärisches Können einst in fremden Diensten erworben hatten, in den Niederlanden, in Frankreich oder in Neapel. Von deren Fachwissen und Schliff profitierten die kantonalen und eidgenössischen Milizen noch lange Jahre. Der Weg zum einheitlich ausgerüsteten und kriegstauglichen Bundesheer war noch weit.

Vincenz Oertle, Esslingen

„Imperialistische Soldateska“

Imperialistische SoldateskaDie vorliegende Zeichnung des Augsburger Künstlers Hans Holbein d. J. (1497-1543) zeigt einen Reisläufer des angebrochenen 16. Jahrhunderts, bewaffnet mit Hellebarde, Schwert und Schwizerdolch. Schweizer Reisläufer standen zu dieser Zeit vornehmlich im Dienst des Kirchenstraates und der französischen Krone. Zum Wehrkleid des Reisläufers gehörten die "zerhauene" Tracht samt Federbarett sowie ein Halbharnisch mit gwschobenem Arm- und Beinzeug. Elemente dieser Bekleidung und Armierung sind heute noch in den Galauniformen der Päpstlichen Schweizergarde zu entdecken.
Unter Reislaufen (mittelhochdeutsch: Reise = Kriegszug) versteht man die fremden Kriegsdienste der Eidgenossen. Soldkonkurrent des Schweizer Reisläufers war der deutsche Landsknecht. Der Begriff "Landsknecht" bezog sich auf den im eigenen Land angeworbenen Krieger und schlug sich später im Kürzel "Landser" nieder. Im Italienischen finden wir den "Ianzichenecco" und die französische Sprache kennt den "Iansquenet". Beides sind Wortschöpfungen der Feldzüge des 16. Jahrhunderts.
Die taktische Grundeinheit der Landsknechte und der Reisläufer war das etwa 300 Mann starke Fähnlein (Kompanie), bestehend aus Langspiessträgern (Spiessern), Spiessgesellen, Spiess- bzw. Spitzbuben), Hellebardieren, Schwertfechtern (Läufern) und Büchsenschützen. Mehrere Fähnlein, verstärkt durch Artillerei und berittene Kundschafter, bildeten einen Haufen (Vorhut, Gewalthaufen, Nachhut). Die Hauptleute, Geschützmeister, Richter usw. wurden bei Feldzugsbeginn in einer "Kriegsgemeinde" gewählt.
Das Leben der Landsknechte und Reisläufer war geprägt von Rauflust, Geld- und Beutegier. Blieb der Sold aus, hielt man sich durch Plünderung schadlos oder erpresste von belagerten Städten Lösegelder. Und so hiess es im (sonst sehr nützlichen) "Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte" der DDR (Berlin 1985), systematisch und daher auf Desinfromation bedacht: "Heute wird der Begriff Landsknecht in übertragenem Sinne oft für imperialistische Soldateska gebraucht." Gemeint waren die Streitkräfte der Nato.

Vincenz Oertle, Esslingen, Schweizer Soldat 11/01

Fliegerass und Titelheld

Fliegerass und TitelheldWährend des Zweiten Weltkrieges dienten weit über tausend Auslandschweizer in den deutschen Streitkräften. In der Regel handelte es sich um Auswanderer der zweiten oder sogar der dritten Generation, oft auch um Doppelbürger. Ältere Soldaten hatten schon dem kaiserlichen Heer angehört (vgl. V. Oertle, Schweizer Freiwillige an deutscher Seite 1939 ?1945, Thesis Verlag, 8847 Egg SZ).

Der prominenteste Auslandschweizer Kriegsteilnehmer, bzw. Deutsche schweizerischer Abstammung, war Hauptmann Franz von Werra, ein Fliegerass der ersten Stunde. Weltweite Publizität verschufen ihm weniger seine 21 Luftsiege als vielmehr seine spektakuläre Flucht aus der Kriegsgefangenschaft.
Werra, geboren am 14. Juli 1914 in Leuk, entstammte einem alten Wallisergeschlecht. Seine verarmten Eltern hatten ihn einst als Kleinkind zur Adoption nach Deutschland gegeben. Seit Kriegsbeginn im Einsatz, wurde Werra am 5. September 1940 während der Luftschlacht um England zur Notlandung gezwungen und gefangen genommen. Nach zwei Fluchtversuchen erfolgte die Verlegung nach Kanada, von wo sich Werra in die damals noch neutralen USA durchschlug. Via Mittel- und Südamerika gelangte er im April 1941 nach Deutschland zurück.

Werra führte zuletzt die 1. Staffel des Jagdgeschwaders 53. Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes war ihm am 14. Dezember 1940 als Oberleutnant und Adjutant Im Jagdgeschwader 3 verliehen, aber erst nachträglich von Hitler persönlich überreicht worden. In den Niederlanden im Küstenschutz im Einsatz, stürzte Franz von Werra am 25. Oktober 1941 infolge Motorschadens mit einer Focke Wulf 190 vor Katwijk ab und versank in der Nordsee. Auf dem Leuker Friedhof erinnert eine Gedenktafel an den berühmten schweizerisch-deutschen Doppelbürger.

Werras Odyssee wurde in den 1950er-Jahren verfilmt. Der Streifen trägt den Titel "Einer kam durch", und Hardy Krüger spielte die Hauptrolle. Mit Franz von Werra verbindet sich aber auch eine ungewöhnliche Familiengeschichte. Sie erschien unlängst im Eichborn-Verlag Frankfurt a. M. (W. Meichtry, Du und ich – ewig eins),

Vincenz Oertle, Esslingen

Gardewaffen

GardewaffenDie in den 1950er Jahren entstandene Aufnahme zeigt einen päpstlichen Hellebardier beim Posten "Arco delle Campane", ausgerüstet mit dern Mauser-Gewehr Mod. 1898. Das kaiserlich-deutsche Mauser-Gewehr, einst die beste Infanteriewaffe, war 1911 von Oberst Jules Repond (Kdt. 1910-1921) in 200 Exemplaren eingeführt worden; davon gingen 80 Stück an die päpstliche Gendarmerie. 1957 wurden die mittlerweile antiquierten "Mauser" durch 100 Schweizer Karabiner 1931 ersetzt. Es handelte sich dabei um ein Geschenk des Bundesrates zum 450-Jahr-Jubiläum der Gardegründung (1506?1956).

Seit 1971 versieht die Schweizergarde den Wachdienst ohne Handfeuerwaffen; das heisst, sie hält diese diskret in Reserve. Aktuelle Mannschaftswaffe ist das Schweizer Sturmgewehr 1990; wiederum ein Geschenk des Bundesrates, diesmal aus Anlass des Jubiläums 700 Jahre Eidgenossenschaft (1291?1991). Verwendung fanden in der Garde aber auch der SIG-Maschinenkarabiner MKPS (eingeführt 1944) und die HispanoSuiza-Maschinenpistole 1943/44 (eingeführt 1981/85).

Vorgänger des "Mauser" war ein Remington-Gewehr mit Jatagan. Dieses, speziell für die Streitkräfte Plus IX. produziert, war 1868 (= Modell) bei der päpstlichen Infanterie eingeführt worden. Als Donatoren der rund 13’600 Gewehre belgischer und britischer Fertigung zeichneten katholische Komitees in Belgien, Frankreich und Deutschland. Das Risorgimento befand sich gerade auf Siegeskurs; und so hatte sich in dieser für den Kirchenstaat bedrohlichen Zeit auch Gardeoberst Alfred von Sonnenberg (Kdt. 1860-1878) um Zuteilung von Romington-Gewehren bemüht. Wie Gardekaplan Paul M. Krieg (Die Schweizergardte in Rom, Luzern 1960) berichtet, soll das päpstliche Kriegsministerium das Gesuch aber "sabotiert" haben, so dass die Schweizer erst 1881 in den Besitz der gewünschten Waffen kamen. Beide Gardegewehre, das "Mauser" und das "Remington", wurden später verschrottet. Übrig blieben lediglich kleine museale Restbestände.

Mehr über die Gardebewaffnung erfahren Sie aus meinem neuen Buch "Vom Remington zum Sturmgewehr 90", erschienen im Thesis Verlag, 8847 Egg SZ.

Vincenz Oertle, Esslingen

Kampf um Narvik

Kampf um NarvikIn Artikel 3 der „Verordnung über die Stiftung des Narvikschildes" vom 19. August 1940 hiess es: „Der Narvikschild wird verliehen an alle Wehrmachtangehörigen, die an der Landung in Narvik oder an den Kämpfen der Gruppe Narvik ehrenvoll beteiligt waren.“ Und die Durchführungsbestimmungen ergänzten: „Teilnehmer an den Kämpfen der Gruppe Narvik ist auch, wer in den Kampf der Gruppe Narvik in der Luft, zur See oder zu Lande unterstützend eingegriffen hat.“ Den Erinnerungsschild erhielten also nebst den massgeblichst beteiligten Gebirgsjägern auch Angehörige der Kriegs- und der Handelsmarine sowie der Luftwaffe. Der auch posthum zuerkannte Schild kam rund 8500-mal zur Verleihung. Er wurde am linken Oberarm getragen, in silber (Heer und Luftwaffe) sowie in goldfarbener Ausführung (Marine). Die Abbildung zeigt den Narvikschild in der Nachkriegsform gemäss „Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen“ vom 26. Juli 1957, also ohne Hoheitszeichen des Dritten Reiches.

Die kühne, am 9. April 1940 angelaufene Operation "Weserübung" war einem britisch-französischen Handstreich um blosse Nasenlänge zuvorgekommen. Dieser hatte, ebenfalls unter Missachtung der Neutralität Norwegens, die Blockade der für Deutschland unentbehrlichen schwedischen Eisenerzlieferungen zum Ziel gehabt. Anders als in Dänemark waren die deutschen Invasoren in Norwegen da und dort auf heftige Gegenwehr gestossen. Bei Narvik hatten Zerstörer Teile der ostmärkischen (österreichischen) 3. Gebirgsdivision an Land gesetzt. Die schweren Waffen, die Fahrzeuge und die Tragtiere waren aber infolge Feindeinwirkung verloren gegangen, sodass die Gebirgsjäger des bayerischen Generalleutnants Eduard Dietl (Generaloberst, 1890-1944), unterstützt durch Matrosen und Fallschirmjäger, am nördlichen Polarkreis in eine äusserst prekäre Lage gerieten.
Am Montag, den 10. Juni 1940, vier Tage vor dem Fall von Paris, gab das Oberkommando der Wehrmacht per Sondermeldung das Ende der zweimonatigen Kämpfe um Narvik bekannt, Unter dern Eindruck der deutschen Blitzerfolge im Westen hatten die Alliierten die Reste ihres Expeditionskorps, mit dabei polnische Schützen und französische Fremdenlegionäre der 13, Demi?Brigade, aus Norwegen abgezogen.

Vincenz Oertle, Esslingen
Schweizer Soldat

Regimenti Esteri

Regimenti EsteriDie letzten kapitulierten, das heisst mittels bilateraler Militärverträge (1825-1828) aufgestellten eidgenössischen Fremdtruppen dienten bekanntlich im Königreich beider Sizilien (Neapel). Sie wurden 1859 entlassen. Zur gleichen Zeit stand Schweizer Infanterie aber auch im Dienst des Mittelitalien umfassenden Kirchenstaates. Papst Gregor XVI. (Pontifikat 1831-1846) hatte 1832 zwei in Frankreich altgediente Schweizer Offiziere mit der Anwerbung je eines Regiments beauftragt. Es handelte sich um Generalleutnant Graf Franz Simon von Salis-Zizers (1777-1845) und den Walliser Brigadegeneral Eugène de Courten (1771-1839) Da es sich um keine eigentlichen Schweizertruppen handelte, waren die Verträge ohne die sonst übliche Ratifizierung durch die Tagsatzung in Kraft getreten

In den beiden Regimenti Esteri sammelte sich ein buntes Völkergemisch: Badener, Bayern, Belgier, Franzosen und Oesterreicher, ja sogar Freiwillige aus Uebersee und längst nicht alles Katholiken. Den Hauptharst stellten aber die Schweizer. Die Regimenter umfassten je etwa 2200 Mann Fusstruppen sowie eine Batterie Artillerie und bildeten zusammen eine Brigade. Als zuverlässige Kerntruppen wurden die Regimenti Esteri von Brennpunkt zu Brennpunkt beordert. Sie kamen nicht nur gegen die Armeen des Risorgimento (italienische Einigungsbewegung) zum Einsatz. Auch Volksaufstände waren niederzuschlagen, abgefallene Provinzen zurückzuerobern und Räuberbanden auszuräuchern, die eine wahre Landplage darstellten.

Nach der Proklamation der Römischen Republik 1848 wurden die beiden Regimenter aufgelöst. Zwei Jahre später liess der aus dem Exil in Gaeta zurückgekehrte Pius IX. (Pontifikat 1846-1878) abermals Fremdtruppen anwerben. Diese wiesen erneut eine hohe Schweizerpräsenz auf und bestanden, wiederholt umgruppiert, bis zum Zusammenbruch des alten Kirchenstaates 1870. Als ranghohe Schweizer Offiziere der päpstlichen Streitkräfte sind zu nennen: General Kaspar Theodosius de Latour (1782-1855) aus Brigels GR, Oberbefehlshaber in der Romagna, sowie der Walliser General Theodosius von Kalbermatten ( 1788-1866), Kriegsminister.

Die Abbildung zeigt zwei Jägeroffiziere und einen Unterleutnant der Zuaven um 1865. In der Uniformierung ist der französische Einfluss unverkennbar.

Vincenz Oertle, Esslingen