Berner Raketenbatterie 29 um 1857

Berner Raketenbatterie 29 um 1857

Zunächst nutzen in Europa die Briten zur Zeit der Napoleonischen Kriege die Raketenartillerie. Nach dem ersten Auftritt wurde diese neuartige Waffe aber rasch auch in andere europäischen Staaten populär, obwohl sie an mangelnder Treffsicherheit krankte. Das war aber damals nicht so schlimm, denn auch die konventionellen Artilleriegeschütze waren nicht eben Präzisionswaffen, schossen jedoch viel langsamer und waren im Gelände schwerfälliger. Nach langjährigen Versuchen entschloss sich der junge Bundesstaat mit der Militärorganisation vom Mai 1850 zur Aufstellung von Raketenbatterien in der Schweizer Armee. Bern stellte dabei die Auszugs-Raketenbatterie 29 und die Reservebatterie 57.
Unser Bild zeigt eine Gruppe Artilleristen der Berner Raketenbatterie 29 beim Übungsschiessen auf dem Waffenplatz Thun. Zum Schutz gegen den Funkenflug trugen die „Raketeure“ graue Überröcke aus Zwilch, so konnten die prachtvollen Uniformfräcke, wie ihn der Gefreite rechts neben der Dreibeinlafette trägt, geschont werden. Die drei Raketeure mit den langen Überröcken tragen den hohen Tschako der Ordonnanz 1852 mit dem geflammten roten Pompon der Artillerie und der entsprechenden Garnitur darunter. Am weissen Gurt hängt das Faschinenmesser Modell 1852. Unter den dunkelblauen Hosen mit rotem Vorstoss entlang der Seitennaht tragen die Männer Tuchgamaschen.
Rechts im Vordergrund lauscht ein Parkartillerist den Ausführungen eines Raketeurs. Da er Bewachungsaufgaben wahrnimmt, ist er mit dem speziellen Gewehr für Parkartilleristen bewaffnet. Die Munitionstasche dazu hängt am Bandolier über der Schulter, an ihr iat auch ein Bajonettfrosch befestigt. Die Seitenwaffe ist ebenfalls das Faschinenmesser. Seine Uniform entspricht, wie jene der ganzen Grupppe, der Ordonnanz 1852. Als Artillerist trägt er die gefransten Schulterstücke (Epauletten) in der Waffenfarbe rot.
Die stets an mangelnder Präzision schwächelnde Raketenartillerie wurde schliesslich per 19. Juli 1867 wieder abgeschafft. Heute gibt es wieder Raketen als Kriegswaffen. Sie kosten zuweilen pro Stück mehr als die gesamte Schweizer Raketenartillerie zusammengenommen, und wie man hören muss, treffen auch sie nicht immer, was sie sollten, und richten dabei ein Vielfaches an Zerstörung an.

Roger Rebmann, Basel