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Napoleon Bonaparte

Napoleon BonaparteDas vorliegende Bild zeigt den Ersten Konsul Napoleon Bonaparte (geb. 15.8.1769) in Malmaison. Wenig später, am 8. Mai 1804, erfolgte seine Proklamation zum Kaiser der Franzosen, und fortan bestimmte Napoleon während eines Jahrzehnts die Geschicke Europas. Nach zehnmonatigem Exil auf Elba betrat er am 1. März 1815 bei Cannes wieder den Kontinent und gelangte im Triumphzug nach Paris, das Ludwig XVIII. fluchtartig verlassen hatte. Schlusspunkt der nun anschliessenden "Cent Jours" bildete die Niederlage von Waterloo.
Am Morgen des 18. Juni 1815 hatten 20 km südlich von Brüssel zwei vom Dauerregen triefende, übernächtigte, aber kampfentschlossene Heere Position bezogen. Insgesamt rund 140’000 Mann mit etwa 450 Geschützen; beide Parteien an Regimentern etwa gleich stark. Den Terrainvorteil Wellingtons englisch-hannoveranisch- niederländisch-braunschweigscher Armee egalisierte Napoleon mit einem Übergewicht an Artillerie. Deren Kanonade eröffnete denn auch die Schlacht, eine halbe Stunde vor Mittag. Die Entscheidung fiel gegen fünf Uhr nachmittags, als 45’000 Preussen, das Gros der zwei Tage zuvor bei Ligny geschlagenen Armee des Generalfeldmarschalls Fürst Blücher von Wahlstatt, auf dem Kampfplatz eintrafen. Und gegen neun Uhr abends ging mit dem Untergang des letzten kaiserlichen Gardekarrees auch eine Epoche zu Ende. Gegen 40’000 Soldaten und 10’000 Pferde, Tote, Sterbende und Verwundete bedeckten das Schlachtfeld.
Belle Alliance oder Waterloo? In einem Bulletin vom 19. Juni aus seinem Hauptquartier in Genappe schrieb Blücher: "Die Schlacht fiel in der Nähe einiger einzelner auf der Strasse von hier nach Brüssel gelegener Häuser, "la belle alliance" genannt vor, und einen besseren Namen dieses wichtigen Tages kann es wohl nicht geben." Feldmarschall Herzog von Wellington andererseits taufte die Schlacht nach dem Standort seines Hauptquartiers und erhielt den Titel "Fürst von Waterloo".
Napoleon dankte nunmehr endgültig ab. Am 3. Juli traf er in Rochefort ein – Ziel: die Vereinigten Staaten von Amerika. Da die Briten aber den Hafen blockierten, blieb dem Ex-Kaiser keine andere Wahl, als sich zu ergeben. Via Plymouth brachte man Napoleon auf die Atlantikinsel St. Helena, wo er am 5. Mai 1821 verstarb. Seine letzte Ruhestätte befindet sich seit 1840 im Invalidendom zu Paris.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat, 10/1997

Der Fallschirm ist kein Regenschirm

Kurzbetrachtung über ein Gerät, das Geschichte schrieb

Leonardo da Vinci war nicht nur Maler und Bildhauer, sondern auch Naturwissenschafter und Ingenieur. Er soll im Jahre 1480 den ersten Fallschirm gezeichnet haben. Die ersten Fallschirmmodelle entwickelte der Franzose Louis Lenormand 1783; den ersten öffentlichen Fallschirmabsprung unternahm ebenfalls der Gallier Gernerin 1797 vom Fesselballon aus, und den ersten Fallschirmabsprung aus dem Flugzeug vollbrachte der Amerikaner Albert Berry 1912. Eine erste Patentschrift (deutscher Herkunft) stammt aus dem Jahre 1908. Der "Erfinder" beschrieb in dieser ein Projekt, das aber unbrauchbar war.
Der frühere Absprung mit dem Fallschirm gehörte zu den kühnsten Taten der Menschheit; ein solcher Springer wurde als Held gefeiert, weil er sich mutig in die Tiefe stürzte. Heute ist das eine "sportliche Disziplin" (Fallschirm springen wurde mit der Einführung der Weltmeisterschaft 1951 zu einem regelrechten Sport), für die das Militär eine rasante Entwicklung einleitete. Schon bald nach der Erfindung der Luftschiffe wurden Fallschirme emporgenommen. Der Schirm hing dabei am äusseren Rand lang herunter und öffnete sich ziemlich schnell.
Schon während des Ersten Weltkrieges fand der Fallschirm eine ausgedehnte praktische Anwendung bei den Beobachtern, die im Fesselballon, der feindlichen Front gegenüber, die Bewegungen des Feindes und die Wirkung der Geschütze beobachteten. Jeder Beobachter war mit einem Fallschirm ausgerüstet, der sich zusammengeschnürt in einem "Päckchen" auf seinem Rücken befand. Wenn dann der Fesselballon durch einen feindlichen Flieger bedroht wurde und die Gefahr bestand, dass er abgeschossen wurde, schwang sich der Beobachter über den Rand des Korbes und stürzte sich in die Tiefe.
Daneben entwickelte sich dann der Absprung aus dem fliegenden Flugzeug. Mit der Zeit ist die Leistung (Sicherheit) der Fallschirme so gesteigert worden, dass das Abspringen aus dem Flugzeug zu einer normalen "Übung" der militärischen Fliegertruppe geworden ist. Man hat dabei sogar ganze bewaffnete Mannschaften (Fallschirmabpringer) mit Maschinengewehren, Munition und sonstigen Ausrüstungen aus beträchtlicher Höhe auf den Erdboden durch Fallschirme heruntergelassen. Und nicht zuletzt: auch die "Fallschirmakrobatik" (das Figurenfliegen) ist eine Attraktion geworden, die vor allem die jüngeren Flugbegeisterten immer mehr in den Bann zieht.
Unter den vielen, sicher interessanten Vorschlägen, die im Laufe der Entwicklung des Fallschirms gemacht wurden, war auch einer darunter, der wie ein Regenschirm aufgespannt bzw. geöffnet werden konnte. Aber diese Fallschirme wurden viel zu schwer und waren deshalb unbrauchbar. Längst ist es also klar, der Fallschirm ist kein Regenschirm!

Schweizer Soldat, 10/1997

Wasser und Essig – eine billige Soldatennahrung

Graf Rumford wurde mit einer nach ihm benannten Suppe berühmt, die er im 18. Jahrhundert im Dienste des Bayerischen Hofes als billige Soldatennahrung erfunden hatte und dann zur Ernährung der Armen propagierte. Er ging davon aus, dass auch ein kräftiger, schwer arbeitender Mann mit einem geringen Mass an fester Nahrung auskomme und ausreichend seinen Hunger stillen könne, wenn die Speisen nur ordentlich zubereitet seien. Die "ordentliche Zubereitung" bestand darin, eine Suppe mit möglichst viel Wasser und Essig zu mischen. In einem Essay lässt sich Rumford über den gewaltigen Nährwert des Wassers aus, den man schon daran erkenne, dass Pflanzen sich allein davon ernähren könnten. Dem Essig schliesslich wurde eine grosse Heilwirkung gegen alle möglichen Krankheiten zugeschrieben.
Kein Wunder also, dass er für derart tiefgreifende Erkenntnisse zum Grafen gemacht wurde – von seiner Suppe war er ein schlichter Benjamin Thompson.
Hier das wahrlich einfache Rezept:
Gerstengraupen mit Erbsen und so vorhanden einigen Kartoffeln kochen und mit reichlich Essig und etwas Salz abschmecken.
Vielleicht findet auch die Schweizer Armee 2001 wieder zurück zu Wasser, Essig, Gerste und Erbsen. Bundesrat Villiger wird es wohl mit Fassung tragen, wenn er – trotz unbestreitbarem Spareffekt – auf den fälligen Grafentitel wird verzichten müssen.

Natürlich, 10/1997

Die Siegesparade

SiegesparadeIn Stalins Tagesbefehl vom 22. Juni 1945 hiess es: „In Würdigung des Sieges über Deutschland im Grossen Vaterländischen Krieg befehle ich, dass am 24. Juni 1945 in Moskau auf dem Roten Platz eine Parade der Truppen der Feldarmee, der Seekriegsflotte und der Moskauer Garnison als Parade des Sieges abzuhalten ist…“
An der Heerschau nahmen von der Feldarmee, einschliesslich der Luftstreitkräfte und stellvertretend für die „Fronten“ (=Heeresgruppen), zehn ad hoc gebildete Regimenter teil. Die Truppenkörper, angeführt von der Generalität, setzten sich aus handverlesenen Mannschaften und Kadern zusammen, mit dabei zahlreiche höchstdekorierte „Helden der Sowjetunion“. Kommandiert wurde die Parade von Marschall Konstantin K. Rokossowski (1896 – 1968), Abnehmender war Marschall Georgij K. Schukow (1896 – 1974), auch er zu Pferd. Der Diktator zeigt sich auf der Estrade des Lenin-Mausoleums, umgeben von ranghohen Parteikadern und Militärs.
Das in höchster Präzision zelebrierte militärische Schauspiel begann um exakt 10 Uhr mit dem Stundenschlag vom Spasski-Tor-Turm des Kreml. Der Himmel war verhangen, und Schukow schrieb in seinen „Erinnerungen und Gedanken“ (Berlin DDR 1987): „Als ich die Truppen abritt, sah ich den Regen in Strömen von den Mützenschirmen rinnen, doch in der allgemeinen Hochstimmung kümmerte sich niemand darum.“ Nach dem Vorbeimarsch wurden erbeutete deutsche Feldzeichen (Bild) am Fuss des Mausoleums niedergeworfen. Formationen der Moskauer Garnision beendeten die zweistündige Parade.
Auch den nur bedingt sowjetfreundlichen polnischen Waffengefährten (vgl. Gosztony, Stalins fremde Heere, Bonn 1991) hatte man mit einer Fahnen- und Generalsdelegation an der Siegesparade teilnehmen lassen. Dies wohl auch zur Verschleierung des Mordes an über 20’000 national-polnischen Offizieren und anderen führenden Persönlichkeiten. Diese waren 1939, bei der Annektion Ostpolens durch die Rote Armee, in die UdSSR verschleppt und im folgenden Frühjahr vom NKWD erschossen worden, so auch bei Katyn, westlich von Smolensk. Zu diesen, den Deutschen untergeschobenen Verbrechen bekannte sich die russische Regierung erst Anfang der 90er-Jahre. Der Fall „Katyn“ stellt ein typisches Beispiel sowjetischer Desinformation dar und wurde auch im Westen eifrig nachgebetet.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 10/2000

Kürassiere

KürassiereIhrer Beweglichkeit, Schnelligkeit und Stosskraft wegen spielte die Reiterei im Zusammenspiel der Waffengattungen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine nicht zu übersehende Rolle. Die Kavallerie konnte in kurzer Zeit grosse Distanzen bewältigen, in der Tiefe aufklären, überraschend in den Kampf eingreifen, den Gegner verfolgen und auch abgesessen kämpfen. Man unterschied zwischen schwerer und leichter Kavallerie – die schwere (z. B. Kürassiere) war die Schlachtenreiterei, die leichte (z. B. Husaren) diente der Aufklärung oder Sicherung. Die Dragoner und die Ulanen wurden der einen wie der anderen Gattung zugeordnet.
Die Kürassiere waren gepanzerte Reiter und hatten ihren Ursprung bei den Rittern des Spätmittelalters. Zu Gunsten der Beweglichkeit beschränkte sich deren Armierung aber auf den Kürass (französisch: cuirasse = Panzer, Harnisch, ursprünglich Lederpanzer, cuir = Leder). Als Bewaffnung dienten Pallasch (schwere Hieb- und Stichwaffe mit breiter, gerader Klinge), Pistole, Karabiner und zuweilen auch die Lanze. Die Kürassiere attackierten in geschlossener Formation, und noch zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 vermochte die Infanterie der Wucht eines Kürassierangriffs kaum standzuhalten.
Mit der Ausweitung des Feuergefechts verlor die Reiterei aber zusehends an Bedeutung und büsste ihre Rolle als Hauptwaffengattung während des Ersten Weltkrieges noch ganz ein. Auch ausrüstungsmässige Anpassungen an den modernen Krieg hatten diese Entwicklung nicht aufzuhalten vermocht. So hiess es 1882 in Julius Castners „Militär-Lexikon“ (Leipzig): „Den heutigen Feuerwaffen gegenüber erscheint der Kürass nicht mehr zeitgemäss, da er Mann und Pferd erheblich belastet und die Verwendung der Kürassiere zum Sicherungs- und Aufklärungsdienst ausschliesst. In Bayern haben die Kürassiere den Kürass bereits abgelegt, und ist das Gleiche in Preussen wohl nur noch eine Frage der Zeit.“
Die Abbildung zeigt eine Szene aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Ein Füsilier des königlich-französischen Bernerregiments von Jenner pariert die Attacke eines preussischen Kürassiers.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 5/2001

Der Dolch Ord. 1943

Der Dolch Ord. 1943Die humoristische Militärpostkarte zeigt den Offiziersdolch Ord. 1943 und der Grafiker „Naef“ lässt seinen Wehrmann dazu sagen: „Das wäre mein Traum!“. Die Einführung dieser Blankwaffe ist im Bundesarchiv Bern durch ein reichhaltiges Dossier (E 5795, Bd. 507) dokumentiert. Daraus lässt sich folgendes resümieren: Bereits 1925 hatte das Landesmuseum in Zürich „auf der Basis Schweizerdolch/Schweizerdegen“ ein Modell angefertigt. Aktuell wurde die Frage der Einführung einer kurzen Griffwaffe für Offiziere und Höhere Unteroffiziere aber erst zu Beginn des Aktivdienstes 1939 bis 1945, als die Säbel bzw. die Degen ihren Kampfwert endgültig eingebüsst hatten.
Ab Frühjahr 1941 kamen verschiedene Versuchstypen zur Evaluation. Als Testpersonen dienten Offiziere aller Waffengattungen, einschliesslich General Guisan. Zu beurteilen waren die Tragweise, die verwendeten Materialien, die Schlagbänder, die Eignung im Dienst, im Ausgang, beim Reiten oder Reisen usw. Sogar die Nahkampftauglichkeit (!) galt es zu prüfen. Zwar resultierte aus der Vernehmlassung ein klares Votum für die Einführung eines Dolches, doch meldeten sich auch kritische Stimmen. Hptm Fritz Wille, Kavallerist und Instruktionsoffizier der Leichten Truppen (später Korpskommandant), beklagte: „Man nimmt den Offizieren den Säbel mit seiner wertvollen Tradition weg…“ Und der Chef der 6. Division, der spätere Oberstkorpskommandat Herbert Constam, schrieb dem Oberbefehlshaber am 21. Januar 1943: "Ein Ersatz der symbolischen Waffe durch einen Dolch kann nach meinem Denken nicht in Frage kommen. Der Dolch ist Theaterrequisit und erinnert zu sehr an Schillers ‚Die Räuber‘. Ausserdem gehört eine kriegerische Gestalt dazu, eine Rüstung oder zum mindesten ein schwarzes oder braunes Hemd.“ Gemeint waren die nationalsozialistischen Organisationen SS, SA und NSKK, die dem Schweizerdolch des 16. Jahrhunderts sehr ähnliche Griffwaffen trugen. Diesen Bezug galt es denn auch tunlichst zu vermeiden und einen „modernisierten Schweizerdolch“ zu schaffen.
Am 1. Januar 1944 war es soweit. Die Langwaffen verschwanden im Zeughaus und allfälligem Fehlverhalten vorbeugend hiess es im Befehl Nr. 264 des Armeekommandos vom 25. Februar: „Zur Ehrenbezeugung wird der Dolch nicht gezogen.“

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 12/1999

Herrgottsgrenadiere

HerrgottsgrenadiereDie wohl Mitte der 40er-Jahre entstandene Aufnahme zeigt einen Wachtmeister der Lötschentaler Herrgottsgrenadiere mit Prior Johann Siegen in Kippel (im Hintergrund Mannschaften). Die Herrgottsgrenadiere tradieren die Walliser Fremddienste, im Speziellen das 3. Schweizerregiment im Königreich beider Sizilien. Das Regiment war 1827/28 aus je einem Bataillon Walliser sowie Schwyzer und Bündner formiert worden und bestand bis zum Ende der kapitulierten Fremddienste im Jahre 1859. Kirchliche Soldatenaufzüge haben im „Reisläufer-Kanton“ Wallis Tradition; sie erinnern an die glanzvollen bourbonischen Militärparaden in Neapel und in Frankreich. Die Walliser stellen auch in der Päpstlichen Schweizergarde seit jeher ein Hauptkontingent. Die Herrgottsgrenadiere treten an Fronleichnam, am nachfolgenden „Segensonntag“ sowie am Kirchweihfest in Feriden, Kippel, Wiler und Blatten auf.
Die vier Grenadierkorps besitzen je etwa Zugstärke und stehen unter dem Kommando eines „Wachtmeisters“, der allerdings eine Offiziersmontur trägt; ähnlich gekleidet ist auch der Fähnrich. Die Uniform der Herrgottsgrenadiere besteht aus weissen Hosen und einem roten Waffenrock mit weissen Epauletten für die Mannschaften bzw. goldfarbenen für die Wachtmeister und Fähnriche. Sie entspricht weitgehend der letztgültigen Sommer-Gala der neapolitanischen Linieninfanterie Ferdinands II. (Regent 1830-1859). Am gekreuzten Bandelier werden Patronentaschen und „Briquet“ getragen.
Bei den Uniformen und Ausrüstungsgegenständen handelte es sich ursprünglich um Originalstücke, die durch Dienstentlassene in die Heimat gelangt waren. Später kamen Neuanfertigungen hinzu, oder man behalf sich mit ähnlich aussehenden Effekten. So sind die Mannschaften heute neben den im Stil der 1830er Jahre gefertigten Fellmützen auch mit Tschakos eidgenössischer Ordonnanz 1898 ausgerüstet. Letztere sind jedoch anstelle der Pompons mit weiss-roten Plumets versehen. Es ist anzunehmen, dass ehedem neapolitanische Grenadier-, Füsilier- und Jägertschakos im Gebrauch waren. Ein Sammelsurium bildeten früher auch die Schusswaffen, wobei die Palette vom „Steinschloss“ über das „Vetterli“ bis zum „Langgewehr“ reichte. Ein einheitliches Bild ergab sich erst mit der Übernahme der Schweizer Karabiner 11 und 31.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat

Vom Gruss des Soldaten

Vom Gruss des SoldatenDie Abbildung zeigt einen Grenadier des französischen Schweizer Garderegiments um 1780 mit „gestrecktem Gewehr“. Das „Strecken“ der Waffe (auch der Stangenwaffe, zum Beispiel des Spontons) war eine Grussform, die hohen Persönlichkeiten wie dem Monarchen oder der Generalität entboten wurde. Im Gegensatz zu anderen bis in die Gegenwart praktizierten Ehrenbezeugungen, dem Salutieren mit der Hand, dem „Haltung annehmen“, der Blickwendung, dem Präsentieren des Gewehres oder dem Senken der Blankwaffe beziehungsweise des Feldzeichens, verlor sich das „Strecken“ infolge veränderter Bewaffnung schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Wie folgende Beispiele zeigen, verbirgt sich hinter den militärischen und zivilen Grussformen eine Menge Symbolik. So wurde mit dem Reichen der Hand ursprünglich angezeigt, dass keine Absicht bestand, eine Waffe zu ziehen. Ebenso friedliche Gesinnung demonstrierte man mit dem Senken des gezogenen Degens beziehungsweise des Säbels.
Das Präsentieren des Gewehrs wiederum geht auf das Vorzeigen zur Kontrolle des Ladezustandes zurück. Oder das „Lüften“ der Kopfbedeckung hatte seinen Ursprung im Abnehmen des Helms, womit sich einst der im Turnier unterlegene Ritter als geschlagen zu erkennen gab. Da sich die letztgenannte Ehrenbezeugung mit der Einführung unförmiger Grenadiermützen und Tschakos als zu umständlich erwies, wurde das Abnehmen der Kopfbedeckung schliesslich nur noch durch Anlegen der linken oder rechten Hand angedeutet.
Die militärische Ehrenbezeugungen waren, wie eingangs erwähnt, nach Stand und Rang der zu grüssenden Person exakt reglementiert. So entnehmen wir einem 1855 erstellten Soldbuch des Schweizerregiments von Sury Nr. 2 im Dienste des Königreichs beider Sizilien über den Gruss mit dem Gewehr: „Vor jedem Offizier bis und mit Hauptmann, ohne zu schultern vorbeimarschieren. Vor jedem Oberoffizier und General schultern und vorbeimarschieren. Vor jeder Königlichen Person schultern, Halt und Front, vor dem Hochwürden fallt aufs Knie.“ Die höchste Ehrerbietung kam im katholischen Neapel also dem Allerheiligsten Sakrament zu, der in den Leib Christi transubstantiierten Hostie, welche die Geistlichkeit bei kirchlichen Zeremonien in einer Monstranz mittrug.

Vincenz Oertle, Maur
Schweizer Soldat 9/1999

500 Jahre Schlacht bei Hard

Hard dürfte erstmals durch die am 20. Februar 1499 im so genannten Schwabenkrieg, dem Reichskrieg Maximilians des I. gegen die Eidgenossenschaft, geschlagene Schlacht über die Grenzen des Landes hinaus bekannt geworden sein.
An jenem kalten und nebligen Wintertag tobte in den Gefilden südwestlich des Ortes der Kampf zwischen der vom Kaiser aufgebotenen 10’000 Mann starken Streitmacht des schwäbischen Bundes und den in beträchtlicher Minderzahl angreifenden Eidgenossen.

Schweizer Angriffsweise
Das Schlachtfeld war in der "Kiese", im unteren "Reutele" und in "Böschen". Hier hatte das kaiserliche Heer seine Söldnertruppen zusammengezogen und Vorhuten nach Höchst und Lustenau gelegt. Auf diese stiess nun am Morgen des 20. Februar die Vorausabteilung des rechts des Rheintals abwärts marschierenden Schweizerheeres und warf sie auf Hard zurück.
Die Schwaben, davon überrascht, hatten sich eiligst am damals weiter südlich befindlichen Unterlauf der Lauterach in Schlachtordnung aufgestellt und ihre Geschütze in Stellung gebracht. Allein ihre Führung liess sich durch ungeschickte und zögerliche Taktik vom Gegner, dessen Hauptmacht gegen Mittag auf dem Schlachtfeld eingetroffen war, das Gesetz des Handelns aufzwingen. Die Schweizer brachen mit einem schlagartigen Sturmangriff in die vorderen Reihen der Schwaben ein, liessen die Geschütze ab, indem sie sich jedesmal beim Abfeuern niederwarfen und dann wieder weiter stürmten, und schlugen die ersten Schlachtreihen in heillose Flucht, wodurch das ganze übrige Heer in Verwirrung geriet.

Grosse Verluste der Schwaben
Versuche der schwäbischen Hauptleute, einen geordneten Rückzug zu organisieren, misslangen. Fussvolk und Reiter suchten in wilder Flucht den gefürchteten Streitäxten der Schweizer zu entkommen, wobei Hunderte im Sumpf eines breiten und tiefen Grabens stecken blieben und niedergestampft wurden. Drei mit Fliehenden überladene Schiffe gingen unter, etliche hundert Schwaben versteckten sich am "Rohr", wo viele in der folgenden Nacht erfroren. Tausende rannten flüchtend gegen Bregenz, bis vor dessen Mauern sie verfolgt wurden.
Die Sieger aber lagerten noch drei Tage auf dem Schlachtfeld und im Dorf, ehe sie es Beute beladen verliessen und brandschatzend weiter nach Dornbirn und den Bregenzerwald zogen.
Die vielen gefallenen und ertrunkenen schwäbischen Soldaten wurden in einem Massengrab bei der Harder Kapelle begraben. Kaiser Karl V. befahl 1521, diesen Kriegerfriedhof gemäss dem Willen seines Ahnherrn Maximilian einzuweihen und sonst niemanden mehr dort zu bestatten.

Schlacht bei Hard
Aus der Festbroschüre "500 Jahre Schlacht bei Hard" (red)

Invasion vom 6.6.1944

Der Alliierten-lnvasion vom 6. Juni 1944 in der Normandie, dem grössten Landeunternehmen der Geschichte, waren verschiedene Kommandoaktionen vorangegangen. Bekannt ist der spektakuläre britische Raid vom 28. März 1942 gegen den Hafen von Saint-Nazaire; ihm folgte am 19. August die Operation „Jubilee“.
Angriffsziel war diesmal ein etwa 20 Kilometer breiter Abschnitt der französischen Kanalküste, in dessen Zentrum die Hafenstadt Dieppe lag. Das Expeditionskorps umfasste über 6000 Mann: Infanterie und Panzertruppen der kanadischen 2.Division, britische Kommandoeinheiten sowie eine Handvoll US-Rangers und frei-französische Soldaten. Der räumlich und zeitlich begrenzten Aktion waren folgende Ziele gesteckt: Sammeln von Erfahrungen im Hinblick auf eine spätere Grosslandung, Erprobung von Fahrzeugen und Material, Erkundung deutscher Bunkeranlagen und gegen England gerichteter Invasionsvorbereitungen sowie das Einbringen von Gefangenen. Im Raum Dieppe lag die deutsche 302. Infanterie-Division. Der Grund, dass das ehrgeizige Erkundungsunternehmen fehlschlug, ist nicht nur in der angeblich mangelhaften Planung zu suchen. Seinen Anfang nahm das Fiasko, als der anrollende Flottenverband durch Zufall auf einen deutschen Geleitzug stiess. Das sich entwickelnde kurze Seegefecht setzte die Küstensicherung in Alarmbereitshaft, worauf die vor Tagesanbruch an Land gegangenen Vorauskommandos lediglich eine einzige gegnerische Artilleriestellung auszuschalten vermochten. In der Folge lief der Hauptangriff vor Dieppe bereits am Strand fest. Die Landungstruppen erlitten hohe Verluste; da und dort kam es zu Panik. Der britische Offizier und Militärhistoriker Douglas Botting schreibt: „Die nachfolgenden Soldaten waren von Angst und Schrecken wie gelähmt und mussten von Marineoffizieren mit vorgehaltener Pistole zum Anlandgehen gezwungen werden.“ (Die Invasion der Alliierten, Time Life 1981, S. 29). Am späten Nachmittag des 19. August 1942 waren sämtliche Invasionsversuche abgeschlagen. Über Dieppe hatten sich auch heftige Luftkämpfe abgespielt. Von den an Land gegangenen Einheiten konnten nur knapp 1500 Mann evakuiert werden. Deutscherseits beliefen sich die Verluste an Gefallenen und Verwundeten auf etwa 400 Mann.
Im Führerhauptquartier hatte der kanadisch-britische Vorstoss einige Aufregung verursacht.
Wie aus dem Kriegstagebuch des OKW hervor geht, soll Hitler, in der Meinung, es handle sich um die erste Welle einer Grosslandung, den Abzug der motorisierten Elite-lnfanterie-Division „Grossdeutschland“ von der Ostfront ins Auge gefasst haben.

Von Vincenz Oertle, Maur, Schweizer Soldat 3/1998