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Neuenburger Tambour 1844

Neuenburg, seit 1815 vollberechtigter Kanton wie auch preussisches Fürstentum, nahm unter den Ständen der Schweiz dank dieser eigentümlichen Zustände eine besondere Stellung ein. Erst mit der Märzrevolution 1848 wurde Neuenburg zu einer demokratischen Republik. Wie alle anderen Kantone, hatte Neuenburg gemäss den Bestimmungen von 1817 der Eidgenosschaft ein Bundeskontingent zur Landesverteidigung zu stellen. Die vereinfachte Militärorganisation von 1835 legte fest, dass dem Bundeskontingent Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren angehörten. Sie bildeten sowohl Auszug als auch Reserve, wobei Wehrmänner mit geradem Geburtsjahrgang die eine Kategorie und jene mit ungeradem Jahrgang die andere bildeten. Sie wechselten sich regeImässig in ihren Kategorien ab.
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Basler Landmiliz 1778

Basler Landmiliz 1778Im ungetellten Kanton Basel des 18. Jahrhunderts ruhte die kantonale Militärmacht hauptsächlich auf den Schultern der Landbevölkerung. Im Gegensatz zu den Bürgern der Stadt forderte die Wehrpflicht von den Untertanen auf dem Land regelmässigen Militärdienst. Landleute leisteten vom 16. bis zum 60. Altersjahr Dienst in einem der beiden Regimenter der Landmiliz. Exerziert wurde jeweils an bestimmten Sonntagen nach dem Gottesdienst. Der Geistlichkeit war die Entweihung des Sonntags ein Dorn im Auge, aber die Obrigkeit wer der Ansicht, dass die Untertanen auf dem Lande sich besser an ihrem freiem Tage mit den Waffen übe, als die Zeit mit Kegeln, Trinken, Tänzen oder noch Schlimmerem zu vertun. Das Exerzieren musste jedoch rechtzeitig beginnen, denn man hielt auch fest, dass es nach 3 Uhr nachmittags unmöglich sei, einen Landmann auf den Exerzierplatz zu bekommen.

Unsere beiden Landmannen tragen die Uniform der Ordonnanz 1776. Links mit Federbusch auf dem schwarzen Dreispitz steht ein Grenadier, rechts neben ihm ein Füsilier, dessen Dreispitz eine weisse Borte hat. Der dunkelblaue Frack hat Auf- und Überschläge in Scharlachrot. Die Knöpfe bestehen aus Weissmetall. Darunter wird eine Weste in der Farbe des Frackes getragen. Die Hosen sind ebenfalls dunkelblau, die Hosenbeine stecken in hohen weissen Gamaschen. Die Patronentasche hängt an einem Bandulier über der linken Schulter. Beim Grenadier sieht man auf dem weissledernen Bandulierriemen als besonderes Zeichen seines Elitestatus eine Luntenbüchse aus Messing. Bajonett und Säbel tragen die Männer am Ledergurt, eine Basler Eigenheit damals.

Die Steinschlossgewehre kantonaler Ordonnanz, Uniform und Montur mussten die Wehrpflichtigen selber anschaffen. Zur Durchsetzung der Wehrpflicht wurde angeordnet, dass sich jeder Heiratswillige mit Gewehr und Blankwaffen beim Vogt ausweisen müsse, man forderte auch, dass der Bräutigam in Uniform mit Seitengewehr vor den Altar trete. Es wird auch von jungen Landmannen berichtet, welche sich ordonnanzwidrig gut sitzende Uniformen schneidern liessen, denn oft war die Musterung von weiblichem Publikum besucht. Da wurde auch festgestellt, dass diese Damen bei den Baselbietern mehr bewirkten, als die strengsten Drillmeister, denn ein jeder bemühte sich, unter den Augen der Damen nicht durch ungeschicktes Exerzieren aufzufallen und so zum Gespött im Dorfe zu werden.

Roger Rebmann, Basel

Generalstreik 1918

Generalstreik 1918Der Beginn des landesweiten Generalstreiks am Montag, 11, November 1918, weckte ernste Befürchtungen eines revolutionären Umsturzes, wie er etwa in Berlin stattfand. Bereits vor dern Streik waren durch den Bundesrat Truppen aufgeboten worden, und am 10. November war die Bundeshauptstadt durch die Gruppe Bern unter Korpskommandant Wildbolz militärisch besetzt. Unsere Illustration zeigt zwei Dragoner-Korporale einer Brigade, die in Bern aufmarschiert ist.

Der Korporal links trägt die feldgraue Uniform der Ordonnanz 1917, bei der die Vorstösse entlang gewisser Nähte in Schwarz gehalten wurden. Diese Uniform entsprach weitgehend derjenigen von 1926, die bis in den Aktivdienst 1939-1945 getragen wurde. Auch die Policemütze mit den beiden Metallknöpfen sollte nahezu unverändert noch während Jahrzehnten in der Armee verwendet werden. Ober seiner feIdgrauen Uniform trägt der Unteroffizier noch den alten blauen Reitermantel der Ordonnanz 1898 mit Kragenspiegeln. Auf den Unterarmen kann man die beiden breiten weissen Balken als Gradabzeichen erkennen. Vielfach wurde zur feldgrauen Uniform noch der blaue Kaput getragen. Anstelle der Reiterstiefel trägt er normale Marschschuhe.

Vor einem Einsatz gegen eine unbewilligte Versammlung auf dem Berner Münsterplatz am Morgen des 10. November erhielten die ersten Ordnungstruppen aus psychologischen Gründen den Stahlhelm ausgegeben. Dieser Dragoner hier trägt einen solchen Heim, dessen Oberfläche glatt und Graugrün war. Die Uniform des Korporals entspricht der frühen feldgrauen Ordonnanz 1914, denn die Vorstösse entlang der Nähte wie auch die Kragen- und Ärmelpatten sind noch in der Farbe Scharlachrot gehalten- Erst mit den Änderungen vom März 1915 erhielt die Kavallerie die Farbe Zitronengelb. Der Kavallerietypische Patronenbandulier entspricht wie der Reiterstiefel der alten Ordonnanz. Seine Waffe ist der abgeänderte Karabiner 1905/1911.

Roger Rebmann, Basel

Eptinger Ritter um 1340

Eptinger Ritter um 1340Die Eptinger waren einst im Gebiet des heutigen Kantons Basel-Landschaft eines der einflussreichsten Adelsgeschlechter. Einer ihrer Stämme hatte seinen Sitz zu Pratteln, wovon heute noch das Schloss als Wahrzeichen des Dorfes kündet. Nebst dern Schloss im Dorf gab es bis zum Erdbeben von 1356 auf dem nahen Adlerberg auch die Burg Madlen, welche ebenfalls ein Sitz des Rittergeschlechts war, Die Burg wird erstmals 1288 erwähnt, als ein Gottfridus de Eptingen dictus de Madlen senjor in einer Urkunde als Zeuge auftritt. In den Ruinen dieser Burg wurden bei Ausgrabungen durch die Armee 1939/40 zwei der in der Schweiz sehr seltenen Topfhelme gefunden.

Unser Ritter trägt auf dem Arm einen der Topfhelme, versehen mit Helmaufsatz (Zimier), welcher das Horn der Eptinger von Madlen zeigt, Auf dem Kopf trägt er eine Beckenhaube versehen mit einer Kettenhaube sowie einem herunterklappbaren Nasenschutz. Darauf konnte zusätzlich der Topfhelm aufgesetzt werden. Über seinem Kettenhemd trägt er den Waffenrock, welcher vorne auf dem Schoss den Adler der Eptinger zeigt. Der darüber getragene Brustpanzer bietet zusätzlichen Schutz. Die Rüstung des Ritters wird ergänzt durch Ellbogenpanzer, Panzerhandschuhe und Seinschienen mit Schnabelschuhen.

Dass die Topfhelme der Ritter von Madlen auch im Kampf getragen wurden, lässt sich daraus folgern, dass der ältere der beiden Helme eine Beschädigung von einer Turnierlanze aufweist und der jüngere auf der linken Wangenseite provisorisch repariert wurde. Diese Art Helm verschwand im 14. Jahrhundert allmählich zugunsten von Modellen, die mehr Sichtfeld boten.

Roger Rebmann, Basel

Fouriere 1912

Fouriere 1912Diese beiden nonchalanten Herren, die im Manöver um 1912 ihre Zigaretten rauchend das nahe Treiben der Infanterie beobachten, sind Fouriere. Die Aufgaben ihres Grads waren vielfältig. Für die Soldaten einer Kompanie waren wohl die wichtigsten Punkte, um die sich der Fourier zu kümmern hatte, das Rechnungswesen mit der Soldauszahlung sowie der Verpflegungsdienst. Im Jahr 1912 musste ein zum Fourier vorgeschlagener Unteroffizier eine 30-tägige Fourierschule absolvieren, um danach den Grad in einer Rekrutenschule abzuverdienen.

Das weisse Band um den Tschako der Ordonnanz 1898 ist eine gut sichtbare Parteimarkierung für Manöverübungen. Man erkennt von der Tschakogarnitur lediglich noch die unterschiedlichen Pomponfarben der entsprechenden Kompanien. Die Fouriere tragen die schlichte dunkelblaue Feldbluse mit den Gradabzeichen auf den Ärmeln. Auf ihrer linken Seite sind zwei Knöpfe in diagonaler Linie angebracht, wo bei gewehrtragenden Mannschaften ein Patronenband mit Extramunition angebracht werden konnte.

Zur dunkelblauen Ordonnanzhose mit dem Vorstoss in der Waffenfarbe entlang der Seitennaht werden hier hohe Wickelgamaschen getragen. Ihre ledernen Schriftentaschen tragen die Fouriere über die Schulter gehängt.

Die persönliche Waffe ist hier beim Fourier links die Parabellum-Pistole der Ordonnanz 1900 oder 1906, was aus dem getragenen Holster zu schliessen ist. Der Fourier rechts trägt noch das Futteral zum Ordonnanzrevolver 1882. In den kommenden Jahren sollten allmählich die Revolver zu Gunsten der Pistolen verschwinden. Nur teilweise sichtbar ist beim Mann links der Säbel für höhere Unteroffiziere der Ordonnanz 1885.

Roger Rebmann, Basel

Emil Freys Kompanie, Juni 1863

Emil Freys Kompanie, Juni 1863Während seiner Zeit in den USA trat der spätere Bundesrat Emil Frey aus Arlesheim/BL in die Unionsarmee ein, als der Bürgerkrieg ausbrach. Er liess sich im Juni 1861 für das 24. Illinois-Regiment des einstigen deutschen Revolutionärs Friedrich Hecker anwerben, aus dem er genau ein Jahr später in Tennessee, wohl von der Malaria befallen, seinen Abschied nahm. Wenig später stellte Friedrich Hecker in Camp Butter in Springfield/Illinois ein neues Regiment auf, das 82nd Illinois Volunteer Infantry Regiment. Kurzentschlossen trat Frey ein und führte als Offizier die H-Kompanie, welche überwiegend aus Schweizer Auswanderern bestand, bis zu seiner Gefangennahme in der Schlacht von Gettysburg am 1. Juli 1863. Unser Korporal der H-Company des 82nd Illinois trägt die dunkelblaue Feldjacke, genannt Sack-Coat, die von schlichtem Schnitt war und nur vier Knöpfe hatte. Die meisten Soldaten des Regiments trugen State-Jackets – kurze Uniformjacken des Staatsarsenals – aber auch der Sack-Coat ist belegt. Das Käppi mit dem Kompaniebuchstaben in Messing auf dem Deckel ist dunkelblau und wurde in dieser Version „Bummer Cap“ genannt. Die hellblaue Mannschaftshose entspricht dern Einheitsmodell der US-Bundesarmee und war auch ein

beliebtes Beuteobjekt beim Gegner. Die M-1855-Munitionstasche aus schwarzem Leder wird über die linke Schulter getragen. Auf ihrem Deckel ist ein ovales Messingschild befestigt, welches die Buchstaben „US“ trägt und das mit seinem Gewicht den Taschendeckel geschlossen hält. Zur Munitionstasche trägt der Mann, hier nicht sichtbar, eine Zündhütchentasche am Gurt. Der Gurt selber besteht aus schwarzem Leder, seine ovale Messingschliesse zeigt ebenfalls die Buchstaben „US“. Dem Regiment kamen in der verlorenen Schlacht von Chancellorsville im Mai 1863 zahlreiche Tornister abhanden. Dieser Korporal hat den verlorenen Tornister nach „Rebellenart“ durch eine gerollte Wolldecke ersetzt, die im Inneren alle Habseligkeiten aufnimmt. Über die rechte Schulter trägt er den Brotsack aus geteertem Segeltuch und die Feldflasche, Die Waffe ist die P-1853 Enfield 3-Band-Muskete – ein damals beliebter englischer Exportartikel.

Vom 14. Dezember 2002 bis zum 19. Januar 2003 kann man im Museum im Bürgerhaus in Pratteln/BL übrigens eine Ausstellung sehen, welche sich mit den Auswanderern aus der Nordwestschweiz in der Unionsarmee 1861 bis 1865 befasst.

Roger Rebmann, Basel

Luzerner Infanteriehauptmann im Felde 1866

Luzerner Infanteriehauptmann im Felde 1866Noch in den 1850er-Jahren bot der Schweizer Offizier einen prachtvollen Anblick, angetan mit einem Frack, den metallbestickte Epauletten und ein Halskragen aus Messing ergänzten. Kragen wie Taille waren so knapp bemessen, dass ein Offizier sich kaum ein Gramm zusätzliche Korpulenz erlauben konnte, ohne dass Nachbesserungen beim Schneider von Nöten wurden.

Mit der Einführung Ordonnanzuniform 1861 konnten auch die Offiziere den alten engen Frack ablegen und sich fortan in eitlen grosszügig geschnittenen zweireihigen Waffenrock kleiden. Der Abschied vom Frack hatte im Parlament zu einer veritablen Redeschlacht geführt, so sehr hatte man sich an den Anblick des ebenso dekorativen wie absurden Uniformstückes gewöhnt. Ebenfalls weit geschnitten waren die Hosen, ganz dem französischen Vorbild folgend.

Der neue Tschako ist hier wesentlich niedriger als das alte Modell (weiches auch als „Angströhre“ oder „Zigerstock“ bekannt war) und weist die Garnitur der Infanterie auf, Der Pompon, oben weiss und unten rot, deutet auf die erste Zentrums-Kompanie hin.
Unter der etwas feiner ausgearbeiteten Blechganse für Offiziere ist die Kantonskokarde in Blau und Weiss zu sehen. Das Bataillon, dessen Nummer über dem Lederschirm prangt, gehörte dem Luzerner Auszug an und war Teil der Infariteriebrigade 27.

Als Rangesinsignien trägt unser Hauptmann eine silberfarbene Epaulette und eine Contre-Epaulette ohne Fransen. Seinen Offizierssäbel hat er am Ceinturon ziemlich weit im Rücken aufgehängt, weil ihn die Blankwaffe vorne beim Gehen im Feld behindern würde, über der Schulter hängt der gerollte Kaput, der, wie die meisten Kleidungsstücke des Offiziers, in gehobener Qualität bei einem Schneider privat angefertigt wurde.

Eine Besonderheit ist hier der amerikanische Remington-Revolver Modell 1860, der sich schon auf den Schlachtfeldern des Sezessionskrieges bewahrt hat. Diese Waffe war nie offiziell Schweizer Ordonnanz, doch unser Hauptmann hat sie sich, wie es viele Offiziere mit Faustfeuerwaffen taten, auf eigene Kosten angeschafft. Er prüft gerade den Sitz der Zündhütchen auf der sechsschüssigen Revolvertrommel. Das Holster trägt er nach Art der amerikanischen Kavalleristen auf der gegenüberliegenden Seite des Säbels.

Roger Rebmann – Rost und Grünspan.

Eidgenössischer Büchsenschütze 1476

Eidgenössischer Büchsenschütze 1476Oft stellen alte Chronisten und auch noch Schulbücher des 20. Jahrhunderts die 1375 einfallenden „Gugler“ oder das Armagnakenheer von 1444 als schrecklich plündernde Horden dar. Brutalitäten gegenüber der Zivilbevölkerung waren aber nicht nur bei Guglern oder Armagnaken üblich, auch die Eidgenossen waren nicht zimperlich.
Als rund 8000 eidgenössische Kriegsknechte zur Unterstützung der Lothringer gegen die Burgungdertruppen Karls des Kühnen nach Nancy entsandt wurden, zogen sie am 26. Dezember 1476 bei Basel ins befreundete Elsass ein. Dort suchten sie unter dem Befehl des Zürchers Hans Waldmann das Land als zügellose Schinder heim. Sie wüteten so schlimm, dass ihr Name bis ins 20. Jahrhundert ein Synonym des Schreckens blieb. Mir berichtete noch 1992 ein Elsässer Landwirt, dass man ihnen als Kinder mit den „Suisses“ gedroht hätte, falls sie ihren Teller nicht ausessen würden.
Das Bild zeigt einen dieser Eidgenossen auf dem Zug nach Nancy. Er bezahlt eben seine ruchlosen Absichten mit einer gebrochenen Nase, zu welcher ihm eine resolute elsässische Magd mit einer Zinnkanne verhilft. Bei unserem Schurken handelt es sich um einen Büchsenschützen, von denen etwa 1000 Mann im eidgenössischen Gewalthaufen und 800 in der Nachhut am 5. Januar 1477 bei Nancy kämpften.
Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts hatten Büchsenschützen immer mehr an Bedeutung gewonnen, obwohl ihre Waffe noch in vielen Belangen zu verbessern war. Das Gewehr unseres Mannes liegt hier auf dem Boden und ist ein sehr primitives Modell. Der Lauf mit einem Zündloch war auf ein schaftähnliches Stück Holz montiert. Gezündet wurde der Schuss indem der Schütze eine glühende Lunte von Hand ans Zündloch führte. Es gab schon Modelle mit schlichtem Abzug, allerdings sind wenige davon für den Zug nach Nancy belegt. Das Schwarzpulver trägt er in einer Kanne um den Hals geschlungen auf dem Rücken. Ebenfalls umgehängt hat er eine Tasche mit Kugeln und Lunten.
Als Zweitwaffe trägt er einen Schweizerdegen am Gurt. Hose, Jacke und die Schlupfhaube um den Hals sind hier ziviler Herkunft, wobei es auch uniformähnliche Kleidung in den Farben des eidgenössischen Standes gab. Gelegentlich wurde unter der Jacke ein kurzes Kettenhemd als zusätzlicher Schutz für den Nahkampf getragen. Der so genannte Eisenhut unseres Büchsenschützen vermochte in diesem Fall den Kopf nicht gegen die Zinnkanne zu schützen.

Roger Rebmann, Basel

Berner Dragoner 1835

Berner Dragoner 1835In unserer Januarausgabe 2000 haben wir den Dragoner nach der eidgenössischen Ordonnanz 1852 vorgestellt. Nun ist die Reihe an einem Vorgänger.
Bern gehörte als grosser Kanton zu einem der Vorreiter, wenn es um militärische Neuerungen ging. Aber zu Beginn der 1830er-Jahre war es nicht allzu gut um das Militärwesen Berns bestellt. Nach der liberalen Wandlung des Kantons weigerten sich 135 höhere Offiziere, überwiegend Patrizier, den Fahneneid auf die neue Verfassung zu leisten, womit fortan Kadermangel herrschte. Die neue Regierung selber stufte das Militär auf der Prioritätenliste zurück, mit dem Resultat, dass Übungslager, Wiederholungskurse und Musterungen der Sparsamkeit zum Opfer fielen. In Sachen Uniformierung hatte der Kriegsrat von Bern 1829 ein fortschrittliches „Reglement für die Bekleidung der Bernischen Miliz“ erlassen. Diesen Vorschriften entspricht auch die Uniform unseres Dragoners.
Auf dem Tschako trägt er den rot-weissen Pompon der ersten Kompanie (Der Kanton unterhielt damals zwei Dragonerkompanien), darunter eine Weissblechganse und die bernische Kokarde in Schwarz und Rot. Der Kinnriemen mit den Schuppenbändern, welche im Kampf den Kopf gegen Säbelhiebe von der Seite schützten, wird nur beim Dienst zu Pferde unter dem Kinn zusammengebunden. Ansonsten bindet man den zweiteiligen Riemen ¨über dem Pompon zusammen. Der Frack mit karmeisinrotem Kragen und Vorstössen ist aus dunkelgrünem (vert dragon) Tuch gefertigt und besitzt einen dekorativen Brustlatz, der mit den zwei Knopfreihen befestigt wird. Eine Tragschlaufe auf der linken Frackseite, wo der Säbel hängt, fixiert den Gurt auf korrekter Höhe, sodass er unter der Last nicht über die Hüfte herunterrutscht.
Das Lederzeug ist weiss; und über der Schulter erkennt man den Tragriemen für die Giberne (Munitionstasche zur Pistole). Auf der Gurtschliesse und dem Mantelsack hinter dem Sattel sieht man eine Granate. Dieses Abzeichen war einst den Grenadieren der Infanterie vorbehalten, wurde aber später auch von anderen Eliteeinheiten verwendet.
Die Hosen weisen Besatzpartien von schwarzem Leder an den Innenseiten der Beine auf, wie es bei Reitern üblich ist. Die Handschuhe sind ebenfalls aus schwarzem Leder. Man beachte das weisse Schlagband, welches den Griff des Dragonersäbels kantonaler Ordonnanz mit dem Handgelenk des Reiters verbindet. So soll verhindert werden, dass der Mann die Waffe im Ritt verliert.
Das Pferd ist mit dem damals neuen ungarischen Sattel versehen. Dieser Satteltyp löste den alten gepolsterten Schnabelsattel ab, musste jedoch etwas an hiesige Verhältnisse angepasst werden, denn die Berner Landpferde hatten breitere Rücken als die schneidigen Kavalleriepferde des Auslands. Dafür hätte sich ein französischer Kavalleriehengst vermutlich auch wenig für den zivilen Dienst in der Landwirtschaft geeignet.

Roger Rebmann, Basel
Schweizer Soldat, 6/2001

Mitrailleur 1979

Mitrailleur 1979Ende der 50er-Jahre gewann man die Erkenntnis, dass der Schweizer Soldat eine neue Feldbekleidung benötigt, welche dem Zeitalter des Sturmgewehrs angepasst ist. 1958 fiel die Wahl auf jenen Kampfanzug, der dann drei Jahrzehnte lang das Bild des Wehrmannes mitprägen sollte. Im August 1959 defilierte die Artillerie-RS Sidon im neuen „Kämpfer“ (vulgo „Vierfruchtpyjama“), der somit erstmals einem grösseren Publikum vorgeführt wurde. Mit diversen kleineren Modifikationen blieb der zuletzt als „Kafaz 70“ bekannte Anzug bis in die 80er-Jahre im Dienst. Er dürfte mit den unverwechselbaren Farben wohl einzigartig in der Welt sein, und auch die zahlreichen Taschen erstaunten manchen Rekruten beim Kleiderfassen.
Eben diese Taschen machten es möglich, dass der Wehrmann nahezu den gesamten „Hausrat“ am Körper mitführen musste. Es ist nicht immer vorteilhaft, wenn von der Gamelle bis zum Sturmgewehrmagazin alles in den Taschen des Wehrkleides rumrasselt.
Wenn je ein Schweizer Wehrmann auf dem Schlachtfeld verwundet worden wäre, dann hätte man rasch herausgefunden, dass man ihn förmlich bis auf die Unterhose ausziehen musste, um ihn von seiner kunstvoll durch Schlaufen und Klammern und Karabinerhaken verbundenen Ausrüstung zu trennen.
Heute begegnet man dem Kafaz zuweilen in den Liq-Shops; und auch der Schreibende hat sich aus Nostalgie einen gekauft, auch wenn er ihn vor zwölf Jahren ganz furchtbar verabscheut hat.
Unser Mitrailleur hat gerade an einem Kiesweg in einem Vorgarten sein MG51 in Stellung gebracht. Er trägt den neuen Stahlhelm 71 mit Tarnbezug, wobei das weisse Kunststoffband ihn in diesem Manöver als den „böFei“, den Angreifer, bezeichnet. Zum Kampfanzug trägt er den kleinen Rucksack, welcher mit zwei Metallklammern und einer Stoffschlaufe an der Jacke fixiert wurde. An diesem Rucksack wurde auch der Schanzspaten befestigt. Unter der Jacke trägt er einen „Gnägi-Pullover“ und ziemlich sicher einen blauen Faserpelz eines skandinavischen Herstellers. In den Jackentaschen brachte man nebst Feldflasche und Gamelle auch diverses weiteres Material unter, sodass die Taschen immer zum Bersten voll waren.
Die Hosenbeine steckten in Ledergamaschen die mit drei Schnallen zu schliessen waren. Die Hosenträger der Beinkleider neigten dazu zu verrutschen oder aufzugehen, wenn man sie nicht kraftvoll und ordonnanzwidrig zu verknoten wusste. In den Knietaschen fanden im Gefecht häufig die Stielhandgranaten Platz, auf dem Marsch wurde dort die Feldmütze 49, genannt „der Mutz“ verstaut, aber nur wenn dies obrigkeitlicherweise angeordnet war…

Roger Rebmann, Basel
Schweizer Soldat 7-8/2001