Appenzeller Infanterie

Appenzeller InfanterieIm September 1841 befand sich der eidgenössische Generalstabsoberst Franz Niklaus Zelger aus Stans im Appenzellerland auf Truppenschau (so wie im Bild haben wir uns den Inspekteur vorzustellen). Zu beurteilen war in Heiden und in Herisau das Ausserrhoder Bundeskontingent, bestehend aus zwei Bataillonen Infanterie A fünf Kompanien zwei Scharfschützenkompanien und drei Dutzend Trainsoldaten. Die Dienstzeit in der Elite erstreckte sich vom 21. bis zum 29. Altersjahr.

Wie dem "Schweizerischen Militäralmanach" des Jahres 1844 zu entnehmen ist, fiel der Inspektionsbericht nicht in allen Teilen positiv aus. Während die Scharfschützen recht viel Lob ernteten (,,im Appenzellerlande scheut man weder Zeit noch Kosten, um die Scharfschützen auf den möglichsten Grad von Vollkommenheit zu bringen"), notierte Oberst Zelger über die ordinäre Infanterie: ,Es waren bei allen Kompanien solche Leute eingeteilt, die teils wegen zu kleinem Wuchse, teils wegen körperlicher Schwäche die Beschwerden eines Feldzuges nicht zu ertragen vermöchten Mängel zeigten sich aber auch bei der Bewaffnung, bei den Gewehren, Patronentaschen und Säbeln: ,Diese Gegenstände sind von sehr verschiedenen Modellen, nicht gut unterhalten und zum eigentlichen Dienst untauglich. Ferner waren die von den Wehrmännern privat zu beschaffenden Uniformen von unterschiedlicher Qualität Farbe und Façon Und überdies hiess es: "Anzug und Reinlichkeit lassen noch Vieles zu wünschen übrig." Punkto "Instruktion und Disziplin" sah es dann bedeutend besser aus, obwohl die Trompeter des 2. Bataillons nicht im Stande waren, Signale zu blasen. Oberst Zelger rapportierte: .Die Handgriffe und (das) Feuer sowohl, als die Manöver wurden mit Präzision und Schnelligkeit vollzogen; die Jäger zeigten sich Intelligent, und im Dienst der leichten Infanterie gehörig unterrichtet." Dieses Lob gebührte unzweifelhaft einzelnen Kadern, die ihr militärisches Können einst in fremden Diensten erworben hatten, in den Niederlanden, in Frankreich oder in Neapel. Von deren Fachwissen und Schliff profitierten die kantonalen und eidgenössischen Milizen noch lange Jahre. Der Weg zum einheitlich ausgerüsteten und kriegstauglichen Bundesheer war noch weit.

Vincenz Oertle, Esslingen