Aargauer Kanonier 1856

Aargauer Kanonier 1856

Aargauer Kanonier 1856Gemäss der Armee-Einteilung um 1856 war die Aargauer 24-Pfünder-Haubitz-Batterie 3 in der Artilleriereserve der Brigade 2 eingeteilt. Der immer wieder in Militärbelangen fortschrittliche Kanton verfügte schon seit 1827 über Haubitzen dieses schweren Kalibers.

Auf unserer Illustration hat sich ein Aargauer Kanonier auf seinem Tornister niedergelassen, um ein Stück Brot zu verzehren. Dieses wird er mit einem Schluck Wasser (?) aus seinem nicht ordonnanzgemässen Zinnbecher begiessen.

Seine Kopfbedeckung ist der Tschako der Ordonnanz 1852 mit Artilleriegarnitur. In der Waffenfarbe Rot krönt ein Pompon mit gleichfarbiger Flamme die Kopfbedeckung. Auf der neusilbernen Blechganse prangt bei der Artillerie exklusiv anstelle eines schlichten Knopfes eine platzende Granate. Darunter sind die gekreuzten Kanonenrohre zu sehen, weiche noch bis zur Ordonnanz 1898 die Tschakos dieser Waffe zierten.

Der Artilleriefrack der Ordonnanz 1852 wies zwei Frackschwänze auf (hier nicht sichbar), welche deutlich kürzer waren als jene der Infanteriefräcke. Dies daher, weil Artilleristen, beritten oder auf dem Munitions-Caisson sitzend, keine Frackzipfel brauchten, die sich einmal unter der Gesässbacke und einmal frei flatternd bemerkbar machten. Der zweireihige dunkelblaue Frack hat einen roten Kragen und gleichfarbige Vorstösse, Die roten Artillerieepauletten waren inwendig mit einer Metallzange versehen und boten dem kaum bewaffneten Kanonier einen gewissen Schulterschutz gegen Säbelhiebe von Kavalleristen. Am linken Arm zeigt die Armbinde mit Schweizerkreuz, dass der Wehrmann für die Eidgenossenschaft Dienst tut.

Das weisse Gurtzeug lässt die dekorative Messingschnalle erkennen. Teilweise sichtbar ist hier das Faschinenmesser Modell 1852, welches bis ins 20. Jahrhundert dem Kanonier als Seitengewehr diente. Die blauen Tuchhosen haben einen roten Vorstoss enlang den Hosennähten. Hier werden die weissen Leinengamaschen unter den Hosenbeinen getragen. Auf dem Artillerietornister, der hier als Sitzgelegenheit dient, kann man den gerollten Kaput erkennen. Das Rollen der weissen Lederriemen zu „Schnecken“ war das Vorgängerritual des späteren Verschlaufens aller irgendwie vorstehender Lederstreifen. Schon damals achteten die Feldweibel mit Argusaugen auf solche Details.

Roger Rebmann – Rost und Grünspan